243 Flanke zu umgehen. Da — wie erwähnt — kein Rückhalt gebildet worden war, so nahm die Sache hierdurch eine sehr übele Wendung, und drohte der Rückzug in ein förmliches Ueberstürzen ausarten zu wollen. Glücklicher Weise gelang es aber Ewald bei der Tüchtigkeit der Truppen, sich doch noch in anderer Weise zu helfen. Als nämlich die Linie — immer mehr und immer näher vom Feinde bedrängt — eben den Kamm einer waldbewachsenen Anhöhe erreicht hatte und es immer augenscheinlicher wurde, daß es so nicht mehr lange fortgehen dürfe, ließ Ewald, rasch entschlossen, Plötzlich das Signal Halt und Attacke geben. Dieses Signal mit lautem Jubel befolgend, machte die ganze Linie sofort Front und stürzte sich mit Ungestüm auf den sorglos und in blinder Hast ver ­ folgenden Feind los, griff ihn an und warf ihn in einem wüthenden Handgemenge, in welchem demselben viele Leute getödtet wurden, wieder über die Höhe hinab. Da die amerikanischen Riflemen es ohnehin nie gern zu einem Handgemenge kommen ließen, so wurden sie hierdurch vollends aufs höchste überrascht, und um so mehr angeregt, aufs eiligste nach allen Seiten hin die Flucht zu ergreifen. Diese Gelegenheit rasch benutzend, stellte Ewald die Verfolgung ein und setzte eiligst seinen Rückzug fort. Der englische General Leslie, der Augenzeuge dieses Vorfalls gewesen, machte dem kommandirenden General Lord Cornwallis eine so rühmende Meldung hiervon, daß dieser nicht nur dem Hauptmann Ewald und seiner Truppe in einer General-Ordre eine öffentliche Belobung ertheilte, sondern einem jeden Mann ein Geldgeschenk von einem Dollar bewilligte. XIV. Falscher Allarm am Schuilkyll 1 777. Als der englische General Lord Howe im Feldzüge von 1777 bei Verfolgung der am Brandewyn ge ­ schlagenen amerikanischen Armee den Schuilkyll-Fluß passirte, wurden mehrere Kompagnien hessischer Jäger bestimmt, die Nachhut zu bilden, indem man nicht ohne Grund befürchtete, daß die der Armee folgende sehr zahlreiche Bagage, bei dem weiteren Marsche durch die vorliegenden dichten Waldungen, durch einige in den vorhergegangenen Treffen in jene Waldungen versprengte und sich noch immer darin umhertreibende Abtheilungen amerikanischer Milizen angegriffeu werden könnte. Da diese Jäger die Nacht über auf Vorposten gestanden hatten und durch vieles Patroulliren sehr ermüdet worden waren, die Bagage aber der Armee, welche bereits schon vor Tag aufgebrochen war, erst nach einigen Stunden nachfolgen sollte, so ward ihnen gestattet, bis dahin, jedoch mit dem Gewehr in der Hand und völlig kampffertig, sich erst noch der Ruhe und dem Schlafe überlassen zu dürfen. Hierdurch veranlaßt mochten mehrere Leute im Halbschlummer, durch angsthafte Träume von Indianern und Skalpiren heimgesucht worden sein. Als daher zwischen den Bewohnern einer benachbarten Plantage und einigen Trainsoldaten eine laute Zänkerei entstand, mochten solche, hierdurch aufgeschreckt, alsbald Feuer gegeben haben. Denn plötzlich fielen ohne sonstige wahrnehmbare Veranlassung einige Schüsse und erschallte der Ruf: «Auf! Auf! Rette sich wer kann, wir sind überfallen. Die Indianer sind da, die Indianer sind da! Von äußerster Schlaftrunkenheit befallen und ihrer Sinne nicht mächtig, stob der größte Theil der Mannschaft auseinander und es dauerte lange Zeit bis sie wieder gesammelt und überzeugt werden konnte, daß es nur blinder Lärm gewesen. Eigenhändig unterschriebener Brief des Landgrafen Ludwig III. (auch IV genannt) Testator zu Marburg (regierte 1567--1604) an seinen Rentmeister Heinrich Marckolf in Rauschenberg, betreffend die Bestrafung des Bürgers und Metzgers Hans Schrott zu Rauschenberg wegen Widersetzlichkeit gegen die Amtsgewalt. — In Folioformat auf l l / 2 Folioseiten. Der Brief gelangte vor ungefähr 20 Jahren aus einem Metzgerladen in Marburg, wo er zum Ein ­ wickeln der Fleischwaaren benutzt werden sollte, in die Hände eines Alterthumsfreundes und so im Jahre 1887 in den Besitz des Schreibers dieses Artikels, F. G h. (Aeußere Adresse): Vnserm Renthmeister Zn Rauschenbergk, vndt Lieben Getrewen, Henrich Marckolfen. (Der Brief selbst) : Ludtwig der Elter Von Gottes gnaden Landtgraue zu Heßen, Graue zu Katzenelnpogen. Lieber Getrewer, Wir haben deinen berücht, vnsern Burger vndt Metzger Zu Rauschenbergk, Hanß Schrotten betresfendt, endtPfangen, Das dan derselbie, deinem berückst nach, nicht allein vnser Kantzler vndt Räthe beuelch, wie auch dein daruf ervolgtes gebott, verächtlich gehalten, sondern vber das süch so muttwillig vndt halstarrig dir Widdersetzt gehaPt; von deßwegen wirdet er Pillich gestraffett. Ist demnach vnser beuelch, das du Ihnen In Zwantzig gülden straf nehmest, Auch solche Zwantzig gülden dennechsten vndt also von Ihm einPringest, damit du vnß dieselbe In Itzt vorstehender deiner AmPtsrechnung, gewiß verrechnen mugest, In Verweigerung aber deßelben Soltu Ihnen dennechsten beim koPf nehmen, gefenglich eintziehen, vndt der hassten eher nicht erlaßen, er habe dan Zuuor solche 20 fl. straf erlegt, Versehen wir vnß Also, vndt seindt dir mit gnaden geneigt, Datum MarPurgk Am 13t Decembris Anno 1600. Ludwig L. zu Hessen Npr.