124 waren, wurde der große Haufen in seine Heimath entlassen, mit der Warnung, bei dergleichen Handlungen sich nicht mehr befinden zu lassen. So stellt Lanze*) die Einnahme der Stadt dar; damit stimmt die Nachricht in Schannat's Ver ­ theidigungsschrift im allgemeinen überein, nur mit der Abweichung, daß hier bestimmt angegeben wird, daß der Koadjutor bestimmte Befehle in die Stadt geschickt habe, sich nicht zu widersetzen, sonderm um Gnade zu bitten. Infolge davon hätten dann Bürgermeister und Rath die Pforten geöffnet und den Landgrafen eingelassen. Der Koadjutor ritt ebenfalls mit seinen wenigen Be ­ gleitern wiederum in das Schloß ein. Es be ­ gannen nun die Verhandlungen wegen der Kriegs ­ kosten zwischen dem Landgrafen und dem Koad ­ jutor, welche durch den Grafen Philipp von Solms geführt worden. Wie ungern der Koad ­ jutor auf einen solchen Vertrag eingegangen ist, ersieht man aus den Gründen, die gegenüber dem Landgrafen vorgebracht wurden. Der Land ­ graf sei ein Lehnmann vom Stift, er habe den Burgfrieden mit demselben beschworen, er sei also verpflichtet gewesen „auf seine eigen Kosten" Hilfe zu bringen; er habe bereits über 5000 fl. Brand ­ schatzung von des Stifts Verwandten eingenommen, und der ganze Weg, den er für das Stift ge ­ macht habe, betrage nur fünf Meilen, wofür er mit dieser Summe entschädigt sei. Allein alle diese Einreden halfen nichts; der Landgraf hatte das Land besetzt und erklärte, es nicht räumen zu wollen, wenn er nicht die verlangte Entschädi ­ gung erhalten. Der Vertrag wurde endlich ab ­ geschlossen ; der Landgraf mußte Alles, was er er ­ obert hatte, wieder heraus geben, dagegen sollte der Koadjutor 19000 fl. zahlen. Da aber diese Summe nicht so rasch beizubringen war, sollte der Landgraf die Stadt Fulda zum Unterpfande innehaben. Der Landgraf übergab nun in Folge dieses Vertrags „viel trefflicher Cleinoten, Monstranz, Kelche von Gold, Silber und Edelsteinen, Perlen, Sammt, Seyden und anderm Kirchenornat eins großen Werts", welches er den Bauern abgenommen hatte. Es kam nun darauf an, daß dieser Vertrag seitens des Kapitels ebenfalls anerkannt wurde. Das Ka ­ pitel, an dessen Spitze als Dechant wieder Apollo von Vilbel stand, genehmigte zwar die Geld- entschädigung, auch sonst andere Punkte „wie- wohlen mit merklichem beschwerdt", nur versagte es seine Zustimmung zu dem Artikel, worin die ewige und erbliche dienstbarliche Verpflichtung gegen Hessen ausgesprochen war. Das Kapitel stützte sich dabei aus drei Punkte, 1) daß das Erzstift Mayntz als Ganerbe zu Fulda, 2) daß *) Ueber den hessischen Chronisten Wigand Lanze aus Homberg Näheres in der Schlußnummer unseres Artikels. die Ritterschaft, 3) daß der Abt Hartmann nicht darein gewilligt hätten. Der Landgraf, der je ­ doch mittlerweile, weil von den Sachsen gegen die Wiedertäufer zu Hilfe gerufen, abgezogen war und die Schlacht bei Frankenhausen ge ­ schlagen hatte, sandte von Friedewald aus eine Aufforderung, binnen zehn Tagen sich über die Bestätigung des Vertrags zu erklären. Die Ver ­ handlungen zogen sich bis in den Anfang des nächsten Jahres hinein; der Landgraf erließ von Alsfeld aus ein Schreiben, worin er erklärte, daß er sich seinerseits nun auch nicht an den Vertrag gebunden halte und brach alsbald'mit einem gewaltigen Heer zu Roß und Fuß in das Land ein, besetzte Stadt und Schloß Fulda, schrieb eine neue Brandschatzung aus und erhob sie „trotz des ofentlichen aufgerichten und aus- gekunten Kays. Landfrieden, Gulden Bullen, Vertrag, Verschreibung, Lehen, Verwandtnis und Burgfrieden." Der Koadjutor verklagte nun ­ mehr den Landgrafen beim Schwäbischen Bund zu Augsburg, den Statthaltern des Kays. Re ­ giments. Die deshalb gewechselten Staats- schriften in der weitläufigen Form jener Tage liefern uns zur Beurtheilung der Sache selbst wenig Neues; ein Theil schiebt dem andern die Schuld zu, namentlich muß der Koadjutor wegen des Reverses, den er den Bauern hinsichtlich der zwölf Artikel ausgestellt hatte, sowie des Titels, Fürst in Buchen, den ihm diese gegeben hatten, wiederholt herhalten; die Wichtigkeit, die Weit ­ schweifigkeit, mit der die Vertheidigungsschriften gerade diesen Punkt behandeln, zeigen uns, welches Gewicht man von beiden Seiten daraus legte, obgleich doch dies zur eigentlichen Rechts ­ frage kaum anders als nebensächlich zu betrachten ist. Auf dem Reichstage zu Speyer wurde die Sache verhandelt, eine Kommission ernannt, welche unter Vermittlung des Herzogs Erich von Braunschweig einen Vergleich zu Stande brachte, wonach der Landgraf Philipp „Schloß und die Stätt Fulda und Hünfeld mit ihren Zehnten und allen Zugehörungen, sammt allen briefl. Urkunden und Regesten, auch allem Hausgeräth, Wehr und Geschütz, auf Martini 1526 ausliefern sollte; dagegen verblieb Alles, was er auf dem ersten Zuge an Geschütz, Kupfer, Geld rc. bekommen hatte, in den Händen des Landgrafen. Außerdem bezahlte der Koadjutor dem Landgrafen 18 000 fl. Rhein, halb an Gold und halb an Müntz der Churfürsten an Rhein Frankfurter Wehrung ohn einig Ausrede und Verzug zu Frankfurt a. M. in Fristen; wenn dagegen die Summe einsmals an einem Haufen schon an der nächsten Fasten-Meß bezahlt werde, so sollen 16 000 Gulden die Forderung decken." Die weiteren Bestimmungen dieses Vertrags sind