in der Folge ein paar alte Kameraden zu sich ein, es wurde dann getrunken, Tarok gespielt und aus thönernen Pfeifen geraucht. Zuerst ging Alles gut, bald aber sahen wir uns mit Erstaunen über Scheller's seltsames Gebühren an, das mit seinem früheren Wesen in gar keinem Zusammenhang stand. Heute in sich gekehrt und wortkarg, war er bei der nächsten Zusammenkunft von einer krampf ­ haften Lustigkeit, die theils ansteckend wirkte, theils einen schaurigen Eindruck machte. Plötz ­ lich aber zeigte er sich noch von einer andern Seite. Schon mehrmals hatte er davon ge ­ sprochen, daß er sich von einer Bremer Hand ­ lung einen großen Tabaksvorrath wolle kommen lassen, eine ausgezeichnete Sorte Knaster, die ihm dringend empfohlen worden sei und die kein Geschäft besser liefere, als gerade dasjenige, welches er uns nannte. Nach einigen Wochen, als wir uns wieder zum Tarok bei ihm einfanden, trafen wir ihn in der besten Laune, der Tabak war angekommen und stand in zwei großen Ballen in einer Ecke des geräumigen Spielzimmers. Eine Anzahl Thonpfeifen lag neben den Karten und dem gefüllten Fidibusbecher auf dem Tisch, welches Stillleben von zwei großen Wachskerzen beleuchtet wurde, denn die damaligen Oellampen gefielen Scheller nicht. Er öffnete feierlichst einen der Ballen, füllte einen umfangreichen Tabaks ­ kasten mit dem edeln Kraut, wir stopften uns die Pfeifen und dampften während des Spiels recht tapfer drauf los. Eine Stunde mochten wir gespielt und geraucht haben, da befiel Einen um den Andern von uns ein seltsames Uebel ­ befinden, wir bekamen Herzklopfen, kalter Schweiß trat uns auf die Stirn, und Magenschmerzen stellten sich ein; auch der Kapitän wurde davon befallen. Da wir noch nichts getrunken hatten, so wurde die Schuld auf den Tabak geschoben, sowie der erste aber in Scheller's Gegenwart diese Vermuthung äußerte, brach dieser in ein lautes Gelächter aus. „Hahahaha!" schrie er. „Wir sind Alle vergiftet, ich an der Spitze. Und daran ist Niemand Anderes Schuld als der Don Quixote! (Er nannte ihn jedoch mit seinem richtigen Namen.) Er will sich an mir rächen, von wegen dem Schuß, den ich ihm in der Neu- meher'schen Affaire beigebracht! Er hat mir die Adresse von dem Bremer Fabrikanten in die Hände gespielt, dieser ist sein Helfershelfer und hat mir Gift in den Knaster gemengt." Wir sahen uns an und wußten nicht, was wir dazu sagen sollten, vergeblich versuchten wir Scheller von dieser Idee abzubringen, er blieb dabei und schickte seinen Burschen zu einem Militärarzt, der ihm Gegengift geben sollte. Wir trennten uns, nachdem der Doktor erschienen war und ! unsern Zustand für völlig ungefährlich erklärt hatte. Am andern Tag besuchte mich Scheller. Mein erstes Wort war, ihm lachend zuzurufen: „Nun, das Gift scheint dir ja nicht viel geschadet zu haben!" — ,,Der Doktor hat mir Gegengift gegeben." erwiderte er. „Ich bin diesmal noch so davon gekommen, du mußt mir nun aber den Gefallen thun und den Don Quixote heute noch fordern, er trachtet mir nach dem Leben, und ich weiß mir nicht anders zu helfen, als daß ich ihn todt schieße." Er sprach in vollem Ernst, und nun fing die Sache an, mir bedenklich zu werden. Ein stichhaltiger Grund den Herrn Don Quixote, welcher jetzt als Major bei der Garde stand, eine Ausforderung zugehen zu lassen, war für Scheller unstreitig nicht vorhanden, und ich be ­ mühte mich vergeblich, ihm dies klar zu machen. Er blieb bei seiner Wahnvorstellung, daß der Major cs auf ihn abgesehen habe, ohne sich in ­ dessen auf Beweise einzulassen und verließ mich sehr ungehalten, als ich mich entschieden weigerte, ihm in dieser Angelegenheit als Sekundant zu dienen. Nichts desto weniger ging ich an dem nächsten Spielabend, als ob Nichts vorgefallen wäre, zu ihm. Als ich bei ihm eintrat, war noch keiner der Anderen da, und ein Strahl unverkennbarer Freude flog für einen Augenblick über sein grasses Gesicht. Aus der Art und Weise seiner Begrüßung konnte ich schon ent ­ nehmen, daß er mein Erscheinen für ein Zeichen meiner veränderten Gesinnung in der Duellaffaire nahm. Ohne mich jedoch über diesen Gegenstand zu Wort kommen zu lassen, zog er mich neben sich auf ein altes Kanapee mit großgeblümtem Ueberzug und schüttete sein Herz vor mir aus. „Du kannst dir nicht vorstellen." sagte er zu mir, „was ich die ganze Zeit über schon gelitten habe! Der verdammte Don Quixote! Er und die andern, denen ich einen Denkzettel beigebracht habe — du weißt ja. in der tollen Periode, nach dem Tod des armen Neumeyer - sind gegen mich und mein Fortkommen verschworen, aber er, der Don Quixote, ist der Schlimmste der ganzen Rotte! Ich bin Kapitän geblieben, er ist Major geworden, er hat es fertig gebracht, daß ich vom Fürsten beim Avancement übergangen worden bin! Als mein Vater das Zeitliche segnete, stand es bei mir fest, sofort den Dienst zu quittiren, um den Chikanen der Sippschaft nicht länger ausgesetzt zu sein. Nun trachtet er mir sogar nach dem Leben, da er mir auf eine andere Weise nicht mehr beikommen kann! Niemand habe ich das bis jetzt vertraut, wie dir und du, Kamerad, du mußt ihn nun auch fordern! Nicht wahr, du thust es?" — Ich gerieth in eine pein ­ liche Verlegenheit, ich konnte den Auftrag keines ­