58 Newe Fabric oder Manufactur dießer orthen einführen würden, einige Jahr Freiheit Von allen bürgerlichen beschwehrden grg. Verordnet, Vnd wir ohne daß Zu dießer Statt allezeit Vnsere sonderliche Vnderthänige Affection ge ­ tragen, So wehren wir wohl entschloßen, solche Nwe Vnd dießer Landen niemahlß ge ­ übte Negoti /:durch welche keinem einzigen Menschen der geringste Eintrag oder Nachtheil nicht geschicht, Sondern Vielmehr die bürgerliche Nahrung Vnd gewerb gebeßert, auch selbst Ge ­ meiner Statt Ruhm Vnd aufnehmen befördert wird:/ alhier in dießer löblichen Newen statt 7 ) Frankfürt a. M. für die Anlage in Aussicht genommen Am 21. Febr. 1661 wurde daselbst im Rath ein Gesuch beider verlesen, „Ihnen allhier eine Feuerstätte und Pur ­ cellain-Backerey auf 20 Jahre zu vergönnen." Die That ­ sache, daß sie schon nach wenigen Tagen sich nach Hanau wandten, beweist, daß in Frankfurt Schwierigkeiten ent ­ standen waren. Wann am letzteren Orte eine Fayence- fabrik in Betrieb gesetzt wurde, ist noch unermittelt; die Angabe des Jahres 1650 im Hanauischen Magazin scheint mit Rücksicht ans vorstehendes irrig zu sein. 7) Ueber die Gründung der Neustadt Hanau vgl. m. Junghans, Kurze Geschichte der Stadt und des Kreises Hanau rc. S. 29 ff. Daselbst sind auch die den Einwanderern, welche größtentheils aus im Jahre 1555 aus der Heimath vertriebenen Wallonen und Niederländern ahnzufangen, Vnd daß darzu nothwendige er ­ forderte Oaxitbal, welches im ersten Jahr Vnder 6000 fl. nit würdt sein können in die wag zu stellen. Wofern dieses Privilegium Vnd Freyheit zu erhalten: 1) daß in denen nächst nacheinander folgenden fünf Vnd Zwantzig Jahren dergleichen Porcelain Backerey, Niemanden anderst als Vns Vnd den Vnsrigen in dieser Statt Vnd gantzen Grafschaft Hanau ahnzurichten erlaubet, 2) die darzu gehörige Materialien Vnd Materiata mit keiner beschwehrung deß ein- Vnd ausführens belegt, Vnd 3) Vnserem Zu solcher schwehren Arbeit bestelten Verwalter Vnd feinem Gesinde/: nach Verfließung abgedachter grg. Verwilligter befreyungs-Zeit:/ gegen erlegung Zimblicher und gebührenden Schutzgeltes Von allen Bürgerlichen Beschwehrden alhier zu wohnen Verstattet, Vnd über solcheß alleß Schriftlichen darzu benöttigter Schein Vnß ertheilt werde. (Fortsetzung folgt.) bestanden, die sich seitdem in Frankfurt a. M. niedergelassen hatten, jetzt aber auch dort in der freien Religionsübung gehindert wurden, durch die sog. Kapitulation vom 1. Juni 1597 zugesicherten Freiheiten angegeben. Ueber die in Folge derselben zu Hanau entstandenen Fabriken findet sich näheres ebenda Seite 85 ff. j-^-F Agsseler Kagesneuigkeitlm aus dem 18. Jahrhundert. Von Otto Gerland. (Fortsetzung.) nfangs 1774 wurden zur Durchführung der Kleiderordnung Besichtigungen in den einzel ­ nen Häusern vorgenommen, sie erwies sich aber als undurchführbar. Nicht besser erging es dem erneuerten Verbote des Kaffees, „das niemand verhinderte, ihn zutrinken, und dem der Schoko ­ lade." Im Frühjahr starb der Leibneger des Land ­ grafen , nachdem er vorher getauft worden war. Vom 20 — 24 Mai erfror alles Obst. In der Unterneustadt fand eine Hochzeit statt, „die wie die der Lapither endigte" und sehr traurige Folgen nach sich zog. Ein Bäcker aus der Unterneustadt heirathete eine Tochter des Stallschreibers Wenderot h. Die Gesellschaft war sehr zahlreich, und abends kam ein betrun ­ kener Offizier vom rosenrothen Regiment, der ein Freund der jungen Frau gewesen sein sollte, hinzu und wurde unverschämt. Einige Bürger, namentlich der Gerber Pinhard und der Sohn des Mühlenmeisters Engelhard fielen deshalb über ihn her und schlugen ihn. Als der Offizier den Degen ziehen wollte, wurde er die Treppe hinunter geworfen, wo er einem Polizeidiener begegnete, der ihm Degen und Portepee abnahm, ihn durchprügelte und im Koth herumwälzte. Als er auf der Erde lag, wurde er noch sehr mißhandelt. Der Offizier erhielt einige Zeit Arrest, die Bürger wurden, nachdem sie sich auf der Polizei sehr unverschämt verant ­ wortet hatten, in der Goldkammer *) eingesperrt, und es wurde dann Engelhard zu 9 Monaten Festung, Pinhard zu 6 Monaten Zuchthaus verurtheilt. Bald darauf machte eine andere Skandalgeschichte von sich reden. Die sich damals am kasseler Hof aufhaltende Prinzessin Soubise hatte als Hausmeister einen gewissen Fevé, der früher Advokat zu Nancy gewesen war. Da dieser sein Amt schlecht verwaltete, so beauftragte die Prinzessin den in hessischen Diensten stehenden Hauptmann Du moni damit, Fevé Rechnung *) Dem bürgerlichen Gefängniß im alten Rathhaus an der Fischgasse.