310 Pochen erschallte und rauhe Stimmen im Namen des Gesetzes Einlaß begehrten. „Da Haben wir die Bescherung" rief der Revierförster und richtete sich in seinem Bett hoch auf, „das sind französische Gendarmen, geh', Frau, und öffne ihnen selbst, und dann mag Gott uns gnädig sein, der König hält, wie es scheint,' doch noch einmal eine Jagd aus Edelwild hier ab." Er hatte sich nicht geirrt. Beim Oeffnen der Thür standen draußen zwei Gendarmen, die ihre Pferde bereits an eine Planke gebunden hatten, und mit dem König ­ lichen Revierförster zu sprechen begehrten, weil sich bei diesem einige Hochverräther aufhalten sollten. Frau Otto führte beide Diener des Gesetzes zu ebener Erde links in ihr Wohn ­ zimmer, indem sie bemerkte, ihren Mann, der krank zu Bett liege, erst auf den Besuch vorbe ­ reiten zu müssen, was auch willig zugestanden wurde. Otto vernahm die Bestätigung seiner Vermuthung und bekämpfte die ihn erfassende Unruhe. Dann sagte er: „ich denke, gegen einen Kranken verfahren sie mit Rücksicht, bitte also, daß nur einer heraufkommt, der Andere mag sich an die Thür stellen, auf daß Keins von uns entschlüpft." Bald darauf trat denn auch mit klirrenden Sporn eine hohe, breitschultrige Ge ­ stalt herein, schritt auf Otto's Krankenlager zu, und schob den großen Bettvorhang zur Seite. Otto's Herz begann jetzt hörbar zu schlagen, und auf die Stirn traten dem armen Kranken dicke Tropfen. Frau Otto stand seitwärts ; auch ihr war der Muth entschwunden, denn sie fürchtete nicht sowohl für die Freiheit ihres Mannes, als namentlich für die Wirkung, welche das bevor ­ stehende Verhör und dessen Folgen auf seine Gesundheit haben würden. Der große schon grau melirte Schnurrbart des Gendarmen ließ diesen der geängstigten Frau als einen wahren Eisenfresser erscheinen, aber im Gesicht des Mannes spiegelte sich neben dem Ernste, der auf den Zügen lag, doch eine gewisse Gutmüthigkeit ab. Endlich ergriff der Schreckliche die zitternde Hand des Kranken, beugte sich über ihn nieder und flüsterte ihm im Dialekte eines echten Schwälmers in's Ohr: „Sie waren hessischer Fahnenjunker, ich war hessischer Wachtmeister, es lebe die alte hessische Kameradschaft", und sich dann wieder in die Höhe richtend, fuhr er mit lauter Stimme fort: „Wir sollen den Forst ­ hof wegen einiger aufständischen Offiziere ab ­ suchen, aber ich sehe, Herr Revierförster, Sie sind krank; erschrickt Sie also mein Auftrag, so kommen wir in einer Stunde wieder, bis dahin haben Sie sich erholt, entrinnen kann uns ja doch Keiner, da wir im Dorfe bleiben." Otto, der schon bei den ersten Worten dem Gendarmen hoffnungsfreudig in's Gesicht sah, drückte jetzt herzlich dessen Hand, und erwiderte mit einem lächelnden Blick auf seine noch immer bangende Frau: „Thun Sie, lieber Freund, was Ihnen Ihre Befehle vorschreiben, untersuchen Sie das Haus vom Giebel bis in den Keller. Sobald Sie dann fertig sind, wird meine Frau einen Morgen-Imbiß zurecht gemacht haben, denn sic läßt sich's nicht nehmen, gegen Alle Gastfreund- schafr zu üben, die hier einkehren. Allerdings werdet Ihr in meinem Hause einigen Herren in hessischen Uniformen begegnen, aber ich rathe Euch, die Hände davon zu lassen, weil das Zimmer, welches sie bewohnen, ihnen auf Aller ­ höchsten Befehl Seiner Majestät des Königs eingeräumt wurde." Diese scherzhafte Bemerkung, die der Gendarm zunächst gar nicht verstand, gab auch der Revier ­ försterin Otto die Fassung zurück, so daß sie sich in aller Ruhe anschickte, ihrerzuverlässigenDorothee den Auftrag zu geben, den beiden Herren auf der Wanderung durch das Haus zu leuchten. Natürlich war im ganzen Forsthofe nichts Ver ­ dächtiges zu finden, denn selbst die alten Land ­ grafen hatten den beiden Königlichen Gendarmen nicht so viel Unruhe bereitet, als einst ihrem Königlichen Kriegsherrn, obwohl eine Rumpel ­ kammer als Versteck, immerhin einigen Verdacht erwecken kann. Als jedoch die strengen Männer des Gesetzes, mit den besten Wünschen für die Wiedergenesung des Herrn Revierförsters, später von dannen ritten, sah ihnen Dorothee mit schalk ­ haft strahlenden Blicken nach und rief hände ­ klatschend: „reitet Ihr nur zum Kukuk, unsere vier Bauern kriegt Ihr doch nicht mehr, und ihre Säbel sind im Hessenhag gut aufgehoben!" Dorr Juan d'Anstria. Von Karl Herquet. Zm Hauptquartiere zu Namur im prunkvoll prangenden Gemach Ist Spaniens Feldherr Don Zuan noch spät in nächtiger Stunde wach. Er schreitet auf und ab im Saal, wo schweigend auf ihn niederschau'n Von großer Künstler Hand gemalt viel edle Herrn und edle Frau'n. Er schreitet auf und ab im Saal, umdüstert und gedanken ­ schwer Zst seine hohe Heldenstirn und unstet schweift der Blick umher.