5 »ach Fulda versetzt. Bau Haus aus Katholik (er war aus Aachen gebürtig) hatte er sich vom Nationalismus zur Streugglüubigkeit bekehrt und machte sich in Folge dessen Hoffnung, unter dem Ministerium Hassenpflug zum Direktor des re- vrganisirteu Fuldaer Gymnasiums ernannt zu werde»*). Er sollte sich täuschen. Nicht er wurde zum Direktor auscrsehc», sondern der Oberlehrer an dem Lcopoldinischcn Gymnasium zu Breslau und Privatdvzent an der dortigen Uni ­ versität Dr. N itvlaus Ba ch wurde als solcher berufen. Nicht lauge ist cs I>r. Bach vergönnt gewesen, dem Fuldaer Gymnasium als Leiter vorzustehen. Schon am 17. Januar 1841 ereilte ihn im kräftigsten Mannesalter der Tod. In dem kurzen Zeitraum von nur fünf Jahren war es ihm ge ­ lungen, die Fuldaer Gelehrtcnschule zu hoher Blüthe emporzubringen und ihr einen weit über die Grenzen unseres engeren Vaterlandes hinaus ­ gehenden Ruf der Vortrefflichkeit zu sichern. Wenn ich es nun unternommen habe, hier ein kurzes Lebensbild um das Schulwesen hochver ­ dienter Gelehrten zu entwerfen, so erfülle ich als ehemaliger Schüler des Fuldaer Gymnasiums nur eine Pflicht der Dankbarkeit, wozu mir der bevorstehende fünfzigjährige Todestag des einstigen Direktors dieser Anstalt willkommenen Aulas; gibt. Johann Nikolaus Bach war am August 1802 zu Montabaur als der Sohn des knrtrieri- schen Regierungsadvokatcu I. A. Bach geboren. Seine erste Ausbildung erhielt er aus dem dortigen Gymnasium und nach dessen im Jahre 1817 er ­ folgten Aushebung auf dem Gymnasium zu Weilburg unter Snell und Krebs. Im Früh ­ jahr 1821 bezog er die Universität Bonn und widmete sich daselbst vorzugsweise der klassischen Philologie. Seine Lehrer waren u. a. A. W. von Schlegel (dessen Haus- und Tischgenosse er länger als ein Jahr war), Nüke, Wclcker, Hüll- maun, Delbrück, Diesterweg. von Ealkcn, Brandts. Sein warmer Eifer für den erwählten Beruf verschaffte ihm dort zahlreiche Gönner, die es dem begabten, aber unbemittelten jungen Manne möglich machten, seine Studie» glücklich zu voll ­ enden. Ganz besonders »ahm sich seiner der Kurator der Universität, Gcheimcrath Rchfucs an, der ihm, dem Ausländer, nicht nur ein an ­ sehnliches Stipendium, sondern höheren Orts auch die Zusicherung der Anstellung im preußi- *) Dr. Peter Joseph Andreas Schmitz war ein ausge ­ zeichneter Lateiner und auch, wenn man von einigen Schrullen absieht, ei» tüchtiger Lehrer, lir wurde 1848 von Fulda nach Rinteln versetzt und 1841 als Professor der Philologie und Geschichte an das Lyceum in Regens ­ burg berusen. Am 10. Febiuar 1879 ist er hochbetagt in Mönche n gestorben. i scheu Staatsdienste auswirkte. Durch seine Leistungen als Mitglied des philologischen Sc- : miiiars, durch Anfertigung eines Realkatalogs ! der griechischen und lateinischen Literatur auf der > Universitätsbibliothek zu Bonn und durch Be ­ antwortung einer Preisfrage über die Philo- ' svphie des M. Aurclius Antonius rechtfertigte ! er das Wohlwollen seiner Gönner. ! Nach rühmlichst bestandenem Fakultätsexamen und nachdem Nikolaus Bach auf Grund seiner Dissertation de Solone poeta vom 20. April 1825 zum Doktor der Philosophie proinovirt 1 worden war, wurde cs ihm durch ein Benefiz ! ermöglicht, noch die Universität Berlin zu be- ! suchen. Hier waren Böckh und Buttmann seine I Lehrer und an Wilhelm von Humboldt gewann i er einen wohlwollenden und einflußreichen Gönner. ! Durch letzteren empfohlen, wurde er am 28. No- ! vembcr 1825 als ordentlicher Lehrer am Gym- ! nasium zu Oppeln angestellt. In Oppeln fand Dr. Nikolaus Bach in dem Präsidenten »er Regierung von Oberschlesien, dem Staatsrath Gottlicb Theodor von Hippel, , Dank der Empfehlung von Wilhelm von Humboldt, j einen väterlichen Freund und in dessen Tochter i Franziska, mit welcher er sich bald vermählte, j eine treue Lebensgefährtin. Gottlicb Theodor i von Hippel, der Neffe des berühmten deutschen ! Humoristen Theodor Gottlicb von Hippel, des Verfassers der „Lebensläufe in aufsteigender Linie" und der „Kreuz- und Oucrzüge des Ritters A—Z", war ein glühender Patriot*), der den größten Theil seines bedeutenden Ver ­ mögens zur Zeit der Frnnzoscnherrschast und der Befreiungskriege vaterländischen Zwecken geopfert hatte. Er war der Verfasser des weltgeschichtlichen Aufrufs Königs Friedrich Wilhelm III. von Preußen vom 17. März 1813 „An mein Volk". Ihm hat der älteste Sohn Bach's, Dr. Theodor Bach, Direktor der Falk-Realschule in Berlin, in seiner bio- *) Hippel suchte den Franzosen zn schaden, wo er nur konnte. Als Beweis von dem tiefen Hasse gegen die Unterdrücker seines Vaterlandes, dem er alles Andere unterordnete, dient folgender Vorfall. Nach den Schlachten von Jena und Eylau', zur Zeit aber, als Danzig noch nicht kapitulirt hatte, war der französische General Faultier zn Marienwerder bei Hippel einquartiert. Hippel konspirirte mit einer preußischen Truppen ­ abtheilung in der Nähe, die ein Herr von Alvensleben kommand'irte, den französischen General mit seinem ganzen Stabe zu überfallen und auszuheben. Der Plan gelang. Hippel, sonst der zärtlichste Gatte und Vater, achtete nicht des bedenklichen Zustandes seiner hoch ­ schwangeren Frau, die in denselben Stunden ihre Ent ­ bindung erwartete. Der General Faultier wurde nach hartnäckiger Gegenwehr im Hause gefangen, in dem nämlichen Augeu'blick, als Hippel's dritte Tochter während des Lärmes des Gefechtes darin geboren wurde.