falls annehmen und wollte doch auch den alten Freund nicht zum zweiten Male in seiner auf mich gesetzten Erwartung täuschen. Noch besann ; ich mich auf einen Ausweg, als er mir au den Augen absehen mochte, was in mir vorging. Mit einem heisern Lachen stand er aus und rief: i „Also auch du! Also auch du!" Weiter sagte er ; nichts; er trat an's Fenster und starrte auf die; dunkele Straße hinab. In demselben Augen- j blick traten die beiden Kameraden ein und Scheller wandte sich diesen zu. Der Eine hatte j neulich seine frisch gestopfte Pfeife mitge ­ nommen und das verdächtige Kraut von einem Sachverständigen untersuchen lassen. Dieser hatte sein Urtheil dahin abgegeben, daß der Tabak noch etwas zu frisch sei, nach einiger Ablagerung würde derselbe vorzüglich werden. Scheller aber wolltei davon nichts wissen, er hatte die beiden Ballen versiegelt und mit großen Buchstaben „Gift" daran geschrieben. So viel die Kameraden ihn auch in der Folge baten, ihnen von dem Tabak abzulassen, er war nicht dazu zu bewege». Seine Spielabende gingen bald ein. Scheller ließ uns an dem nächsten Tage nach dem letzten Bei ­ sammensein durch seinen Burschen melden, daß er unwohl sei und Nieniand bei sich sehen könne; ich war überhaupt unter den obwaltenden Um ­ ständen nicht in der Lage, ihn zu besuchen und so geschah es, daß ich ihn wohl ein Jahr lang nicht gesprochen hatte. Von der Idee, den Don Quixote zu fordern, mußte er abgekommen sein oder keinen Sekundanten gefunden haben, denn ich hörte nichts mehr davon. (Schluß folgt.) Der Ktndenbarrm. Es steht 'ne mücht'ge Linde Vor meinem Vaterhaus. 'Ne schön're ich nicht finde, Zog doch so weit hinaus. Und nun, nach langen Jahren Im Abendsonnenschein Nach manchen Pilgerfahrten Kehr' ich zur Heimath ein. Der erste Gang ist wieder Zum trauten Vaterhaus, Dort sang ich meine Lieder Froh in die Welt hinaus. Doch heute zieh' ich stille Zum alten Pfarrhaus ein. Denn es war Gottes Wille Geschieden mußt' es sein. Die Lieben all', sie ruhen In stiller Tvdtengruft Und uns, die wir noch thuen Sein Werk, der Herr bald ruft. Die Linde rauscht und singet, Singt auch von Tod und Grab, Gar ernst ihr Lied erklinget, Ihr grüner Schmuck fiel ab. Sie singt von alten Zeiten Von Liebe, Lust und Leid Und läßt vorübergleiten Manch' Bild vergang'ncr Zeit, Sie singt von festem Glauben An Gottes Wunderkraft, Den selbst kein Tod kann rauben, Weil er nur Leben schafft. Sic singt von stillem Hoffen, Das nicht zu Schanden wird, Weil uns den Himmel offen Gemacht der treue Hirt. O du mit deinem Singen Du alter Lindenbaum, Du kannst zur Ruhe bringen Mein Herz und seinen Traun«. «Lkard Aiskamp. Aus Heimath und Fremde. Der 19. Februar ist ein Gedächtnißtag in der Geschichte unseres Hessenlandes. An ihm starb vor fünfzig Jahren die vom hessischen Volke hochverehrte Kur fürst in Auguste, Gemahlin des Kurfürsten Wilhelm II., Tochter des Königs Friedrich Wilhelm II. von Preußen. Die Kunde von dem am frühen Morgen des 19. Februar 1841 erfolgten Hin ­ scheiden dieser edlen Fürstin erfüllte nicht nur die Bürgerschaft der Residenzstadt Kassel, sondern das ganze Land mit tiefster Trauer. Der letziwilligen Bestinlmung der hohen Verblichenen zufolge wurden ihre irdischen Reste neben bem Mausoleum ihrer Schwiegermutter, der Kurfürstin Karoline, auf dem alten Friedhofe Kassels beigesetzt. Dort auch fanden