316 Aus Heimath und Fremde. Zur Feier des hundertjährigen Gedenk- tages der Erstürmung Frankfurts durch die Hessen haben in Kassel, Marburg und Frankfurt besondere Feierlichkeiten stattgefunden. In Kassel hatte der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde am 2- Dezember im Gasthofe zum Ritter ein Festmahl veranstaltet, das sich einer zahlreichen Theilnahme von Mit ­ gliedern und Gästen erfreute. Ueber den Verlauf dieser Feier berichtet die „Kasseler Allgem. Zeitung" Der erste Vorsitzende des Vereins, Bibliothekar Dr. Brunner, eröffnete die Reihe der Tischreden mit einer zündenden Ansprache, in welcher er die Bedeutung des 2. Dezembers für die hessische Kriegs ­ geschichte darlegte. Nicht nur vor hundert, sondern auch vor nunmehr zwanzig Jahren leisteten die hes ­ sischen Truppen gerade an diesem Tage Hervor ­ ragendes. Wie dereinst vor Frankfurt den Kurhessen, so gebührte neuerdings in dem Gefechte bei Poupry den Truppen der 22. Division, die bei den Franzosen nur die hessische hieß und als solche besonders ge ­ fürchtet wurde, der Hauptantheil an dem Erfolge des siegreichen Ausganges. Der Redner schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät Kaiser Wilhelm II., in welches die Versammlung begeistert einstimmte. Dr. Scherer feierte den anwesenden Dr. Schwarz ­ kopf, welcher sich durch seinen Vortrag im Ge ­ schichtsverein abermals als bewährtester Kenner unserer hessischen Kriegsgeschichte gezeigt habe, worauf der Gefeierte in launiger Rede antwortete. Pfarrer W i s s e m a n n brachte dem Geschichtsverein ein Hoch, Dr. Brunner den erschienenen Offizieren, in deren Namen Oberst z. D. Becker dankte. Kanzleirath a. D. Gönn ermann gedachte in ge ­ bundener Rede der Bedeutung des Tages. Es herrschte bei dem Festmahl die gehobenste Stimmung vom Anfange bis zum Schluffe nnd erst in später Stunde trennte man sich. — An der Erstürmung Frankfurts am 2. Dezember 1792 hatten die hessischen Husaren rühm ­ lichen Antheil. Zur Erinnerung an diese Kriegs ­ that des Stamm-Regiments fand für das in Kassel garnisonnirende 2. hessische Husaren-Regiment Nr. 14, Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg, eine militärische Feier statt. Das Regiment rückte im Paradeanzug mit Mänteln nach dem großen Forste, wo Regiments-Appell stattfand und der Konunandeur, Oberstlieutenant von Werthern, eine der Bedeutung des Tages gewidmete Ansprache hielt, die mit einem Hoch auf den obersten Kriegsherrn, Se. Majestät den Kaiser, schloß. Auch darf nicht unterlassen werden, zu erwähnen, daß bei dem Festmahle, welches der z. Z. tagende hessische Kommunal - Landtag dem Oberprüsidenten Magdeburg im Hotel Schirmer am 2. Dezember zu Ehren gab, der k o m m a n d i r e n d e General des XI. Armee-Korps von W i t t i ch an die historische Bedeutung des Tages, an welchem vor hundert Jahren die Hessen Frankfurt im Sturme den Franzosen entrissen, erinnerte und die glänzenden Waffenthaten ler hessischen Truppen in alter und neuer Zeit hervorhob. — In Marburg hatte am 2. Dezember der Hessische G e s ch i ch t s v e r e i n gleichfalls zu Ehren des Gedenktages eine besondere Feier ver ­ anstaltet, bei welcher Oberst a. D. I. Nebelthau die Festrede hielt. In eingehender, fesselnder Weise schilderte er die ruhmreiche Waffenthat der Hessen und schloß, nachdem er der Ehren gedacht hatte, die Napoleon nach der Schlacht bei Hanau, als er in Frankfurt beim Bankier Bethmann abgestiegen war, dem am Friedberger Thor errichteten Hessendenkmale erweisen ließ, mit den Worten: „So ehrte der Todfeind unseres Volkes den Rührn unserer Voreltern. Uns aber ist es Pflicht, ihrer Großthaten eingedenk zu sein und dieser Pflicht war die eben verflossene Stunde gewidmet. Möge es nicht die letzte sein." — In Frankfurt a/M. war, wie bereits mit ­ getheilt , die hundertjährige Gedenkfeier für die am 2. Dezember 1792 bei der Erstürmung Frankfurts gefallenen hessischen Offiziere und Sol ­ daten am Hessendenkmale vor dem Fried ­ berger Thore von dem ,Verein der Kurhessen" veranstaltet. Sie blieb in den Grenzen einer speziellen Vereinsfeierlichkeit; militärische, staatliche und städtische Behörden waren dabei nicht vertreten. An dem Haupttage, dem 2. Dezember, Vormittags 11 Uhr rückten die Festtheilnehmer, bestehend aus den Mit ­ gliedern des Vereins der Kurhessen und verschiedenen Gesangvereinen aus Frankfurt und der Umgegend, sowie den Deputationen der Studentenverbindung Hassia in Marburg und andere Vereine, unter Vor- antritt der Kapelle des 1. Hessischen Infanterie- Regiments Nr. 81, vom Scheffeleck, dem Sammel ­ plätze, heran und nahmen im Halbkreis vor der westlichen Seite des Denkmals Aufstellung. Die Sänger eröffneten die Feier mit dem Chor: „Dir möcht' ich meine Lieder weihen", worauf der Vor ­ sitzende des Kurhessen-Vereins, Georg Sprenger, die Festrede hielt, die mit einem Hoch auf den deutschen Kaiser schloß. Hierauf betrat Bauinspektor Rügemer die Rednertribüne, um namens des Frankfurter Magistrats ein Schreiben zu verlesen, welches der Oberbürgermeister der Stadt Kassel nebst einem für das Denkmal bestimmten Lorbeerkranz ge ­ sandt hatte. Es wird darin der Befriedigung Aus ­ druck gegeben, daß die Stadt Frankfurt die befreiende That der hessischen Soldaten in so freundlichem, nachhaltigem Andenken trage. Mit der Absingung des Chorals„Nun danket alle Gott", war der Festakt beendigt, dem ein nach Tausenden zählendes Publikum beiwohnte. Außer der Stadt Kassel hat