71 Er mußte in solchen Zufälligkeiten eine Ver ­ höhnung seiner Person erkennen, an einer weiteren fixen Idee leiden. — Als die Trauerzeit für Fräulein Bender um war, wurde sie, ohne daß der Kapitän, der ge ­ sellschaftlich nun völlig zurückgezogen lebte, Ein ­ wendungen dagegen erhob, von mehreren Offiziers ­ familien auf die Kasinobälle geführt und hier machte sie die Bekanntschaft des Majors von der Garde, des Herrn Don Quixote. Derselbe war ein Mann Mitte der Vierzig, mit eleganten Manieren, einer ordengeschmückten Brust und der Aussicht auf ein schnelles Avancement, da er einer der geistvollsten Offiziere unserer kleinen Armee war und die Aufmerksamkeit des Fürsten auf sich gezogen hatte. Dabei war er jedoch intrigant und ein Lebemann erster Sorte. Das hübsche Gesicht und das liebenswürdige Wesen des jungen Mädchens mochten, eine gewisse An ­ ziehungskraft auf ihn ausüben, vielleicht aber auch die Aussicht, daß sie, selbst schon vermögend, die Erbin des Kapitäns sein würde — kurzum, der Major war auf Schritt und Tritt hinter ihr her und auch sie schien seiner Bewerbung nicht unfreundlich entgegen zu kommen. (Schluß folgt.) Weihjtted.') (Schwälmer Mundart). Schloff. Kendche, schloff! Mon frieh'^) da stcihjst de off 9 ), Da weis ich der die bongte Küh, Dos Fellche ö dos weiße Hüh 4 )- Die Sonn es schie Js Bettche scho gegieh. 5 ) Im Himmel wacht dr liewe Gött, Dör dich ö see geschafft höt. Sü, süssü, sü! Nü düh die Ööje 6 ) zü. Höst dü die Oöje zügemöcht, Da schläffst de gilt die gLnze Rocht. Ö kemmt die Sonn Mon frieh, meng Schatz, da hon ') Ich der de Kassie 8 ) scho gekocht Ö Hüsebrodche 9 ) metgebrocht. So, sosso, so! Da lacht meng Kendche froh Ö schlengt die Häng mer ein de Hüls. Günüchtmeng Schatz! Gött wäls!") Kurt Nuyn. >) Wiegenlied, 2 ) morgen frühe, ») stehst du auf, 4 ) bunte Kuh, das Füllchen und das weiße Huhn, &) ge ­ gangen, 6 ) Augen, 7 ) haben, 8 ) Kaffee, Hasenbrot, I0 J Hände, >>) gute Nacht, ") Gott walte es! Aus Aeimath und Fremde. Zweier geschichtlicher Vorträge haben wir hier Erwähnung zu thun, die jüngst in Kassel gehalten wurden. Am 19. Februar sprach Dr. Karl Scherer in der Hauptversammlung des Kasseler Zweigvereins des „Allgemeinen deutschen Sprach ­ vereins^ Uber den Grafen Ernst von Schliessen. Die auf gründlichen Studien beruhenden interessanten Ausführungen des Redners über den verdienstvollen Krieger und Staatsmann, den eifrigen Förderer von Kunst und Wissenschaft, den späteren Einsiedler von Windhausen, der zu den ältesten Vertretern der Sprachreinigungs-Bestrebungen gehörte, wurden mit lebhaftem Beifalle aufgenommen. — Am 23. Februar hielt Pfarrer G. W. Wissemann im „Vereine für hessische Geschichte und Landeskunde- den an ­ gekündigten Vortrag über „die Kunst der Glasmalerei mit besonderer Beziehung auf Hessen.- Auch dieser Vortrag des als vortrefflicher Redner bekannten Herrn Pfarrers fand allgemeinen Beifall. Die „Kasseler Allgem. Zeitung- vom 20. Februar schreibt: „Marburg. Die hiesige Elwert'sche Buchhand ­ lung erwarb in den letzten Tagen in Amsterdam eine alte Handzeichnung von Marburg von P. von Liander, welche eine besondere Beachtung verdient. Dieselbe stammt aus der Zeit von 1750. Alle älteren Ansichten von Marburg von Dilich, Merian rc. sind sämmtlich von SO. aufgenommen, die hier erwähnte von NO. Auf dem Schlosse sind die Bauten nördlich vom Rittersaal, welche längst ab ­ getragen sind, sichtbar. - Hieran anschließend, können wir melden, daß in der Buchhandlung von Baier u. Co. zu Kassel aus dem Nachlasie eines hohen kurhessischen Militärs 24