— 129 Aus alter und neuer Zeit. Skizzen ans der hessischen Kriegsgeschichte. Bon Freiherrn Maximilian von Ditfurth, weiland kurfürstlich hessischer Hauptmann*). I. Vertheidigung der Starkcnburg durch Haupt mann Kappes 16 8 9. In dem pfälzischen Erbschaftskrieg (1688—1697) hatte sich unter dem Oberbefehl des Kurfürsten Johann Georg III. von Sachsen im November 1688 in der Gegend von Frankfurt ein hauptsächlich aus sächsischen und braun- schweig-lüneburgischen Truppen gebildetes Reichsheer versammelt. Nachdem dasselbe durch einige heshsche Regimenter verstärkt worden war, ergriff es endlich die Offensive, vertrieb die Franzosen aus Höchst und eroberte die kleine Festung Königstein, worauf, da die Jahreszett bereits sehr weit vorgeschritten war, das Reichsheer theils in der Wetterau theils zwischen Frankfurt und Darmstadt Winterquartiere bezog. Da dieselben indessen von einer in Heppenheim liegenden französischen Abtheilung mehrfach beunruhigt wurden, so ward Anfangs Januar 1689 eine Ab ­ theilung hessischer Truppen beordert, den Feind von da zu vertreiben, welches auch ohne sonderlichen Widerstand zu finden von jenen bewerkstelligt und sodann u. a. auch die bei Heppenheim telegene Starkenburg, mit einem gemischten Kommando von 85 Mann unter Hauptmann Kappes besetzt wurde. Zwar rückte in Folge dessen alsbald der marecbal de camp Marquis de Polastron mit 3—4000 Mann und 8 schweren Geschützen von Heidelberg aus gegen Heppenheim, um namentlich die Starkenburg wieder zu erobern. Indessen leistete ihm Hauptmann Kappes, trotz der Schwäche der Besatzung und obgleich die Befestigungen dieses alten Ritterschlosses wenig ge ­ eignet waren, den Wirkungen des schweren Geschützes zu widerstehen, doch einen so hartnäckigen Widerstand, daß Polastron nach mehrtägiger Beschießung und wiederholten vergeblichen Sturmangriffen, sich endlich genöthigt sah, nachdem er großen Verlust erlitten hatte, unverrichteter Dinge wieder abzuziehen. II. Hauptmann von Ende im Fort Katz bei Rheinfels 175 8. Nachdem die Franzosen — sonderbarer Weise'— es unterlassen hatten, schon gleich in den ersten Feldzügen des 7 jährigen Krieges, irgend einen Anschlag gegen die schlecht bewehrte und schwach besetzte hessische Festung Rheinfels zur Ausfüh ­ rung zu bringen, und somit solche der einzige feste Platz geblieben war, den die Verbündeten Ende 1758 noch *) Aus dem literarischen Nachlasse dieses anerkannt vor ­ trefflichen hessischen Militärschriststellers, gestorben am 8. August 1861 zu Marburg. Für die gütige Ueberlassung dieser Skizzen zum Abdruck in unserer Zeitschrift »Hessen ­ land" statten wir dem hochgeehrten Herrn Einsender unseren verbindlichsten Dank ab. (D. Red.) am Rhein in Besitz hatten, fand sich der Prinz von Soubise doch endlich bewogen, noch ganz zu Ende des Feldzuges 1758, nachdem dessen Korps bereits schon größten Theils in der Gegend von Frankfurt die Winterquartiere bezogen hatte, dem Marquis de Eastries den Auftrag zu ertheilen, sich dieser Feste zu bemächtigen, um dadurch die Schiff ­ fahrt auf dem Rhein und die Verbindung mit der französischen Armee am Niederrhein von einer höchst lästigen Unterbrechung zu befreien. Derselbe rückte zu diesem Zwecke am 30. November von Koblenz aus, mit dem Infanterie-Regiment St. Germain und den Dragoner-Regimentern du Roy und La Ferronaye längs des rechten Rheinufers auf St. Goarshausen los, und ließ sodann am frühen Morgen des l. Dezembers dieses von einer einfachen Mauer umgürtete Städtchen durch 250 abgesessene Dragoner von du Roy angreifen. Nach kurzem Gefechte gelang es jenen auch das Thor aufzusprengen, sich dieses Ortes zu bemächtigen und den größten Theil der kleinen Besatzung zu Gefangenen zu machen. Gleichzeitig war auch durch eine auf mehreren Schiffen den Rhein heraufgekommene Abtheilung des Regiments St. Germain ein Sturm auf das Städtchen St. Goar mit gleichem Erfolge unternommen und die dortige Besatzung von 50 Mann ebenwohl zu Gefangenen gemacht worden. Diesem Allem war von Seiten des hessischen Kommandanten von Rheinfels — dem Obersten von Freiwald — ruhig zugesehen worden. Auch zeigte sich derselbe sehr bereitwillig, auf die an ihn gerichtete Aufforderung sich zu ergeben, ein ­ zugehen und als die von ihm gestellte Bedingung des freien Abzugs von dem Marquis de Castries verworfen wurde, eine Kapitulation abzuschließen, wonach die Besatzung für kriegsgefangen erklärt wurde. Auf diese Weise vermochten die Franzosen, schon Morgens 10 Uhr, auch noch Besitz von der Festung Rheinfels zu nehmen, woselbst sie zwar 107 Geschütze verschiedenen Kalibers vorfanden, von denen jedoch nur wenige kriegsbrauchbar waren. Ueberhaupt bestand die ganze Besatzung nur aus 300 Mann des Garnison-Regiments von Freiwald, unter denen auch nicht ein einziger Artillerist gewesen sein soll. Da die Franzosen zu dem Artikel 1 der von Oberst Freiwald vorgeschlagenen und sich auf die Besatzung von Fort Katz mitbeziehenden Kapitulationspunkte, in ihrem Uebermuthe bemerkt hatten, daß in Bezug hierauf eine besondere Festsetzung völlig überflüssig sei, so weigerte sich der, in diesem wenig mehr als einer alten Burgruine vergleichbarem Fort komm an« dirende Hauptmann von Ende*) jene Kapitulation als auch ihn verbindend anzuerkennen. *) Alexander Gräbel in seiner Geschichte von Rheinfels bezeichnet diesen als Kommandanten vom Fort Katz, dagegen findet sich in der Kampagne in Hessen von 1758 im V. Bande der „Neuen Bellona" (pag. 826) ein Hauptmann Deterlein als solcher angegeben.