256 mann soll auch deutsch von seinem Handwerk reden, aber nicht in der beliebten scheußlichen, kauderwelschen Kriegersprache. Und nicht der Kriegsmann nur, sondern auch ein jeder Andere an seinem Ort. Aber freilich — und wahrlich diese Auslassung ist beherzigenswerth und geltend wie eine — der „Hierschreibende (so nennt sich Schliessen meist) sieht mit Bedauern, daß Deutsch ­ lands Schriftsteller erster Größe, deren Wissen allzu anerkannt ist. als daß sie brauchten gelehrt zu scheinen, stets fort ­ fahren, in die Muttersprache Fremdes hineinzuflickeu, wenn Einheimisches dafür zu finden steht. Er wünscht, daß sie endlich einmal mit andern ihres Gleichen und mit ihm Ungelehrten fühlen möchten, wie seltsam es sei, nicht allein vom Nachbar zu borgen, was man selbst schon hat oder aus eignen Mitteln haben kann, sondern auch daß, wenn ein neues Ding seines Namens bedarf, man die günstige Eigen ­ schaft jener (nämlich der Muttersprache), fast jeden daraus bilden zu können, vernachlässige und ihn lieber zusammensetze aus Bruchstücken der griechischen, die doch auch keine für dasselbe haben kann, weil es aufkam, da sie nicht mehr geredet wurde." Wozu also die Worte Mikro- skopium, Barometer, Thermometer? Der Un- gelehrte wird froh sein, wenn ihm das Nerstehen- lernen erleichtert wird durch Einführung solcher Namen, „deren Sinn schon aus ihrem Anblicke hervorginge wie der Werth einer Münze aus ihrem Gepräge." Bilden von fehlenden Worten ist keine „Neuerung, sondern ein Benutzen des Vorhandenen. Die Britten müssen in dieser Art erobern, um den Nachbarn gleich zu bleiben, weil sie kein Eigenthum mehr haben; ist es aber uns noch Wohlhabenden zu verzeihen, das unsrige zu verwarlosen, um auch -Räuber zu werden?" Das sind köstliche Worte, die ihre volle Geltung für die Gegenwart haben oder doch haben sollten, mit ihnen steht der, der sie schreibt, ganz auf dem Boden der gegenwärtigen Sprachreinigungsbestrebungen. (Fortsetzung folgt.) asseler HLnöerlieöchen, gesammelt und erläutert von Dr. Gustav Lskuche und Johann Tewslker. (Fortsetzung.) Doch des Lebens recht froh wird das Kind wie der Erwachsene, wenn die warine Frühlings ­ sonne den Schnee zerschmelzt und all' die grünen Gräser und bunten Blumen hervorlockt: dann geht's mit Halloh und Sang und Klang hinaus in die Aue, in's Eichwäldchen, in den Habichtswald, und im innigen Verkehr mit der Natur wird Leib und Seele frisch und gesund. Denn dem Kinde wie dem Dichter ist das heimliche Leben und Weben in der Natur noch nicht so verschlossen wie dem erwachsenen Alltagsmenschen, es fühlt noch inniger den einen großen Herzschlag, der durch das Weltall geht. Die Sonne wie der Maikäfer, das Häschen wie der Storch, Alles, was in dem großen Gottesgarten wächst und lebt, ist dem Kinde wie ein vertrauter Freund, den es fröhlich mit Du anredet. Die Frühlings ­ sonne, die allzu lange von schweren Wolken ver ­ hüllt bleibt, locken die Kinder mit dem uralten Liedchen hervor: 152) Liebe, liebe Sonne, Komm' en bischen 'runter, Laß den Regen oben, Mit der goldnen Krone. Einer schließt den Himmel aus, Kommt die liebe Sonne 'raus! Der Eine, der aus der geöffneten Himmelsthür die Sonne herausführt, wie Phoibos bei den Griechen und Osiris bei den Aegyptern, ist der Himmelsherr Fro, welcher, nach altnordischer Sage, auf goldborstigcm Eber durch Winde und Wolken reitet und mit Regen und Sonnenschein die Fluren befruchtet. Noch jetzt sagt der Bauer in der hessischen Wetterau, wenn er die goldnen Aehren im Wind wogen sieht: Der Eber geht im Korn. Als nun die vielgestaltigen Götter und Göttinnen mit dem Christenthum in dem einen Schöpfer Himmels und der Erden aufgingen, über ­ trug man auch Fro's Walten auf den segen ­ spendenden Christengott, wie aus einem süd ­ deutschen Sprüchlein hervorgeht: Heiland, thu Dein Thürle auf, Laß die schöne Sonne raus! Laß de Schatte drobe, Den Heiland wöll'n wir lobe. Der Heiland ist ja der Fro, d. h. der Herr, vgl. Fronleichnam. Fro hatte neben sich Frowe oder Freya, die Sonnengöttin, wie Osiris die Isis, Phoibos die Artemis; sie erscheint z. B. in einem Preßburger Liedchen: Liabi Frau, mach's Türl auf. laß die liabi Sunn herauf, laß in Regen drina, laß in Schnee vabrina; ebenso im Elsässer Liedchen: 's geht e Frau in's Glockenhüs,