viel besserer ist und beglückendercr, als die eigen ­ sinnige und mistrauische Abwendung vom Lehrer und die nach einer misverstandenen Freiheit dürstende Renitenz gegen das Gesetz? Ich mahne Euch au so manche heitere Stunde, welche Ihr dem Seligen dankt, an Eure Wanderungen und Turnzüge unter ihm, an die gemeinschaftlichen Lieder und Gesänge, an jene Sommer- und Sonnen-Tage voll Glanz und Klang und Lust und Ausgelassenheit. Und glaubt mir, lieben Freunde, auch in den Mauern dieses Hauses ist es so übel nicht, als cs Euch in einzelnen ge ­ drückten Augenblicken bedünken mag, oder als vermeintliche Gönner Euch weißmachen. Der Fuß, der leichter und freier in das offene Leben hinausstürmt, wenn die sogenannte Fessel der Disciplin nicht mehr um ihn klirrt, der strebt nachher wohl manchmal und unwillkürlich in die kindliche Sicherheit und Beschränkung dieser Räume zurück. Ihr alle werdet, früher oder später, gerührt oder gleichgültig, jener Schwelle Lebewohl sagen; nehmt dann, wie Ihr auch scheidet, wohin Euch das Schicksal auch zerstreut und fortreißt, nehmt als freundliches Wegegeleit, als treu-schirmenden Talisman das Bild eines edlen Mannes mit, der für Euch gelebt und für Euch gestorben ist! Und wenn Ihr nach Jahres ­ frist als reifende Männer in unsere Stadt zu ­ rückkehrt, wenn der Eine sein Vaterhaus, der Andere seine Geschwister, der Dritte seine Jugend ­ freunde hier aussucht: o so gönuet auch seiner letzten engen Wohnung einen einsamen und ernste» Gang! Nicht wahr, ich darf in Eurem Namen mit der feierlichen Versicherung schließen, daß Jedweder unter Euch, wie Ihr heut um uns versammelt seid, den verwachsenen Hügel unter den neuen und fremden Gräbern wiederfinden wird, wenn auch weder der Marmor eines prunkenden Denkmals*) noch das stolze Gold einer lateinischen Inschrift Euch den schmalen Pfad zu demselben weist?! — So die Rede Franz Dingelstedt's zur Erin ­ nerung an Nikolaus Bach. Sie ist allen un ­ vergeßlich geblieben, die an der Nhabanusscier des Jahres 1841 in der Aula des Fuldaer Gym ­ nasiums thcilgenommeu haben. Nach fünfzig Jahren haben wir sie hier zum erstenmal im Drucke veröffentlicht, wie zum Gedächtniß Bach's, so nicht minder auch zur Erinnerung an unseren hessischen Landsmann Franz Dingelstedt, dessen Andenken ja in seinem Geburtslande ganz be ­ sonders hoch gehalten zu werden verdient. K. Z. *) Die Grabstätte Bach's auf dem städtischen Fried ­ hofe zu Fulda ziert ein einfaches geschmackvolles Kreuz mit der Inschrist: ,.Haud ul 1 i virtute secundus“, welches dem Verblichenen die Familie hat errichten lassen und für dessen Erhaltung dieselbe in pietätsvoller Weise Sorge trägt. D. Red. Kapitän Kchellrr. Wach der Erzählung eines Werlkoibenen. Von Wilhelm Denn ecke. (Syortfefeung.) Einige Zeit war vergangen, ich hatte mich i verheirathet, und bei meinem Erstgeborenen war 1 Scheller Pathe geworden, wenn auch nur pur! distance, da er keinen Urlaub erhalten konnte. : Ueberhaupt hörte ich nur wenig von ihm. So verflossen fünf bis sechs Jahre, da las ich eines , Morgens in der Zeitung, daß der Kapitän j Scheller seinen Abschied erhalten habe, und wenige ! Tage später trat er selbst bei mir ein. Diej große, aber sehr hager gewordene Gestalt war ' mit einem dunkeln Civilanzug bekleidet, über der ! schwarzen, hohen Kravatte lag ein verschwindend kleines Streifcheu eines weißen Hemdkragens, die : Handschuhe waren von gelbem Waschleder, die! Kopfbedeckung bestand in einem geschweiften hohen ' Hut. Das kurz verschnittene Haar war schon j ergraut, durch das mit Ausnahme eines unbe- > deutenden Schnurrbarts glatt rasirte Gesicht lief ein grasser Zug, dem ich vorläufig noch keine I Deutung zu geben wußte. Er erzählte, daß er durch den Tod seines Vaters in den Besitz eines nicht" unbedeutenden Vermögens gelangt sei, des ­ halb den Gamaschendienst quittirt habe und sich nun in der Residenz niederlassen wolle, um als unabhängiger Mann im engeren Freundeskreis seine Tage sich und Andern zum Genuß zu ver ­ bringen. Er freute sich über seinen kleinen Pathen, der nun schon ein herzhafter Junge ge ­ worden war, beschenkte ihn reichlich und ver ­ sicherte meiner Frau mit einem gespenstigen Lächeln, daß der Bube, wenn er sich nur wacker halte, sein Herzblatt sein solle. Trotzdem Scheller sich thatsächlich sehr liebenswürdig zeigte, hatte seine Anwesenheit doch etwas Beengendes für uns gehabt, ein Gefühl, das auch nach seinem Fortgang sobald keiner freieren Ge ­ müthsstimmung Platz machen wollte. Zweimal in der Woche an bestimmten Tagen lud Scheller