223 Wahl an „da er doch vielleicht dem Vaterlande nützen könne." Seine Stellung war eine schwie ­ rige, die Regierung hielt dafür, daß ein hoher Offizier gar nichts anderes thun dürfe, als streng auf ihrer Seite zu stehen, die Wähler vermeinten, er habe ihre Anschauungen und Wünsche zu vertreten. Bardeleben verhielt sich seiner Ueberzeugung gemäß und da fand er sich mehrfach veranlaßt, mit der Opposition zu stimmen. Anfänglich von Regierung und Hof mit Entgegenkommen und Auszeichnung behan ­ delt, hatte-er später neue Ungnade zu erfahren. Ueber die Versammlung, in welche er am 5. Juli 1833 eintrat, verzeichnete er: „gar bald wurde ich sehr unangenehm berührt von dem so durchaus unparlamentarischen Ton, der sowohl von Seite der Landtagskommission, als von Seite der Stände in der Versammlung statt fand. Bitterkeit und Mißtrauen sprachen sich bei jeder Gelegenheit aus, nicht allein die Landtagskommission gegen die Ständeversamm ­ lung und diese gegen jene, sondern auch die Mitglieder der Kammer unter sich standen schroff einander gegenüber und viele entwickelten ihre Ideen in so unangemessener schonungsloser Sprache, daß mir in Wahrheit oft das Herz klopfte vor Besorgniß . . ." Ist das auch nur der Eindruck, welchen ein Einzelner von dem Gebühren in der Versammlung empfing, so war dieser doch ein alter schlachtenerprobter Krieger; man muß sich erinnern, daß seit einem Jahre assenpflug in der Staatsregierung die leitende rast war und dem Widerwillen seines Gebieters gegen die Verfassung durch Lahmlegung derselben mittels Deutungen und Kniffen diente, wodurch Erbitterung erzeugt werden mußte. Bedeutsam ist eine kurze Schilderung der einzelnen Mit ­ glieder, welche indessen nur mit Nummern aus ­ geführt werden; die nur auf Schomburg zu be ­ ziehende sagt: „ein Mann von hoher Redlichkeit und großer Befähigung, der ein wahrhaft schönes Ziel vor Augen hatte, der aber auf dem steinigen Wege dahin bald rechts, bald links ausgleitete, weil er bald hier bald dort die Steine des Anstoßes zu umgehen suchte ..." Jordan wurde durch Hassenpflug hartnäckig vom Eintritte in diese Versammlung abgehalten. Aus den mehrfach launigen Charakteristiken wird ersichtlich, daß Bardeleben nur eine geringe Zahl der Abgeordneten als zu ihrer wichtigen Rolle geeignet ansah, daß er namentlich bei vielen den Mangel der erforderlichen Kenntnisse be ­ merkte, was er bei sich selbst auch anführt. Als die Anklage gegen den Minister Hassenpflug beschlossen wurde, gab der General seine Stimme dafür ab, wiewohl ihm „die starre Kraft des Ministers eine erfreuliche Erscheinung gewesen wäre, wenn sie nur mit der Verfassung in Ein ­ klang hätte gebracht werden können und nicht sich o höhnend darüber hinausgesetzt hätte." Nach olcher Stimmgebung war Bardeleben in den herrschenden Kreisen anrüchig und als er in dem Militärausschüsse einige Wünsche der Staats ­ regierung für das Heer nach bester Ueberzeugung nicht befürworten konnte, begegneten dem „Feinde der Armee" auch von Offizieren unzufriedene Mienen. Abgeneigt, die noch während der Tagung dieses Landtages vorgenommene Wahl zum nächsten für seine Person anzunehmen, ließ er sich doch von Carl Wippermann, welcher selbst Wahl ­ mann in Rinteln war, dazu bewegen und wurde auch einstimmig wiedergewählt. Als ihm jedoch vier Mitglieder des Stadtrathes von Rinteln, als Wahlmänner, verschiedene Punkte angaben, in denen sie die Thätigkeit ihres Abgeordneten zu leiten wünschten und ihn ersuchten, sie über den Gang der ständischen Verhandlungen auf dem Laufenden zu erhalten, fand er das nicht mit seinen Anschauungen über seine Stellung als Vertreter von fünf Städten vereinbarlich und er sprach den Unterzeichnern des Schrift ­ stücks sein Befremden über dessen Inhalt aus. Die Wiederwahl lehnte er ab. Ein so erfahrener, gemäßigter, vaterlands ­ liebender Mann würde in dem Kampfe jener Jahre Vortheilhaft haben wirken können, wenn er die Ruhe seines angenehm dahinfließenden Lebens länger einer Thätigkeit hätte opfern wollen, mit welcher er selbst nicht zufrieden war. Kein Zweifel auch, daß seine Laufbahn in Kurhessen jetzt endgiltig abgeschlossen war. Dem Freunde Canitz hatte er schon früher ausgesprochen „seit Antritt der Regentschaft und seit Heßberg Kriegsminister ist, bin ich durch Wort und That oft gekränkt worden", und scheint hiermit andeuten zu wollen, daß er nicht dem Kurprinzen allein das ihm Angethane zu ­ schreibe. Er hat auch ausdrücklich aufgezeichnet, daß vielfältig seine Worte und Handlungen bei dem Fürsten falsch dargestellt worden seien, um ihn gegen Bardeleben ungeneigt zu stimmen. Daß dies so rasch gelungen war und der Regent ihm nie Gelegenheit zur Rechtfertigung gegeben hatte, kränkte ihn auf das tiefste und er sprach dies gegen den ihm in treuer Freundschaft zu ­ gethanen Kapitän von Hohenfels, seinen ehe ­ maligen Adjutanten, aus, der ihm versicherte, der Kurprinz hege Achtung für ihn. Hohenfels hatte weiter gegen Bardeleben geäußert, er sei der einzige Mann, welcher die Schwächen des Regenten würde unschädlich machen können, wenn er ihm nahe stünde, auch dem Generale seine Zurückhaltung gegenüber dem Regenten