6 graphischen Schrift „Theodor Gottlieb von Hippel, der Verfasser des Aufrufs: Au mein Volk, Breslau 1863" ein würdiges Denkmal gesetzt. Den Patriotismus Hippels theilte sein Schwieger ­ sohn Di-. Nikolaus Bach lind dessen feingebildete hochsinnige Gattin, und beide haben ihn ihr Leben lang bewahrt. Dr. Bach war eine hochangesehene Persönlich ­ keit in Oppeln, und wie die preußische Regierung seine Verdienste zu schätzen wußte, das geht aus der Thatsache hervor, daß sie, als die nassauische Regierung fest darauf bestand, ihn, den geborneu Montabaurer, trotz seines Ueber- tritts in den preußischen Staatsdienst, zum Militärdienst anzuhalten, die Summe von 150 Thaler zur Beschaffung eines Stellvertreters be ­ willigte. Am 17. März 1828 wurde der damals erst 26 Jahre alte Dr. Nikolaus Bach zum Ober ­ lehrer an das Leopoldinische Gymnasium zu Breslau berufen. Hier habilitirtc er sich zu ­ gleich durch eine Dissertation äs Phileta. poeta elegiaco und durch öffentliche Disputation als Privatdozent an der philosophischen Fakultät der dortigen Universität. Im Jahre 1830 wurde er vom königl. preußischen Ministerium zum philologischen Mitgliede der wissenschaftlichen Prüfungskommission ernannt, deren Hauptgeschäft darin bestand, gelehrte Schulamtskandidaten pro kaeultats äoceiiäi und pro ascensione oder pro rectoratu zu examiuireu und die Abituricnten- arbciten aller Gymnasien in Schlesien und Posen zu begutachten. Am 25. Januar 1834 erhielt Dr. Bach den Titel „Professor". Nachdem er 1830 einen Ruf als Direktor des Gymnasiums zu Conitz in Wcstpreußen und 1835 einen solchen als Studiendirektor nach Posen abgelehnt hatte, „letzteren weil er als geboruer Deutscher auch lieber auf deutschem Boden leben und wirken wollte", erhielt er fast gleichzeitig mit der Be ­ rufung nach Posen den ehrenvollen Antrag auf Uebernahme der Stelle eines Direktors am Gymnasium zu Fulda. Diesen Ruf nahm er au, so schwer es ihm auch wurde, den ihm lieb gewordenen Freundeskreis von Wachter, Passvw, Schneider re. in Breslau zu verlassen. Am 29. September 1835 trat er seine Stelle in Fulda au. Es erwartete ihn daselbst die schwierige Aufgabe der Durchführung der bereits ein ­ geleiteten Reorganisation der Studienanstaltcn. Wie er diese Aufgabe löste, darüber werden wir in unseren Schlußartikcl berichten. (Fortsetzung folgt.) Hur Geschichte der Kulöaer Gariöes-KibliotheK Von F. Iwenger. (Fortsetzung.) Durch den zwischen Preußen und Frankreich j am 23. Mai 1802 in Paris abgeschlossenen ! Vertrag fielen dem Fürsten Wilhelm V. von! Oranien als Entschädigung für die in Holland ; verlorene Erbstatthaltcrschaft und für die in ! den Niederlanden gelegenen Domänen die gcist- ! lichen Fürstenthümer Fulda und Corvei, die j Grafschaft Dortmnud und die Herrschaft Wein- > garten zu. Am 29. August 1802 trat der > Erbstatthalter diese Erwerbungen au seinen Sohn, j den Erbprinzen Wilhelm Friedrich von Oranien- ; Nassau, ab, welcher die Stadt Fulda zu seiner! Residenz wählte. Am II. September traf da- ! selbst als sein Bevollmächtigter der fürstlich! oranien-nassauische Geheime Regierungsrath und ! Kammerdirektor von Schenk zu Schweinsbergj ein, um mit dem Fürstbischof Adalbert III. von i Harstall die Verhandlungen wegen Uebergabc! der Herrschaft einzuleiten. Er stieß bei diesem j auf Widerstand, so daß erst am 22. Oktober j die Besitzergreifung des Fuldaer Landes für den ■ Erbprinzen von Oranien-Nassau erfolgen konnte, j nachdem das preußische Füsilier-Bataillon von • Rühle, welches in Erfurt stand, in Fulda ein- j gerückt war. Ehe der Fürstbischof das Schloß verließ, um in die von ihm erworbene Privat ­ wohnung, das von Vuseck'sckie Hans, überzusiedeln, ließ er den Bibliothekar Petrus Böhm zu sich rufen und übergab demselben als Geschenk für die Bibliothek 97 schon gebundene alte Werke. Schon vor der Besitzergreifung, am 28. Sept., hatte der Geheime Negierungsrath von Schenk der öffentlichen Bibliothek einen Besuch ab ­ gestattet und dem Bibliothekar Petrus Böhm im Namen seines Fürsten das Wohlwollen des ­ selben für diese Anstalt ausgesprochen. Auch hieß er den Bibliothekar die vor den Franzosen verborgenen wcrthvollcn Handschriften und seltenen Bücher wieder hervorzuholen und bis zur Ankunft des neuen Regenten alles in die gehörige Ordnung zu bringen. Dieser Arbeit unterzog sich dann der Bibliothekar mit be ­ sonderem Eifer. Am 6. Dezember 1802 erfolgte der feierliche Einzug des Erbprinzen von Oranien- Nassau in seine Residenzstadt Fulda und die persönliche Uebernahme der Regierung. Ter dreißigjährige Regent entwickelte eine ganz außer ­ ordentliche Thätigkeit ans allen Gebieten der