56 in den Steigbügel nnb werde von dem wild dahinrennenden Ganl über das Feld in das Dorf hinein bis vor den Stall geschleift. Mein einfältiger Bursch bindet inzwischen erst sein Pferd an einen Baum fest und läuft dann mir nach, als schon keine Möglichkeit mehr da ist mein unbändiges Roß einzuholen. Ich lag, während mich das Pferd schleifte, Anfangs auf dem Hinterkopfe, hatte aber noch Ueberlegung genug mich herumzudrehen und die Hände vors Gesicht zu halten. Diesem Umstand allein verdanke ich meine Rettung, da der ungeschützte Hinterkopf gewiß zerschmettert worden wäre; der Vorderkopf, dem die Nase als Schntzmaner diente, konnte schon eher einen Stoß vertragen. Merkwürdig war es, daß ich noch kurz vorher, ehe mir die Be ­ sinnung schwand, keine größere Besorgniß hegte, als der Vater möchte'.mich nach diesem Vorfall so bald nicht wieder ausreiten lassen. — Vor seinem Stalle blieb mein Pferd stehen, und herzukommende Soldaten machten mich von ihm los und brachten mich auf mein Bette. Ich war ohnmächtig und blieb in diesem bewußtlosen Zustand fast zwei Tage. Das Kinn war ge ­ spalten, das Gesicht, besonders die Nase, zerrissen, der Kopf hatte mehrere tiefe Löcher, und das linke Schienbein war ganz zerschmettert. So fand mich mein Vater, den ein Eilbote ans Ziegenhain geholt hatte, so fand mich die Mntter, welche am Tage darauf von Treysa gekommen war und deren Thränen, als ich erwachte, ich durch die Versicherung zu stillen suchte, daß ich mich recht wohl befände und bald wieder der Parade beiwohnen zu können hoffte. Wie hatte ich mich verrechnet! (Fortsetzung folgt.) Geschichte der Worzellainsabrik in Hlm-Kanau.^ Von Professor <£. N. v. Drach. > n der keramischen Litteratur hat seither die in der Ueberschrift genannte Fayence - Fabrik trotz ihres fast 150 Jahre andauernden Be ­ stehens — sie wurde im Jahr 1661 gegründet und endigte im ersten Dezenium unseres Jahr ­ hunderts — kaum mehr als eine namentliche Erwähnung gefunden.') Dadurch, daß in der ­ selben verfertigte und mit dem vollständigen Ortsnamen bezeichnete Stücke hier und da in Sammlungen sich finden, sowie ab und zu im Antiquitätenhandel vorkommen, erschien zwar die einstige Existenz der Manufaktur erwiesen, für die Geschichte der deutschen Keramik war *) Mit Genehmigung des Herrn Verfassers und des Herrn Verlegers der in Leipzig erscheinenden, von Paul Ludwig herausgegebenen „Deutschen-Töpfer-Zeitung" entnommen. r) In Jännicke, Grundriß der Keramik wird nur folgendes über dieselbe mitaetheilt: „In Hanau bestand etwa von der Mitte des 17. Jahrhunderts ab eine von zwei Niederländern errichtete Fayence-Fabrik, welche An ­ fangs des *18. Jahrhunderts auf Simon van Alphen übergegangen ist. Ueber die Erzeugnisse derselben Näheres ausfindig zu machen, ist mir bis jetzt nicht gelungen." Das daselbst mit Vorbehalt als Hanauer Marke (M. V. 1279) mitgetheilte Zeichen dürfte wohl eher ein etwas eigenthümlich mißrathenes Spezimen der Offenbacher Marke (M. Y. 1359) sein. Wodurch von Schorn in dem als LXV. Band von „D as Wissen der Gegenwart" erschienenen Schrist- chen-. „Die Kunster'ze'ugnisse aus Thon und Gl as" dazu veranlaßt wurde, a. S. 108 zu sagen: „Vor ­ zügliche Arbeiten lieferten außerdem Hanau und Höchst", blieb uns unerfindlich. damit jedoch wenig gewonnen; es fehlte jeder Anhalt, nm eine bestimmte Fabrikmarke für Hanan in Ansprach nehmen und daraufhin sonstige Hanauer Fabrikate konstatiren zu können. Wären Hanauer Marken bekannt, so hätte sich wenigstens ein ohngefährer Schluß auf die Leistungen der Fabrik, d. h. den Umfang ihres Be ­ triebes und die Beschaffenheit ihrer Erzeugnisse machen lassen; die wenigen mit „Hanau" signirten Stücke reichten dazu nicht aus. Am Orte selbst ist nach dem Eingehen des Etablissements die Erinnerung daran in verhältnißmäßig kurzer Zeit fast gänzlich verloren gegangen. Wie Ver ­ fasser , welcher seine Jugend in Hanau verlebte, aus Erfahrung weiß, dachte daselbst, wenn, was noch häufig geschah, das stattliche Wohnhaus des früheren Fabrikherrn mit den angrenzenden, jetzt gleichfalls zu Wohnräumen eingerichteten Arbeits ­ gebäuden, „die Porzellainfabrik" genannt wurde, kaum jemand mehr daran, daß vor nicht gar zu langer Zeit dort Töpferscheiben und Brennöfen in Betrieb gewesen seien, und von in den besseren Haushalten noch vorhandenen Tellern, Schüsseln und Tassen das eine oder andere Stück daselbst angefertigt sein könne. Daß die Hanauer Fayencerie bezüglich ihrer Geschichte und Erzeugnisse eingehendere Nach ­ forschungen verdient, wird einleuchtend beim Lesen nachstehender, im „HanauischenMaga- zin" über sie gemachten Mittheilungen. In dem im Jahre 1784 erschienenen Band VII der