251 Aus alter und neuer Zeit. Der Schauspicldirektor Großmann, einer der bekanntesten und genialsten Vertreter seines Faches aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, war der erste, von dem die Idee ausging, Lessing ein Denkmal zu setzen. Der Herzog von Braun ­ schweig hatte in einem Edikt vom 28. August 1789 einen Platz in Wolfenbüttel dazu freigegeben, und Großmann war nun eifrig bemüht, Geld für seinen Zweck aufzutreiben. Er erließ Aufrufe und veranstaltete jahrelang an jedem Ort, an welchem er sich in seiner thespiskarrenschiebenden Thätigkeit niederließ, eine Extravorstellung den Manen des Dichters zu Ehren. Auf seiner Wanderfahrt berührte er im Winter 1790 auch Kassel. Ueber die hier abgehaltene Fest ­ vorstellung berichtet Großmann unteren 20. November dem Geheimen Legationsrath Bertuch in Weimar Folgendes: „Gestern gab ich Minna von Barn Helm zum Besten des Lessingischen Denkmals. So sehr ich Marktschrcyereyen auf die Anschlagzetteln hasse, und sie gleichwohl manchen Theaterunternehmern verzeihe, welche sie an manchen Orten als Köder hin ­ werfen müssen, um das Publikum zu angeln, so glaubte ich doch bey dieser Veranlassung mir folgende kurze Anzeige erlauben zu dürfen. ,Einem verehrungswürdigen Publikum wird aus verschiedenen öffentlichen Blättern bekannt seyn, daß unter Vergünstigung des regierenden Herzogs von Braunschweig Durchl. dem verewigten Lessing zu Wolfenbüttel ein Denkmal errichtet werden soll. Ausser den freywilligen Beyträgen haben sich mehrere teutsche Schaubühnen vereinigt, die Einnahmen der Vorstellung eines Lessingischen Schauspiels dazu bey ­ zutragen. Die Heutige ist dazu von mir bestimmt. Bedarf cs einer Empfehlung einer solchen Unter ­ nehmung bey einem Publikum, das die Verdienste eines um unsere Litteratur sich unsterblich gemachten Mannes zu würdigen weiß? Die Einnahme hierauf war: fünfzehn Thaler- zwölf Groschen hessische Währung, den Karolin zu Sechs Thaler sechs Groschen gerechnet. Die Gesellschaft nahmentlich: Diestel der ältere und jüngere, Deering, Dengel, Müller^ Weyrauch, Hart mann, Gette, Keilholz, Hagemann, Santorini, Ambrosch, Neu- haus der ältere und jüngere, faßte den edelmüthigen Entschluß einen Theil ihres Wochengehaltes beyzu ­ tragen, welches die Summe von Sieben zig Reichs- thalern betrug. Die Frau Gräfin v. S.... schickte einen halben Karolin, der Herr Kammerher von I .... einen Friedrichsdor. Der Herr Gallerieinspcktor Tischbein verehrte dazu seine Sammlung meisterhaft geäzter Blätter, sieben dergleichen vom verstorbenen Rath Tischbein und sein über die Äzkunst geschriebenes, mit so vielem Beyfall aufgenommenes Werk. Nach Verkauf des ­ selben werde ich Ihnen den Betrag anzeigen." In einem späteren Brief an Bertuch, den wir jedoch hier nicht wiedergeben wollen, — wer sähe sich gern getadelt? —, äußert sich Großmann in bitteren Ausdrücken über die Theilnahmlosigkeit der Kasselaner. Man bedenke nur, die armen Teufel von Schauspielern, — wie wenige mögen es in Summa gewesen sein? —, bringen siebenzig Reichsthaler auf, und die gesammte Einwohnerzahl der Residenz ganze fünfzehn Thaler zwölf Groschen.... — A. W. Mr. Im Nachlaß Schillert haben sich die Briefe erhalten, die der Schauspieler Haß loch zu Kassel Anfangs dieses Jahrhunderts an den Dichter gerichtet hat. Es dürfte verstattet sein, den Inhalt derselben hier wiederzugeben. Sie werfen nebenbei ein charakteristisches Schlaglicht auf die damaligen Begriffe des literarischen Eigenthums. Haßloch wünscht zu seinem Benefiz die „Jungfrau von Orleans" zu geben und richtet untcr'm 28. Januar 1802 folgendes Schreiben an Schiller: „Da uns das Glück nicht ward, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen; indem ein widriger Zufall es fügte, daß Sie während unserer Anwesenheit in Weimar eben abwesend; und noch überdies krank sein mußten : : ein Zufall, der die Erfüllung unseres sehnlichsten Wunsches unmöglich machte :j: so werden Sie verzeihen, wenn ich unbekannterweiß mir die Freiheit nehme, Sie mit einer Anfrage zu belästigen. Ich habe in meinem Engagement hier eine jähr ­ liche Lenetiee Vorstellung zu geben. Da ich nun außer dem Wunsch einer guten Einnahme, auch noch den habe, das Publikum mit einer guten neuen Vorstellung zu regaliren; so erlaube ich mir die Frage: ob Sie wohl die Güte hätten, mir das Manuscript von dem Mädchen von Orleans; so wie Sie dasselbe für das Theater eingerichtet haben, zu communiciren ? — Außerdem, daß Sie ulich zu jeder von Ihnen zu machenden Bedingung bereit finden werden; könnten Sie zum Voraus unseres beiderseitigen beßten Dankes versichert seyn. — — Ich füge noch die Bitte bei; uns bald Ihre beliebige Antwort, nebst Ihren Bedingungen wissen zu laßen; weil es doch nothwendig wäre, daß wir unsere Lenellee noch im März gäben. Meine Frau, die sich sehr freuen würde, wieder eine Hauptrolle von Ihrer Arbeit darstellen zu können; bittet Sie, die Versicherung Ihrer Ergebenheit an ­ zunehmen." Schiller muß hiernach zwölf Dukaten als Honorar für Ueberlasfung des Aufführungsrechtes der „Jungfrau" verlangt,haben, denn vom 13. Februar 1802 datirt findet sich ein Brief Haßloch's vor, in welchem es heißt: „Mit der nächsten Post werde ich die Ehre haben,