123 zum 9. August zeigten die Füsiliere noch einmal ihren guten Willen, wie Bardeleben bemerkt; am Abende des 9. wurden sie in ein Erholungs ­ quartier gelegt, d. H-. sie bezogen Alarmhäuser in Evigny. Das Bataillon hatte an den beiden letzten Tagen'21 Verwundete gehabt. Die Festung kapitulirte und das Bombarde ­ ment hörte auf. Bardeleben hatte am 12. August ein Hauptwerk der Festung zu besetzen. Das kurhessische Korps hatte am 14. August Heer ­ schau vor General von Hake und marschirte so ­ dann durch die eroberte Festung in Parade, um in der Gegend Erholungsquartiere zu beziehen. Aus diesen rückte es am 31. August zur Be ­ lagerung von Givet ab. Die Brigade Prinz Solms blieb als Reserve bei Maubert St. Fon ­ taine stehen; der für die Nacht zum 10. Sep ­ tember beabsichtigte Sturm auf Givet, zu welchem die Brigade herangezogen werden sollte, wurde durch das am 9. gegen Abend erfolgte Erbieten des Kommandanten zur Uebergabe unnöthig, die Truppen der Brigade fanden weiterhin keine Gelegenheit zu kriegerischem Handeln. Nach Ein ­ stellung der Feindseligkeiten am 21. September bezogen die Kurhessen ausgedehnte Quartiere, traten indessen den Marsch in das Vaterland erst am 4. November an und erreichten in den ersten Tagen des Decembers ihre Standquartiere in Hessen. Das Füsilierbataillon Landgraf Karl rückte in Rotenburg wieder ein, mit Jubel und Herzlichkeit empfangen und in Festen ge ­ feiert. Der Friede war nun wirklich gesichert*). *) Der Orden vom eisernen Helm wurde an folgende dem Füstlierbataillon Angehörende verliehen: Kapitain August Schirmer, Kapitain Ludwig von Heßberg, Kapitain- lieutenant Friedrich Wilhelm Briede, Korporal Friedrich und Füsilier Liebermann. (Fortsetzung folgt.) —!-A^-!>— —— pisoöen aus öer Geschichte des Kauernkrieges in den Mifislanöen von Kulöa und Kersfelö. Milgelheill von 3s- 5 fco eng er. (Fortsetzung.) Der Landgraf Philipp von Hessen hatte schnell Rasdorf und Hünfeld mit zwei großen Heer- hausell eingenommen, deren einen, der „verlorene" genannt, der Hauptmann und Schultheiß von Marburg, Konrad Heß, den anderen, den „ge ­ waltigen", er selbst anführte. Oberhalb Hünfeld trafen der Koadjutor und der Landgraf zusammen. Der Koadjutor erklärte, daß er nur dem äußersten Zwange nachgegeben habe, als ihm der Landgraf darüber Vorwürfe machke, daß er zu sehr geeilet habe, doch wolle er in Anbetracht seines jugendlichen Alters und seines fürstlichen Standes die Sache ignoriren unter der Bedingung, daß der Koadjutor alles, was derselbe den Bauern verheißen habe, wider ­ rufe und ihm beistehe, diese wieder zum Gehorsam zu bringen und sich wegen der aufgewandten Kriegskosten mit ihm vertrage. Es wurden dann von beiden Seiten zwei Räthe ernannt, welche unter Vermittlung des Grafen Philipp von Solms die näheren Be ­ dingungen feststellen, namentlich die Absindnngs- summe ermitteln sollten. Die Verhandlungen fanden unterwegs statt, indeß der Zug sich weiter bewegte. Schon war man daran. über die Pauschsumme von 12000 fl. sich zu einigen, als der Dortrab des Landgrafen unter Anführung des Hauptmanns Konrad Heß die Geishecke passirte und die Bauern, die auf dem Frauen ­ berge lagerten, gewahr wurde. Da brach der Landgraf die Verhandlungen ab, seine Schaaren warfen sich auf die Bauern und diese suchten die Stadt Fulda zu erreichen, was ihnen auch zum größten Theile gelang,- nur die Nachzügler, welche sich zur Wehr setzten, wurden auf dem „wesserlein Gretzbach und Wehdes" erstochen. Die in der Stadt schossen anfänglich tapfer heraus, verwun ­ deten auch viele Hessen, aber sobald der Land ­ graf sein schweres Geschütz auf dem Frauenberge hatte auffahren und nach der Stadt hatte schießen lassen, steckten sie auf den Thurm der Pfarrkirche die weiße Fahne auf, die Schaaren Philipp's rückten ein und die Bürger mußten eine Brand ­ schatzung bezahlen, welche unter das gemeine Kriegsvolk vertheilt wurde. Die vom Frauen ­ berge geflüchteten Bauern lagen alle im Schloß ­ graben, 1500 an Zahl, diese mußten allda drei Tagelang „ohne essen und trencken" liegen bleiben, an denen sah man Jammer und Elend , wie sie sich um das Spülwasser, so aus der Küche floß, drängten und rauften; es hatte nämlich der Landgraf gebieten lassen, daß ihnen Niemand weder Brod noch Trank reichen durfte. Nachdem die Hauptanführer derselben hingerichtet worden