164 Colland, Championnet, Bernadotte, die Reserve- Reiterei komniandirte General Bonneau. Allen diesen Männern rühmte man die republikanischen Tugenden der Uneigennützigkeit, Einfachheit und Mäßigkeit im Leben nach. Bei Kleber mag dies unter allen Umständen zugetroffen haben. Wie es aber bei Jourdan damit bestellt war, darüber geben wohl folgende Vorkommnisse Aufschluß. In Sulzbach mußten dem Obergeneral alsbald nach seinem Einzuge 200 Bouteillen Wein, 100 Pfd. Rindfleisch, 50 Pfd. Hammelfleisch, 150 Pfd. Kalbfleisch, ein großes Faß Bier, 100 Pfd. weißes Brod, 25 Pfd. Butter und Schmalz, 20 Pfd. Kaffee, 20 Pfd. Zucker und eine große Quantität Mehl, Reis, Rosinen, Citronen, Eier, Schinken, Gänse, Enten, Hühner und dergl. mehr in das Schloß, in welchem er abgestiegen war, für seinen eigenen Bedarf und den seines Gefolges geliefert werden. Um aber auch alles zu haben, was nur immer zu einer glänzenden Tafel eines an Einfachheit gewöhnten Generals erforderlich war, mußten noch 66 Beflecke, 120 Servietten, 6 Tischtücher und 6 Pfund Wachslichter in seine Wohnung gebracht werden. Ein sächsischer Offizier, welcher Geschäfte im französischen Hauptquartiere hatte, das sich damals in Hersbruck befand, schreibt: „Man hatte mir den General Jourdan als ein Muster der Mäßigkeit, als einen wahren Spartaner geschildert, um so größer war mein Erstaunen, eine mit Gebratenem aller Art, mit Geröstetem, mit Krebsen und Fischen besetzte Frühstückstafel zu finden. Wein war im Ueber- fluß da ; mehrere Dutzend Flaschen des trefflichsten Rheinweins, symmetrisch aufgestellt, dienten dem Burgunder und spanischen Weine zur Einfassung, — und diese große Zurüstungen waren keines ­ wegs überflüssig, denn wenn die Franzosen uns Deutschen vorgeworfen haben, daß wir immer guten Tisch und Wein lieben, kann ich versichern, daß diese Herrn sich völlig in Deutschland natu- ralisirt haben." An dieses opulente Frühstück schloß sich das noch üppigere Mittagessen an. „Man setzte sich zur Tafel", schreibt jener sächsische Offizier weiter, „wo ich meinen Platz zwischen dem General Jourdan und Ernous bekam. Ich sage Ihnen nichts von der Pracht unseres Mittags ­ essens; ich habe schon zu viel von dem Frühstück gesprochen, und Sie können leicht daraus schließen, daß man uns keine Rumford'sche Suppe vorsetzte, sondern daß selbst ein Leckermaul hier volle Be ­ friedigung fand. Ich will damit keineswegs die französischen Generale tadeln, daß sie einen guten Tisch führen; ich würde nie über diesen Gegen ­ stand gesprochen haben, wären nicht so schreiende Widersprüche zwischen der wirklichen Lebensweise dieser Eroberer und den pomphaften Lobpreisungen aufgestellt, welche die Journalisten und Zeitungs ­ schreiber von ihrer Mäßigkeit und Uneigennützig ­ keit machen. Von der ersten haben Sie schon eine Schilderung bekommen; in Hinsicht der Un ­ eigennützigkeit aber muß ich bemerken , daß der General sehr schönes Tischgeschirr, auch einiges Silbergeschirr hatte, auf dem sich Namenzüge und Wappen fanden, die nicht von republikanischer Hand eingegraben waren, sondern bewiesen, daß die Stücke vorher irgend einem Reichsfürsten oder Prälaten gehört hatten." Ein anderer französischer General, dem in einem bereits eingeschlossenen Orte 15, sage fünfzehn Gerichte aufgetragen wurden, ließ seinen Koch kommen, um ihn wegen der schlechten Bewirthung zur Rede zu stellen. Auf die Antwort, daß durchaus nichts mehr aufzutreiben gewesen sei, entließ er denselben mit dem Bescheide, daß wenn er noch einmal so schlecht bewirthet würde, er ihn selbst wolle srikassiren lassen! Vergebens erinnerte man sich noch immer in Deutschland des Wahlspruches, mit welchem Custine anfangs, als geharnischter Vertheidiger der Menschenrechte nach Deutschland gezogen war: „Krieg den Palästen, Friede den Hütten!" denn gerade die Hütten waren es, die von des Krieges Geisel zuerst und am schrecklichsten heimgesucht wurden. Das Betragen des französischen Kriegers stand zum großen Theile in dem auffallendsten Widerspruche mit den Grundsätzen, für die er zu fechten vorgab. Denn ohne Unterschied verübte er an Personen Gewaltthätigkeiten und verletzte dabei ohne Schonung die heiligen Rechte oer Menschheit, wie an dem wohlhabenden Städte ­ bewohner, so an dem ärmsten Landmann. Dieser war aber noch weit übeler daran als jener, denn in Städten gewann man meist aus öffent ­ lichen Mitteln den kommandirenden Offizier, daß er den Gewaltthätigkeiten der Soldaten vorbeugte, während der Landmann denselben vollständig preisgegeben blieb, da er nicht die Mittel besaß, sich in gleicher Weise zu schützen. Diese französischen Soldaten war recht eigent ­ lich Söhne jener alten Gallier, die, nachdem sie' die Alpen überstiegen hatten und gegen Rom heranstürmten, den Abgesandten der nachmaligen Hauptstadt der ganzen Welt erklärten: „Das Recht liege in den Waffen, und den Tapferen gehöre Alles."*) Was der Dichter Logau im 30jährigen Kriege gesungen hat, wird hier, wie der Historiker Posselt in seinen „Europäischen Annalen, Jahrgang 1796 schreibt, mit einemmal wieder modern: *) Galli 86 in armis ius ferre et omnium virorum fortium esse, ferociter dicebant. Liv. hist. Y. 36.