192 stattfinden, durch welche eine Art von Mißtrauen auf den zurückgebliebenen treuen Theil des Bataillons fiele, welche derselbe meiner Ueber ­ zeugung nach nicht verdient. (gez.) Th. Baron von Zobel, Major und Commandeur." Diese Meldung traf am 1. August in Frank ­ furt ein, und sofort sandte Prinz Philipp von Homburg seinen Adjutanten, den österreichischen Hauptmann Lukasics, den Meuterern entgegen, um sie unter Anerbieten voller Straflosigkeit — Weidner und Vogel ausgenommen — zur Rückkehr zu ihrer Pflicht und ihrer Truppe zu veranlassen. Lukasics traf in der Nacht vom 2. zum 3. in Salmünster ein und erfuhr, daß auch die Quartiermacher der Meuterer soeben daselbst angekommen seien. Den unter diesen befindlichen Sappeur Weidner ließ er alsbald verhaften und nach Frankfurt abführen. Um 7 Uhr Morgens erreichte die Colonne die Stadt. Lukasics stellte den Leuten das Strafbare ihrer Handlung vor und sicherte ihnen Straflosigkeit zu, sofern sie zurückkehrten, — vergeblich, sie verharrten bei ihrem Vorsatz, nach Fulda zu marschieren, um ihre Fahne abzuliefern und dann entlassen zu werden. Sie verhielten sich außerdem vollkommen ruhig und setzten bald ihren Marsch fort. Vor Schlüchtern begegnete ihnen der vom Fuldaer Landwehr-Ausschuß mit gleichem Auftrag wie Lukasics entgegen gesandte Großmajor (Oberstlieutenant) von Katzmann, erzielte aber keinen besseren Erfolg. Abends 10 Uhr rückte die Colonne in guter Haltung geschlossen unter Trommelschlag in Fulda ein, die Kranken wurden auf Wagen mitgeführt. Sie marschierten vor dem Präfekturgebäude auf; die Fahne wurde dann daselbst eingebracht und eine Wache davorgestellt. Die Mannschaft erklärte dem an sie heran ­ tretenden Stadtcommandanten Obersten von Buseck, sich unterwerfen zu wollen, und wurde darauf in die Stadt einquartiert. Exzesse kamen nicht vor. Am folgenden Morgen versammelte sich ein Theil der Landwehrmänner mit Geschrei vor der Präfektur und verlangte seine Entlassung in die Heimath. Nochmals versuchte der Aus ­ schuß die Leute zur Rückkehr zu bewegen, doch mit Ausnahme von 12 blieben die klebrigen bei dem Entschluß: ihre Waffen erst abzugeben, wenn sie den rückständigen Sold und einen ehr ­ lichen Abschied erhalten hätten; im Uebrigen würden sie sich ruhig verhalten. Nunmehr vernahm der Ausschuß drei Ser ­ geanten und per Compagnie zwei Mann, um über die Gründe des Aufruhrs Aufklärung zu erlangen. Da stellte sich nun doch ein etwas anderes Bild heraus als das vom Major von Zobel in seiner Meldung entworfene. Die übereinstimmenden Aussagen lauten dahin: Sie hätten sich unter einander verabredet, nach Hause zu gehen, weil sie es dort nicht mehr hätten aushalten können. Seit dem 25. April wäre ihnen kein Heller Sold mehr gezahlt, ebensowenig Kleinmontirungsstücke geliefert. Vorstellungen, die dieserhalb dem Com ­ mandeur gemacht worden seien, wären fruchtlos geblieben. Der habe ihnen wohl öfter Ver ­ sprechungen gemacht, aber trotzdem hätten sie keinen Sold, dagegen die Offiziere ihre Gage erhalten. Alle ihre Kameraden, die von Darm ­ stadt und Würzburg, selbst das Landwehr ­ bataillon Frankfurt, seien längst in die Heimath entlassen, nur sie habe man, obgleich der Krieg seit Langem vorüber sei, zurückbehalten. Die Bauern, bei denen sie im Quartier gelegen, seien ihnen grob begegnet und Hütten ihnen nichts mehr geben wollen, sondern gerathen, nach Hause zu gehen, da doch ihre Zeit um sei. Pou der Heimath aus seien sie dazu nie veranlaßt worden, sie Hütten sich im Gegentheil in Fulda keinen freundlichen Empfang versprochen. Die Offiziere, die zum großen Theil selbst vorher nicht Sol ­ daten gewesen, hätten sie schlecht und brutal behandelt, die Freiwilligen seien entgegen den gemachten Versprechungen geschlagen und miß ­ handelt worden. Die Fahne Hütten sie geholt, weil sie ohne dieselbe nicht mit Ehren hätten in die Heimath zurückkehren können. Ihr Ver ­ brechen sei ja auch nicht so groß, denn sie Hütten ihre Fahne nicht verlassen. Als sie diese genommen, sei der Widerstand der Offiziere auch kein allzufester gewesen. Der Herr Major hätte bei dem Eintritt von einem Freiwilligen und zwei Grenadieren diesen gleich seinen Degen mit den Worten übergeben wolle»: „er könne unter solchen Umstünden nicht mehr ihr Commandant sein." Die Annahme des Degens sei abgelehnt worden, worauf ihn Haupt ­ mann Saalmüller an sich genommen habe. Nun hätte der Commandant auch seine Uniform ausgezogen und ihnen dabei die Zusicherung gemacht, sie würden morgen ihren Sold erhalten, wenn sie beim Bataillon blieben. Mit solchen leeren Vertröstungen, die schon oftmals geschehen seien, hätten sie sich aber nicht hinhalten lassen. Ihr Schicksal wollten sie rnhia erwarten. (Schluß folgt.,