98 Geschichte der WorzellaLnsabrik in Heu-Kanau. Von Professor E. A. v. Drach. (Fortsetzung.) s ie Bally'sche Wittib genoß das Pri ­ vilegium nicht sehr lange, da sie im Jahre 1693 verstarb; dies geht hervor aus der oben schon angegebenen Eingabe, ver ­ mittelst deren im Jahre 1694 „Daniel Be ­ hage! Handelßmann in Frankfurt vnd Johanna Jacobs van der Walle seel. wittib") ge- bohrne Simons von Alphen" beim Grafen Philipp Reinhart «pro gratiosissima con ­ firmatione et extensione des über die xareellan Backung vnd Handlung vormahlen ertheilten herrschaftlichen privilegii- nachzusuchen. Es heißt bartrt : 15 ) „Nachdem nun nach absterben der Balyschen Wittibe die Erben die Compagnie mit Uns fort ­ zuführen vermeinet, wir aber an ihrer geführten aciministration kein genügen gehabt, und dabey wahrgenommen^ daß sich einiger Verlust bey dieser Handlung hervor gethan und das werck sich an ­ sehen laßen, alß ob es gar ins stocken kommen und zu grundte gehen wollte, wir aber alß fun- datores desselben in consideration, daß wir dies werck mit großer müh und vielen Kosten in per- fection gebracht, solches nicht zugeben können; j Alß haben wir, ohnerachtet wir an die Balysche Erben ein merckliches hätten zu praetendiren gehabt, auf interprosition fürnehmer Herrn vndt freundten, sich mit ihnen in einen aeoorä ein ­ gelassen, und ihnen eine nahmhafte Summa für ihren gäntzlichen abstandt zu geben, Sie aber die gantze Backung und Handlung Uns abzutretten Vndt das noch wenig Jahr währende privilegium zu oediren versprochen. i«) Es ist uns nicht gelungen, den Todestag des Jacob van der Walle festzustellen. Die Verheirathung mit Johanna, einer Tochter des Hieronymus Simons van Alphen fand am 26. April 1655 zu Hanau statt; am 24. April des folgenden Jahres lassen die jungen Ehe ­ leute zu Hanau einen Sohn taufen, der nach dem Groß ­ vater Wilhelm genannt wurde und wozu ein Pieter van der Walle Gevatter stand. Später verzogen sie nach Frankfurt a. M. >5) In unmittelbarem Anschluß an den oben abgedruckten Eingang des Gesuchs. Dieweilen nun, gnädiger Grast vndt Herr! wir vorerwehntermaßen bey diesen gefährlichen Kriegszeiten eine considerable Suramam gelbes an die Balysche Erben nicht nur Zahlen, sondern auch alle zu diesen kabrigue nöthige materi theuer einkauffen müßen, daß wir unsere Unkosten fast nicht wieder darauß ziehen können, gleichwohl aber diese schöne nnd nützliche t'abrigue theils umb ihrer selbsten, theils aber vieler armen leuthen willen, die sich bishero davon genehrt, Vndt noch nehren müßen, nicht abandonniren wollen, Alß gelanget hiermit an Euer hochgräffl. Gnd. unsere unterthänigste öthdemüthigste und höchst flehent ­ liche Bitte, dieselbe wollen gdgst. geruhen, Uns die hochgräffl. milde und gnade widerfahren zu laßen, Vndt daß anst die Balysche Wittib und Erben ertheilte Vndt uns credirte hohe herschafft- liche privilegium über die porcellan Backung und Handlung nicht nur gndst. zu confirmiren vndt zu bekrüfftigen, sondern auch selbiges auf fünfzehn Jahren gdst. zu prolongiren und zu erstrecken." Laut „Extract hochgräfl. Hanauischen Re- gierungs-Lrotocolli vom 23. Jan. 1694" haben daraufhin „Jhro Hochgräfl. Gn. Daniel Behageln und der Van der Wallischen Wittib zu Franck- furth das Urivilegium wegen der korcettain Backung allhier auf 10 Jahr extendirt." Der neue Freiheitsbrief ist vom 11. Jan. 1694 und unterscheidet sich von dem frühern dadurch, daß sub 3) bestimmt wird, die Gräfl. Renth-Cammer möge den Beständern Erde und Salz gegen Er ­ stattung billigen Werths überlaßen und sie vor andern damit befördern; dann heißt es weiter: „Vndt ob Sie wohl 4) Zur Erlangung der Erden, bereits vor diesem Einigen Platz Vnseren Vnder- thanen zu Bischofs heim") käufflichen an sich bracht, Sollen vndt wollen Sie Vnß dennoch da- ^6) In: Engelhard: Erdbeschreibung der hessischen Lande kasselischen Antheils rc. steht im 2. Theil S. 773 bei der Besprechung des Dorfes Bischofs he im: „Auch wird die zur Hanauischen Porcellainfabrik erforderliche Erde oder Lettich hier gegraben."