96 der Preis zuerkannt worden war, wurden am 12. Januar 1791 die Prikten verabredetermaßen abgeliefert und auf des Siegers Zimmer Abends in einer ausgesuchten Gesellschaft unter frohen Scherzen zu allgemeinem Wohlbehagen verzehrt. Nach errungenem Sieg stimmte Busch einen Jubelgesang an, welchem die gleichen Reime untergelegt waren: Mein sind die Prikten — mein! Du mit dem grünenBüffel, Den übern Nacken hin ein kahler Fuchsschwanz küßt, Hohly! Bestelle mir ein Frikassee mit Trüffel Und einen welschen Hahn rc. Busch triumphirt mit diesen Worten u. s. w., welche den Hauptinhalt angeben, über den Forst ­ mann v. Wildungen. Doch es war zu früh triumphirt, denn das Blatt sollte sich bald wenden. Bon Wildungen nahm nun scheinbar „nach der verlorenen Schlacht" Abschied von der Poesie, und dieses Gedicht verdient es wohl, daß wir es vollständig wiedergeben. Wie vorher der Busch'sche Triumphgesang, sind auch hier kunst ­ voll die anfänglich vorgeschriebenen Reime bei ­ behalten worden. Wenn König Lowe brüllt, verstummt der kühnste Büffel, Ich seh's, nicht jeder wird von Grazien geküßt. Mcht jeder Hund entdeckt die tiesverborg'ne Trüffel — Wohlan! So schleich' auch ich beschämt vom Kampfgerüst. O Muse! Mußte so Dein stolzer Liebling scheitern? Verschmähst Du so sein Fleh'n, so seines Opfers Qualm? Verräth'risch brechen sie, die morschen Himmelsleitern, Nun wälzt er sich tm Sand, wie ein gefang'ner Salm. Mein sonst geliebtes Lied verbrenn' ich nun zu Asche. Schön sang ich wie ein Staar. nun brumm' ich wie ein Bär, Verwünschtes Mißgeschick! Mit immer leerer Tasche! Ha! Deinen Launen ist aus Erden nichts zu hehr! Ihr Freunde! rathet mir. sagt, welches Fisches Leber Den Dichtergeist verscheucht? — Bei dürrem Lorbeer-Reis Briet ich sie gerne, tränk durch Deutschlands größten Heber Den ganzen Leihe aus und wälzte mich in Eis. Umsonst! Den Sieger stört des Ueberwund'nen Fluchen Im Prikkelschmause nicht! So schmaußt beim Donnerknall Der Löwe ruhig fort. — Der Blitz trifft hohle Buchen, Beim Hafer stört er nicht das stolze Roß im Stall. Fahr hin ! vu schwere Kunst, ein Lied voll Geist zu schnizzeln Aus Reimen ohne Geist ! Des Schmeichlers Weihrauch-Dust Soll künftig mir umsonst die fein're Nase kizzeln — 3ch seh's, vom Helikon trennt mich noch manche Kluft! Der so klagende, den Sieger auf feine Weise geiselnde Dichter sollte jedoch bald getröstet und in die ihm gebührende Ehre eingesetzt werden und zwar durch keinen Geringeren als den da ­ mals in Göttingen lebenden Professor Bürger, der von Erxleben selbst als Oberappellations ­ instanz um eine endgültige Entscheidung in diesem poetischen Wettstreit angegangen wurde. (Schluß folgt.) Die Schmede« jAule. Zu Merfeld an dem Rheine Ragt eine Säule weit, Erbaut aus Quadersteine Einst in der Schwedenzeit. Als ein Erinn'rungszeichen Hat sie dahin gestellt Herr Gustav ohne Gleichen, Der königliche Held. Ein Leu, hochaufgerichtet, Steht auf dem Säulenknauf, Das Haupt, vom Helm umdichtet, Schaut nach des Rheines Lauf, Den einst in kleinem Nachen Der Held im Sturm bezwang, Es sollt' der Löwe wachen Hier wohl Jahrhundert' lang. Das Schwert in seinen Klauen Glänzt hell im Sonnenschein, War rings im Land zu schauen, Thalauf, thalab am Rhein. Doch bald mußt' er es missen, Das stolze Zeichen schwand, Es ward ihm schnöd entrissen Bon eines Buben Hand. Nach Wien ward es gesendet Zum Kaiser Ferdinand, Doch der das Schwert entwendet, Gar Übeln Lohn er fand. Nicht güldne Kett', noch Ringe, Sie wurden ihm zu Theil, Nur eine hänfne Schlinge War billig für ihn feil. In seiner Ritterhalle Der deutsche Kaiser saß, Um ihn die Schranzen alle, Die strengen Blicks er maß. Der Frevler in der Mitten Noch trotzig schaut' er drein, Er wußt', der Freunde Bitten Würd' nicht vergebens sein. Da rief mit finstern Mienen Der Kaiser Ferdinand: „Der s o mir wollte dienen, Auf immer sei verbannt! Daß er mit frevlen Händen Des Helden Ehrenmal Entweihen konnt' und schänden, Rächt meines Zornes Strahl!