Martin Krnst von Kchlieffm, sein Weben und sein Verhältniß zur Kprachreinigung. Vorkrsg gehalten von Dr. Carl Scherer. (Schluß.) Den angeführten, zum Theil mißrathenen, zum Theil überflüssigen und deshalb völlig abzu ­ weisenden Bildungen, die nur geeignet erscheinen, die Bestrebungen des Mannes in ein ungünstiges Licht zu rücken, stehen aber anderseits eine An ­ zahl vvn deutschen Ausdrücken gegenüber, die an Stelle des Fremdwortes zu gebrauchen gar Man ­ cher der Neueren verlernt, nicht aber ein Schliessen vergessen hat, und deren wegen allein schon diesem anstatt Spott warme Anerkennung zu Theil werden sollte. So finden wir bei ihm z. B. Abstände für Distancen (von Zesen zuerst gebildet), Abdankung und Entlassung für De ­ mission, Amtsgenosse für Kollege, Auslegung für Interpretation, Abschrift für Kopie, Beweg ­ gründe für Motive, Base für Cousine, Bekannt ­ machungen für Publikationen, bekannt machen für publiziren, Briefwechsel für Korrespondenz, Befugniß für Kompetenz, Beschützer für Protektor, Beförderung für Avancement, Burg für Zitadelle, Eudurtheil für definitives Urtheil, Entweichungen für Desertionen, Enterdigung für Exhumirung, Festlands- für Kontinentalbesitzungen, Gegenfüßler für Antipoden, Grundsätze für Maximen, Gesichts ­ kreis für Horizont (von Zesen geprägt), Heilkunde für Medizin, Jahrbücher für Annalen, Kauf ­ handel für Merkantilhandel, Laufbahn für Karriere, Mehrheit für Majorität, Mannszucht für Disziplin, Mißheirathen für Mesalliancen, Maßregeln für Dispositionen, Naturgaben für Talente, Nebenbuhler für Rivale, Obliegenheiten für Funktionen, Ortskenntniß für Lokalkenntniß, Oheim für Onkel, Sendung für Mission, Sinn ­ bild für Symbol, Schaubühne für Theater, Sperrung für Blokade, Theilnahme für Interesse, Urbild für Original, unterrichtet für informirt, Bergleich für Kompromiß, vernünftelnd für rationalistisch, Wirthschaftsgebäude fürOekonomie- gebäude, wetteifern für rivalisiren, Zwischen ­ räume für Intervalle, Zweikampf für Duell, zahlungsfähig für solvent, zwischenzeitlich für interimistisch und andere mehr. Unter diesen Wörtern sind einzelne wie Heilkunde, Bekannt ­ machungen, Sendung, zahlungsfähig, Orts ­ kenntniß nicht bei Adelung zu finden, letzeres Wort sowie Kaufhaudel, Eudurtheil, Festlands ­ besitzungen fehlen selbst bei Campe. Sv ist auch „Beweggrund", welches mehr und mehr das früher übliche „Bewcgungsgrund" verdrängt hat, keine Schöpfung des Letzteren, wie man meint, da es Schlieffen in dem bereits 1785 abgefaßten Abschnitte seines Werkes anwendet. (Beweg ­ grund findet sich übrigens nach Heyne auch bei Wieland, nach Grimm bei Klinger.) Wir erwähnen schließlich, daß Schlieffen auch, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, die deutschen Monatsnamen an Stelle der lateinischen gebraucht und zwar Hornung für Februar, Lenzmonat für März, Ostermonat für April, Wonnemonat für Mai, Brachmonat für Juni, Heumonat für Juli, Erndtmonat für August, Herbstmonat für September, Weinmonat für Oktober, Windmonat für November, Christmvnat für Dezember. Justus Friedrich Runde hatte im Jahre 1781 in einem Aussatz des Deutschen Museums darauf hingewiesen, wie thöricht und unrathsam es sei. die römischen, dem gemeinen Manne unverständ ­ lichen Kalendernamen noch beizubehalten. Er hatte die Rückkehr zu den karolingischen, deutschen Bezeichnungen befürwortet und die obige Reihe nebst der Benennung Wintermvnat für Januar aufgestellt. - Der vortreffliche Gelehrte, der an dem Schlieffen's Aufsicht unterstellten fürstlichen Collegium Carolinum zu Kassel wirkte, wird von Jenem in den Denkwürdigkeiten mehrmals mit warmer Anerkennung erwähnt; von ihm mag demnach der General jenen Vorschlag zur Aenderung der Monatsnamen übernommen und durchgeführt haben, eine Vermuthung, die um so wahrscheinlicher wird, wenn wir sehen, daß Schlieffen in dem 1780 erschienenen Vorläufer seines Hauptwerkes sich noch durchweg der latei ­ nischen Namen bedient. Schlieffen hat für seine sprachreinigenden Bestrebungen bei seinen Zeitgenossen mehr Aner ­ kennung gefunden als bei den Nachkömmlingen,