2 \u Kekehrung Hessens zum Khristenlhume. Vorlrsg, gehalten in der Versammlung des Vereins für hessische Geschichte und Landes ­ kunde zu Rassel am Zs. Kklober 1883 von Hermann v. Roques, Major g. D. (Fortsetzung.) Ä^och es ist heute eigentlich gor nicht meine Jjf Aufgabe, über das Heidenthum der alten Chatten und über Flurnamen zu sprechen, sondern über die Bekehrung Hessens, oder genauer gesagt: des fränkischen Hessengaues, zum Christen- thume, allein, will man die Bedeutung und den Werth dieser Bekehrung recht würdigen, so muß man nicht allein wissen zu was?, sondern auch wovon? unsere Vorfahren bekehrt wurden. Da ­ her glaubte ich wenigstens in kurzen Zügen die Religion unserer Vorfahren schildern zu sollen. Nun aber müssen wir uns dem eigent ­ lichen Thema dieses Vortrags zuwenden. Schon sieben lange Jahrhunderte waren dahin gegangen, seitdem im fernen Jerusalem das end ­ gültige blutige Opfer vollzogen war, dessen die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes des Vaters bedurfte, um das zwischen Ihm und der Mensch ­ heit durch die Sünde zerrissene Band wieder zu knüpfen, denn auch die von Gott Selbst bis in's Einzelnste angeordneten blutigen Thieropfer des alten Bundes hatten dies nicht bewirken können, sollten sie doch nur eine vorbildliche Bedeutung haben, um das auserwählte Volk immer wieder auf dies Eine höchste, aber auch letzte blutige Opfer hinzuweisen, das der im Fleische erschienene, längst verheißene Messias, unser Heiland Jesus Christus, aus Gehorsam gegen Gott den Vater und aus Liebe zu den Menschen am Kreuze dar ­ bringen wollte. Aber während dieser sieben Jahrhunderte, in welchen eine lange Reihe christlicher Zeugen ihren Glauben mit ihrem Blute besiegelten, hatte sich trotz der grausamsten Verfolgungen der Macht ­ haber und des Spottes der Weltweisen das Christenthum stetig und allmählich ausgebreitet und immer neue Gebiete, dazu die Hauptstadt des Erdkreises, Rom, mit ihren vornehmsten und höchsten Beamten, ja endlich die Kaiser selbst, erobert, so daß ein Julianus Apostata nach allem seinem vergeblichen Ringen im Kampfe mit der neuen Religion ausrufen mußte: „Galiläer, Du hast gesiegt!" — ich sage: während aller dieser welterschütternden Ereignisse saß das Chattenvolk von allem dem unberührt ruhig auf seinen Höfen, jagte in seinen Jagdgründen oder schlug sich mit den Nachbarn herum, ohne die geringste Kunde von dem zu haben, was im fernen Süden in ­ zwischen vor sich gegangen war. Zwar am Rhein und an der Donau war längst die christliche Lehre durch römische Soldaten be ­ kannt geworden, in Mainz und Trier schon in den ersten Jahrhunderten Kirchen, ja Bisthümer gegründet; allmählich auch waren die Glaubens ­ boten näher herangerückt, wie denn der heil. Lubentius an der unteren Lahn, vielleicht auch weiter hinauf schon die Predigt vom Kreuze hatte erschallen lassen; allein diese war immer noch nicht nach Hessen selbst gedrungen. Erst einige Schlußfolgerungen gestatten die Annahme, daß der heil. Kilian, ein irischer Missionar, ehe er nach Franken und Würzburg ging, in Hessen und zwar sowohl in Ober-, wie in Niederhessen das Evangelium gepredigt habe. Weniger zwar das Vorhandensein der nach ihm benannten äl ­ testen Kirche Marburg's, als die Nachricht, daß der heil. Bonifazius bei Amöneburg schon Christen vorfand, namentlich aber der Umstand stützen diese Annahme, daß noch im Jahre 1256 der Bischof Jring von Würzburg seine ob er lehns ­ herrliche Zustimmung zu der Schenkung der Sanct Kilians-Kapelle bei Büchenwerra an der Fulda an das Kloster Breitenau gab; *) denn wie sollte diese Kapelle unter die Lehnsherrlich ­ keit des fernen Bischofs von Würzburg gekommen sein, wenn sie nicht von Alters her durch den heil. Kilian in's Eigenthum der Würzburger Kirche übergegangen gewesen wäre? Doch sei es, daß der Erfolg dieser Predigt des heil. Kilian kein nachhaltiger war oder daß nur eine kleine Gemeinde von Christen sich um diese Kapelle gesammelt hatte, genug, wir hören nicht das mindeste über Christen im fränkischen Hessengau vor der Zeit des heil. Bonifazius. *1 Die betr. Urkunde ist abgedruckt in: „Hess. Beiträge zur Gelehrsamkeit und Kunst." II. Band p. 29.