242 lichen Sitte, auf den Zunftlauben vder unter den Lindenbäumen des Brühls sich mit Sprüchen und Räthseln wechselseitig zu überbieten: „wann die alten zusammen kamen, gab eyner dem andern fragen aufs; wer die meisten aufflösete, verdienete eynen crantz. vnd in summa, wer noch heutiges tages im fechten, schießen, rennen, lausten, singen, ringen vnd springen das beste thuet, hat neben dem andern gewinnet eynen crantz zu lohn, vnd wa die leute frölich seynd in wolleben, anst die hohen feste oder sonst, da pranget man mit cräntzen." Beim Kranzsingen hat in der Regel der Jüngling, der ein Mädchen zu Tanze bittet, ihr zuvor einige Räthselfragen zu beant ­ worten. Zeigte er dann durch Lösen der Räthsel seine geistige Gewandtheit, so setzte ihm die Jung ­ frau das Rosenkränzlein auf, und er legte ihr nun seine Räthsel vor, zuweilen mit einem Ein ­ gang der Art: Ei, Jungfrau, ich will ihr was auf zu rathen geben, Und wenn sic's erräth, so heirathe ich sie! Die Räthsellieder sind daher nicht selten Brautwerbelieder, ja Hochzeitliedcr, wie in Erck's deutschem Liederhort das Lied 153, wo der Reiter das Mädchen, das ihin alle seine Räthsel beantwortet hat, sogleich zu sich auf's Roß hebt: Ewige Liebe sei dein Lohn! Und hop — hop ging's mit ihr davon. In unseren Tagen ist das gesprochene Räthsel zum kindlichen Unterhaltungsspicl herabgcsunken, an dem sich die Erwachsenen nur, um 'mal unter Kindern wieder Kinder zu sein, betheiligen, während sie auf die Lösung der gedruckten, meist auf ein geist ­ loses Wortspiel hinauslaufenden Räthsel der Sonntagsblättchen viel Zeit und Mühe verwenden. Nun mögen sich hier die in der Kasseler Kinder ­ welt noch üblichen, leider nicht sehr zahlreichen Räthsel in buntem Wechsel aufreihen. 121) Kaiser Karolus hatte einen Hund, „Wie" hieß Kaiser Karolns sein Hund'. 122) Erst weiß wie Schnee, Dann grün wie Klee. Dann roth wie Dlut, Schmeckt allen Kindern gut. Ganz ähnlich lautet's in der Schweiz, wo die Kinder außerdem noch folgende allerliebste Fassung haben: Es sitzt es Jümpferli äs ein Baum, es hät am Röckli en rothe Saum, am Herze hät's en Härtestci: säg, was es für nes Jümpferli feig. 123) Dben spitz und unten breit, Durch und durch voll Süßigkeit. 124) Außen blau und innen gelb, In der Mitte ein Duetschenkern. 125) ) In welchen Kleidern geht die Sonne unter? 126) Wie viel wiegt der Mond? 127) Wenn man von 100 Spatzen einen vom Dache schießt, wieviel bleiben dann oben? 128) Der Arme wirft'» weg, und der Reiche lteckt's ein. 129) Welche Peter machen den meisten Lärm? 130) Auf welcher Straße kann man nicht gehen? 131) Welches Haus ist ohne Hol; und Stein? Diese Frage ist ein armer Nachklang eines in alemannischer Form noch sehr vollständigen all ­ gemein deutschen Räthsels: Es ist es ganz apartigs Häs, wo weder Thür no Feister hät; goht der Biwohner hübschlich äs, se zieht das ganze Hüsli met, und wenn ihrer tüsig bisümme stehnd, men überchunt keis Städtli z'gsehn. 132) Welcher Daum wirft keinen Schatten? 133) Wo geht man hin, wenn man 12 Jahr alt ist ? Vgl. Rochholz 575: Wo ist der zwölfjährig Salomo sell m«l hi gange? is drüzüh't. 134) Der Dlinde sah 'en Hasen laufen, Der Lahme sprang ihm nach, Und der Nackende steckte ihn ein. , ^ Was ist das? ^ i 135) Es ist ein Füßchen wohlgebunden, Es ist noch keines Küfers Hand daran gekommen, Es trinken Herren und Fürsten draus. In Schwaben sagt man: 's ist a Fäßle unge- bunde, Ohne Wehr und Waffe, 's trinket Fürst und Grafe draus, Welcher kan's verrathe? 136) Es stnd vier Prüder in einer Kammer, Und Keiner kann ausmachen. Wiederum hat das Schweizer Volkslied dasselbe Räthsel schöner und voller bewahrt: Sind vier Brüeder in eim Hüs, und keine cha zum andern ns; sinn vier Brüeder i der Chammer, und sind niemole binenander. 137) Es war einmal ein Zwei fuß, Oer saß auf einem Dreifuß, Da kam Uiersuß Und brachte einen Kuhfuß. Da nahm Zweifuß Den Dreifuß Und schlug damit den Uiersuß, Daß er den Kuhfuß fallen ließ. Der Spruch ist sehr alt; schon Fischart nennt im 25. Stück seiner Gargantua ein Kinderspiel: „Vierbein und Zweibein." 138) Es liegt etwas Weißes auf dem Dach. Wenn's herunter füllt, ist es gelb. Vgl. das alemannische Räthsel: Am Dach isch's wiß und Hel, wann's abefallt, isch's gel. 139) Was liegt zwischen Derg und Thal? 140) Gott Üeht's nie, Der König selten, Der Dauer .jeden Lag. 141) Was geht auf dem Kopfe die Treppe hinauf? 142) Wie wird ein blauer Husar, wenn er in's rothe Meer füllt?