297 gedeckt, ein lebhaftes Kleingewehrfeuer mit den Franzosen entwickelten, desto mörderischer war aber die Wirkung des feindlichen Feuers auf das aus den Grenadierkompagnien der Regimenter Garde und Gardegrenadiere gebildete Grenadier ­ bataillon Prinz von Hessen-Philippsthal, zumal dasselbe durch das anfängliche Jubelgeschrei dee Jäger hingerissen und ihnen in blinder Hast folgend, bis dicht an den äußeren Grabenrand vorgedrungen war. Mochte nun sein tapferer fürstlicher Führer es für unrühmlich halten, sofort zurückzuweichen, oder mochte er hoffen, eine Gelegenheit zu er ­ spähen , dennoch den Eingang zu erzwingen, genug, statt sich in eine sichere Stellung zurück ­ zuziehen und die Oeffnung den dazu bestimmten Geschützen zu überlassen, blieb er am Graben ­ rande halten und verleitete dadurch auch die dicht nachfolgende Hauptkolonne, sich ebenfalls in den Bereich des verderblich wirkenden Kugel ­ regens zu begeben, indem auch zu dieser hin das Gerücht, das Thor sei offen, sich fortgepflanzt hatte und man sich den Halt des Grenadier- Bataillons, durch die Schwierigkeit in den engen Thorweg einzudringen, erklären zu müssen glaubte. Da nun die Heerstraße hier durch aneinander hängende Gebäude, hohe Garten ­ mauern rc. zu beiden Seiten begrenzt und ein ­ geengt war, so entstand durch das dichte Aus ­ rücken der hinteren Abtheilungen ein heftiges Gedränge, wodurch die Truppen, über 2000 Mann, sich fast wehrlos der Wirkung der feindlichen Geschosse ausgesetzt sahen. Bedurfte es doch für die Feinde nicht viel mehr, als ihre Gewehre auf die Brustwehr des Walles zu legen oder in die Schießscharten des Thurmes zu stecken und ohne zu zielen abzudrücken und dennoch des Treffens sicher zu sein. Furchtbar räumten die französischen Kugeln auf. Aber sie hielten aus, die tapferen Hessen. Und erst als das Grena ­ dier-Bataillon fchon den sechsten Theil seiner Mannschaft verloren hatte, der Major von Donop und die Kapitains von Wolfs und von Münch ­ hausen den Tod gefunden, der Oberst Prinz Karl von Hanau-Philippsthal sowie der Kapi- tain von Desclaires und der Lieutenant von Rademacher tödtlich verwundet worden waren, und noch mehrere andere Ossiziere schwere Ver ­ letzungen davongetragen batten, wurde es den braven, keinen Augenblick wankenden Grenadieren erlaubt, die Gartenumzäunungen zu übersteigen und gleich den Jägern, eine gegen das mörderische Feuer mehr gedeckte Stellung einzunehmen. Inzwischen war die preußische schwere Artillerie, sowie zwei Mörser, etwa 1500 Schritte von den Wällen links der Friedberger Straße auf ­ gefahren worden. Aber auch ihr gelang es nicht, freie Bahn zu schaffen. Zur Seite und in schiefer Richtung aufgestellt, trafen ihre Kugeln nur die weit vorspringenden Umfassungs ­ mauern, nicht aber das Thor selbst. Dabei war die Batterie dem Feuer von dem Wällen in einer Weife ausgesetzt, daß ihre Bedienungs ­ mannschaft mehrmals erneuert werden mußte. Ebenso erging es zwei hessischen Bataillons- Geschützen unter dem Lieutenant von Riepe, die auf der Heerstraße gerade dem Thorwege gegen ­ über aufgestellt, ein zwar heftiges, leider aber wirkungsloses Feuer gegen die Zugbrücke richteten, dabei jedoch durch das wieder lebhafter gewordene feindliche Gewehrfeuer den größeren Theil ihrer Mannschaft verloren. Einige schließlich in die Stadt geschleuderte Bomben und Granaten hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Die den Franzosen ohnedies ab ­ holde Bevölkerung Frankfurts verlangte von dem französischen Kommandanten van Helden kategorisch das Erbieten zur Kapitulation. Das Geräusch von Volkstumulten wurde auch außer ­ halb der Mauern vernommen und ermunterte die hessischen Truppen zu noch festerem Aus ­ harren. Aus ihrer drangvollen Lage sollten sie endlich befreit werden, man kam ihnen von Innen der Stadt zu Hülfe. Ein muthiger Haufen von Handwerksgesellen hatte sich auf die Thorwache geworfen, bewältigte dieselbe, kletterte an den Seiten in die Höhe, sprengte mit Schmiede ­ hämmern die Ketten der Zugbrücke, daß diese krachend zum Wassergraben niederstürzte und ihn passirbar machte. Mit Aexten und Brech ­ eisen wurde das Thor gebrochen. Nun drangen, ohne einen Schuß zu thun, unter Trommelschlag und mit Victoriarusen, untermischt mit dem Schreien: Tod dem Eustinus, der Eustinus muß sterben, die bereits l'/ 2 Stunden im Feuer gestandenen Bataillone der 4. Kolonne die Friedberger Gasse entlang bis zur Zeit vor, alles was Widerstand leistete, mit dem Bajonette niederwerfend. Mit lautem Jubel wurden sie bei ihrem Vorrücken von den Bürgern Frankfurts begrüßt. Aus vielen Fenstern flatterten ihnen zum Willkommen weiße Tücher entgegen und Frankfurter Damen ließen es sich in ihrer Freude über den Sieg der Hessen nicht nehmen, den ersten Besten, Offizier oder Soldat, zu umarmen, während sie nicht minder auf das lobenswertheste bemüht waren, flüchtige oder verwundete Franzosen der Wuth der Sieger zu entreißen. Fast gleichzeitig mit dem Friedberger Thore war auch das Allerheiligen-Thor durch einen