lbrecht KhrLstLan WuöwLg von Karöeleben. Kurfürstlich Hessischer Generaliieutruant. 1777-1856. <8in Krirmerungsblalt von <L- v- Slsmsorö. (Schluß.) XIII. Letzte Jahre. 1844-1856. Noch einmal mußte es geschieden sein aus lieb gewordenen Verhältnissen, von den Freunden, von dem anmuthigen Weserthale und dem freundlichen Rinteln — es zog unseren nun von dem Höchsten in seinem Leben, dem Heere, ganz Abgelösten, dahin, wo mehrere Glieder seiner Familie lebten, nach Kassel. Das Jahr 1848 brach an, es fand in Kur ­ hessen den durch Wilhelms II. Tod am 20. No ­ vember 1847 zum Throne gelangten Kurfürsten Friedrich Wilhelm in nicht unfriedlichem Ver ­ hältnisse zu der gerade tagenden Ständeversamm ­ lung, weil diese nachgiebig in Vielem sich be ­ zeigte. Schwere und ernste Tage waren soeben über das Land gegangen, da Anzeichen auf einen beabsichtigten Umsturz der Verfassung deuteten; der neue Throninhaber hatte an dem ungestraft vollzogenen Rechtsbruche Ernst August's von Han ­ nover vom Jahre 1837 ein Vorbild, indessen war doch die Zeit nicht mehr so schnöder That günstig. Als die altherkömmliche alsbaldige Beeidigung der Truppen für den neuen Landesherrn ver ­ zögert wurde, schwirrten beunruhigende Gerüchte umher, bis zum Kurfürsten drang die Kunde, wie die Offiziere, welche den Eid auf die Ver ­ fassung geleistet hatten, in Besorgniß schwebten, daß ihnen ein mit jenem unvereinbarer Eid auferlegt werden solle. Friedrich Wilhelm ließ seinem Offizierskorps Gewissensberuhigung zu Theil werden und vertagte sein Vorgehen gegen die Verfassung, da selbst Fürst Metternich ihm keine Unterstützung „gegen eine in sechszehn ­ jähriger Wirksamkeit bestandene Verfassung" zu ­ sichern wollte. Ein guter Stern hatte über dem Fürsten ge ­ schwebt, zweifellos würden die schlimmsten Folgen eingetreten sein, hätte er sein Vorhaben jetzt ausgeführt gehabt, als die Februarrevolution in Frankreich ausbrach. Mit höchster Theilnahme und Aufregung folgte unser Veteran den täglich neuen Ereignissen, als aber am 11. März 1848 erregte Volksmassen die Straßen Kassels durch ­ wogten, während eine Abordnung Hanau's mit kategorischen Forderungen bei dem Landesherrn sich befand, litt es den 70jährigen nicht mehr daheim, obwohl er seit 3 Monaten das Hans nicht hatte verlassen können. „Jetzt müssen die Gutgesinnten sich um den Thron schaaren", sprach er gegen die Seinigen aus, uud mischte sich unter die Menge, durch Wort und That für Ordnung und Gesetz zu wirken. Folgenden Tages reichte er ein Gesuch ein, in die Bürgergarde eintreten zu dürfen; es wurde von dem Kriegsminister — dem mit ihm nahe befreundeten Oberstlieutenant Weiß — die Vorlage bei dem Kurfürsten ab ­ geschlagen, weil er das fünfzigste Lebensjahr überschritten habe, Bardeleben und die Seinigen waren darüber mißgestimmt. Am 28. Juni er ­ schien bei ihm Major Rudolf v. Kaltenborn, Flügel ­ adjutant des Kurfürsten, um in dessen Aufträge den General zur Uebernahme des Kriegs ­ ministeriums zu bewegen: „er sei der einzige Mann in der ganzen Armee, der das Vertrauen derselben besäße und der sowohl dem Fürsten, wie dem Volke gegenüber der Stellung gewachsen sei". Er widerstand dem langen Drängen Kaltenborn's, lenkte die Aufmerksamkeit auf den General von Müldner, dessen Charakter und Befähigung her ­ vorhebend. Es war ein eigenthümliches Walten des Geschicks, das den Fürsten auf die beiden vor 16 Jahren bei Seite geschobenen, vielfach gekränkten Männer verwies; doch war er nicht zu bewegen, Müldner zu berufen, zu Bardeleben's höchstem Leidwesen. Dagegen entbot Friedrich Wilhelm durch ein Handschreiben vom 29. Juli Bardeleben zu sich, ihm das Aufgeben seiner jetzigen Ruhe mit dem Hinweise darauf zu erleichtern suchend, daß es für seinen Landesherrn