329 lationsschreiben des Geh. Medizinalraths Dr. Pfeiffer von Darmstadt, namens der Medizinal-Abtheilung des Ministeriums, sowie die schriftlichen Glückwünsche verschiedener wissenschaftlicher Vereine, deren korre- spondircndes oder Ehrenmitglied Bode ist. Der Wetteraucr ärztliche Verein, dessen Ehrenniitglied Bode ist, hatte es sich nicht nehnien lassen, am Sonnabend Abend im Holet Sprengel ein Festessen zu veran ­ stalten, wobei der Vorsitzende, Mcdizinalrath Dr. Lorenz von Fncdberg, den mit stürmischen Jubel aufge ­ nommenen Trinkspruch auf den Ehrengast ausbrachte. Zu dieser Feier war auch eine Deputation des Corps „Temonia" von Marburg erschienen, welchem Bode während seiner Studienzeit zu Anfang der 30er Jahre angehört hatte. — Dr. Friedrich Bode ist am 30. November 1811 zu Ziegenhain als Sohn des Platzmajors O. Chr. Bode geboren. Er besuchte von 1827 bis 1830 das I^eeum Fridericianum zu Kassel, das er mit Auszeichnung absolvirte. Hier ­ nach widmete er sich dem Studium der Medizin. Seit 1838 wirkt er in segensreicher Weise als Arzt in Nauheim. Möge dem Jubilar noch recht lange ein heilerer Lebensabend beschiedeu sein. An Stelle des verstorbenen Germanisten Prof. Dr. F. Zarncke in Leipzig ist der Professor Dr. Eduard Sievers in Halle berufen worden. Prof. Sievers ist von Geburt Kurhesse (geb. am 25. November 1850 zu Lippoldsberg), war von 1863 bis 1867 Schüler des Kasseler Gymnasiums und bildete sich unter Leitung seines Vorgängers Zarncke in Leipzig zum Germanisten aus. Seinen Ruf in der Wissen ­ schaft begründete er durch Ncuausgaben germanischer Literaturdenkmäler, insbesondere durch die beiden Werke „Tatian, lateinisch und altdeutsch, mit ausführlichem Glossar" und das „Hildebrandslied", die „Merseburger Zaubersprüche" und das „fränkische Taufgelöbniß", welche 1872 erschienen. Zur Profesiur gelangte Sievers überaus früh. Erst 21 Jahre alt, wurde er 1871 als außerordentlicher Profesior an die Uni ­ versität Jena berufen, 1876 wurde er dortselbst zum ordentlichen Profesior ernannt. Bon 1883 bis 1887 war er Profesior in Tübingen, von wo er nach Halle berufen wurde. In Leipzig, wohin er jetzt übersiedelt, um den Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur einzunehmen, hatte er seine wissenschaftliche Laufbahn begonnen. Mit einem Stipendium der sächsischen Regierung ausgestattet, ging er 1870 nach Oxford und London zum Studium altdeutscher Handschriften, und vornehmlich durch die wissenschaftlichen Ergebnisie dieser Reise führte er sich mit bestem Erfolge unter den Germanisten ein. Sie waren auch bestimmend dafür, daß er in einem Lebensalter, in welchem die meisten noch Studenten sind, zu der Profesiur in Jena berufen wurde. Er ist der Verfasier einer großen Anzahl gediegener wisienschaftlicher Werke und Abhandlungen, die sich vorzugsweise auf das Gebiet der Grammatik und die Herausgabe alldeutscher Texte erstrecken, und von denen hervorzuheben sind: die „Murbacher Hymnen" (1874), „der Heliand und die angelsächsische Genesis" (1875), „Heliand^ (1878), „die althochdeutschen Glossen", „Tübinger Bruchstücke der älteren Trostuthingslög" (1886), „Oxforder Benediktinerregel" (1887), „Proben einer metrischen Herstellung der Eddalieder" (1885). Besonders zu nennen bleiben noch Sievcrs' Lehrbücher, welche zu den ständigen Hilfsmitteln der Germanisten gehören: Es sind dies seine „Paradigmen zur deutschen Grammatik" (1874), die „Grundzüge der Laut ­ physiologie" (1876) und die „Angelsächsische Gram ­ matik" (2. Aufl. 1886). (B. Z.) Hessische Kücherschau. Vergessene Helden. Eine Erzählung aus dem nordamerikanischen Unabhängigkeitskriege von Franz Treller. Kasiel, Verlag von Max Brunnemann. 1892. Dieses neue Werk unseres beliebten hessischen Schriftstellers Franz Treller hat die Erwartungen, die man von ihm hegte, und denen auch wir in einer der letzten Nummern unserer Zeitschrift Ausdruck gaben, vollständig erfüllt. Schreiber dieses Artikels bekennt offen, daß er selten ein Buch gleicher Gattung mit größerem und immer mehr zunehmenden Jnteresie gelesen hat als die Erzählung „Vergessene Helden" von Franz Treller. In den frischesten Farben, in fesielnder spannender Weise schildert uns der Verfasser die seiner Erzählung zu Grunde liegenden Vorgänge des nordamcrikanischcn Feldzuges, soweit hessische Truppen an demselben betheiligt waren, und höchst wohlthuend wirkt die Wahrheitstreue, mit welcher er dabei zu Werke geht. Freilich mag die von jeder Einseitigkeit freie Darstellung, die sich streng auf dem Boden der Geschichte bewegt, jenen böswilligen Verleumdern nicht behagen, die immer und immer wieder gegen bessere Ueberzeugung die alberne Fabel vom Soldatenhandel und dem Seelenverkaufe des Landgrafen Friedrich II., eines der edelmüthigsten unter den hessischen Fürsten, wiederholen. Jedem echten Hessen aber wird dieses Buch willkommen sein, ist cs doch von wahrhaft hessischem Geiste durch ­ weht, spiegelt sich doch in demselben unverfälschtes hessisches Leben wieder. Das sind wirkliche hessische Krieger, Offiziere wie Mannschaften, die uns der Verfasser vorführt, deren ruhmvolle Tapferkeit, deren militärische Disziplin über jeden Zweifel erhaben waren. Die in rasch auf einander folgenden Hand ­ lungen sich abspielende Erzählung wird jedes hessische Herz sympathisch berühren und höher schlagen lassen; aber auch Nichthesien werden sich der Anerkennung der poetischen Vorzüge dieses Werkes nicht verschließen können. Wir wünschen demselben die weiteste Ver ­ breitung. Als Gabe für den Weihnachtstisch wird es diesem zur ganz besonderen Zierde gereichen.