57 außerhalb der ehemaligen Grafschaft Hanau wohl kaum verbreitet gewesenen Wochenschrift ist auf Seite 128 als „Vierter Beitrag zu der Geschichte der Fabriken und Manufakturen in Hanau" folgendes eingerückt: „Von der Fayence-Fabrik, aus den von ihr selbst mitgetheilten Nachrichten." „Als noch in ganz Deutschland keine Fayence oder ordinäres Porzellain fabrizirt wurde, so errichteten zwei ansehnliche Kaufleute aus den Niederlanden eine dergleichen Fabrike im Jahre 1650 in Frankfurt am Main. Durch eben die ­ selben wurde hernach eine in der hiesigen Neu- Stadt errichtet, welche in kurzer Zeit in besten Flor kam, da sie auch von dem damals regierenden Grafen zu Hanau mit ansehnlichen Freiheiten beschenkt wurde. Vor ohngefähr 70 Jahren hat sie Simon van Aphen an sich gekauft, dessen Nachkommen und Erben sie noch bis jetzt mit der größten Sorgfalt fortgeführt haben. Ob nun zwar unterdessen sehr viele dergleichen Fabriken in Deutschland entstanden sind, so hat doch die hiesige jederzeit wegen ihrer Ordnung und wegen ihrer schönen und guten Waare in einem guten Ruf gestanden, und noch jetzt ver ­ sendet sie ihre Waare in alle Gegenden Deutsch ­ lands. Landgraf Wilhelm VIII. zu Hessen, der' ein besonderes Augenmerk auf diese Fabrike ge ­ habt hatte, hat sie deswegen mit vorzüglichen Freiheiten begnadigt?) die alle von unserm gegenwärtigen theuersten Landesfürsten bestätigt worden sind. Vor Zeiten, da wenige dergleiche Fabriken in > unseren Gegenden vorhanden waren, haben zu- | weilen 50 und mehrere Arbeiter in derselben | gearbeitet. Gegenwärtig arbeiten noch in der ­ selben 21 Leute." 3 * 5 6 ) Als vorstehendes vor einer Reihe von Jahren zur Kenntniß des Verfassers gelangt war, konnte 2) Zn Folge des am 26. Zuli 1643 mit der Landgräfin Amalia Elisabeth von Hessen-Kassel, einer ge ­ borenen Gräfin von Hanau, abgeschlossenen Erbver ­ trages gelangte im Zahre 1736 nach dem Aussterben des Hanauer Grafenhauses die Stadt Hanau mit den ehemals Münzenbergischen Landen an Hessen. Der spätere Land ­ graf Wilhelm VIII., damals Statthalter seines Bruders Friedrich, welch' letzterer zugleich König von Schweden war, übernahm die Regierung der Grafschaft und hielt am 25. April 1736 seinen Einzug in Hanau. 3) Obenstehendes ist offenbar die Quelle für die sich in Gädicke, Fabriken- und Manufacturen-Adreß- Lexikon von Teutschland (Th. II. S. 214) findende Mittheilung über die Hanauer Fayencefabrik gewesen und dürfte es auf diesem Wege dann auch die Grundlage für die Angaben in Jännicke's Grundriß geworden sein. er sofort eine ihm bekannte Markes als die van Alphens deuten und darauf hin sein syste ­ matisches Sammeln von. Hanauer Fayencen be ­ ginnen. Behufs Feststellllng der Geschichte der Manufaktur blieb er auf die im Königl. Staats ­ archiv zu Marburg a. L. vorsindlichen Urkunden, welche lediglich äußere Verhältnisse der Fabrik, namentlich Ertheilung und Verlängerung des Privilegs betreffen, angewiesen. Von befreundeter Seite ihm zugestellte Kopien und Auszüge aus den Rathsprotokollen von Neu-Hanau ergaben nichts von Belang. Aus den eigentlichen Fabriks ­ akten, d. h. Rechnungen, Lohnbüchern, Brand ­ zetteln, Waarenverzeichnissen u. dgl. scheint leider nichts vorhanden zu sein. Trotzdem konnte aus den Marburger Archivalien die nachstehends zum Abdruck gelangendeSkizze zusammengestellt werden. Eine vom Verfasser veranlaßte Durchsicht der Hanauer Kirchenbücher lieferte die Namen einer- großen Anzahl in der Fabrik beschäftigt ge ­ wesener Personen; sie gelangen am Schlüsse des Aufsatzes in alphabetischer Reihenfolge mit den anderweit ermittelten zur Mittheilung. Der Beginn der Hanauer „Porzellaiu-Backerey" datirt, wie oben schon bemerkt, aus dem Jahr 1661; am 1. März jenes Jahres gelangte an den Rath der Neustadt Hanau folgendes Gesuch um die Gestattung der Anlage?) Edel, Ehrenvest Vnd Wohlgelührt, Ehrsam, Fürsichtig Vnd Wohlweiße dießer Newstatt Hauaw Wohlverordnethe Herrn Schultheiß, BürgerMeister vnd Rath Erg. HvchgeEhrte Herrn rc. Ew. E. F. vnd Wohlgeb. geben wir die endtßvnderschrieben hiermit Vnderdienstlichen zu erkennen, Waß maßen wir Vns vorgenommen eine Newe Vnd dießer Landen bishero ohn bekannte P o r c e 1 a i n Backer ey ahn ­ zurichten, Zu welchem ende wir bereits Von langer Handt Vndterschiedtliche großer onkosten Vnd Reißen nacher Niederlandt Vnß Dnder- fangen Vnd nunmehro So weit damit kommen, daß nur allein der orth wo wir solche Backerey anstellen mögten noch nit resolvirt haben?) Nachdeme dan wir berichtet worden, ob hetten E. E. F. Vnd Wgb. allen denen die Einige 4 ) Nr. 1352 in Jännicke's Markenverzeichniß ; daselbst aber ebenso, wie bei Jacquemart, les merveilles de la ceramique. (Paris 1871) T. III. p. 209 verkehrt ge ­ lesen. In Grässe. Guide de l’amateur de porcelaines et de poteries (Dresden 1873) findet sich die Marke (Nr. 370) auch verkehrt abgebildet und auf Rouen bezogen, während die anderen Autoren sie wenigstens unter den deutschen Marken aufführen. 5) Wie hielten es für zweckmäßig, diese ältesten auf die Gründung der Fabrik bezüglichen Urkunden ihrem ganzen Wortlaute nach hier mitzutheilen. 6) Die endesunterzeichneten Bittsteller, Daniel Be ­ haghel nnd Jakobus van der Walle, hatten zunächst