110 wir übergehen daher dieselbe und bemerken hier nur noch, daß, nachdem Johann das Aktenstück, in welchem er, mit der bekannten Klausel, die zwölf Artikel der Bauern und die acht der Bürger ­ schaft angenommen und als „Koadjutor" unter ­ zeichnet hatte, die Bauernhauptleute über diesen Titel spotteten und ihn in „Kuheuter" *) verdrehten. Sie verlangten, er solle sich „Fürst in Buchen" nennen und bewirkten in der That, daß diese Aenderung in die Schriftstücke aufgenommen wurde. Die Hauptleute stellten hierauf einen Revers aus, in welchem sie sich als gehorsame Unterthanen Johanns erklären und ihm und seinen Verwandten im Nothfalle ihre Hilfe zu ­ sichern. Durch diesen Vergleich waren die Rebellen aber noch keineswegs beruhigt. Der Koadjutor berichtet von einem Tumult, welcher wahrschein ­ lich desselben Tages (22. April) stattfand. Da in dem Vertrage die Interessen der fuldischen Stiftsbauern nicht gewahrt schienen, forderten diese, die Fuldische Ritterschaft solle ihnen Zu ­ sicherung der Straflosigkeit nach der Rückkehr in die ’ Heimathsdörfer gewährleisten; andernfalls bedrohten sie die Burgen und ihre Bewohner mit Vernichtung. Zur Beruhigung der erregten Gemüther ließ Johann in seinem Schreiben an die Ritter diese Aufforderung ergehen und erhielt auch schließlich in den zurückgesandten Reversen die Zusicherung derselben. Somit hatten die Rebellen in der Hauptstadt des Buchenlandes ihren Zweck erreicht. Die nächste Aufgabe war, sämmtliche Vasallen des Fürsten ihrer Herrschaft zu unterwerfen. Jo ­ hann, welcher trotz des ihm früher gegebenen Versprechens in stetein Gewahrsam gehalten wurde, mußte die Lehnsleute des Stiftes zum Anschluß auffordern. Er sandte zu dem Zwecke Befehle mit Kopien des Vertrages und Reverses der Bauern an sämmtliche „Amtsleute, Lehnsleute und Ver ­ wandte". Die meisten gehorchten der Auffor ­ derung und so war das ganze fuldische Stift unter die Botmäßigkeit der Bauern gebracht. — Wir wenden uns nun den Ereignissen in Hersfeld zu und geben dieselben zunächst nach der Schilderung Gegenbaur's wieder. Der Abt Erato von Hersfeld, von dem, wie von den meisten Mönchen des Klosters Hersfeld, Luthers Lehre begünstigt und Luther selbst auf seiner Reise nach Worms freundlich aufgenommen worden war, hatte zwar das Schloß zu den *) Gegenbaur folgte Schannat, dem zu Folge die Bauern erklärt hatten, daß sie keinen „Kühhirten" zu ihrem Herrn haben und den Namen nicht länger leiden wollten. Zn dem „llder M3,nu86riptu8", welcher den unverfälschten Text des Originals wiedergibt, heißt es da ­ gegen „Kuhewtter". Eichen, den Peters- und Johannisberg befestigt, aber es waren der Bauern zu viel und er hatte der streitbaren Leute zu wenig; so unterschrieb auch er die zwölf Artikel, doch mit dem Vorbe ­ halte einer christlichen Ordnung, welche etwa sein gnädiger Verspruchsherr würde ausgehen lassen. Dieser Verspruchsherr war der Landgraf von Hessen. Die hessischen Fürsten waren erbliche Schirmvögte der Abtei Hersfeld. Der Landgraf Philipp schickte drei seiner Ritter, Udo Hund, seinen Amtmann zu Schönstem, den sie zuvor unglimpflich behandelt hatten, und Johann Riedesel zu Eisenbach nebst Heinz von Lüder, in die Stadt Fulda. Diese erhielten die trotzige Ant ­ wort: der Koadjutor habe deu weltlichen Stand angenommen; werde der Landgraf der christlichen brüderlichen Versammlung der Landschaft in den Buchen beitreten, so wolle sie Frieden mit ihm halten. Zu gleicher Zeit gingen von dem Lager zu Hersfeld Aufforderungen zur Handhabung des göttlichen Worts, und zur Einnahme der geist ­ lichen und weltlichen Herrschaften beizutreten, an die hessischen Städte Kassel, Treysa, Rotenburg, Spangenberg, Homberg, Sontra, Ziegenhain, Neukirchen, Alsfeld, Melsungen, Witzenhausen. Die Bauern bewogen die beiden Bürgermeister von Hersfeld „Otto Sassen und Heintze Reitzen" ihnen diese Einladungen zu schreiben. Aber alle diese Städte schickten die Schreiben geradezu an ihren Landesherrn, versprachen Gut und Leben zu ihm zu setzen und baten um schleunigen Schutz. Die christliche Landschaft in den Buchen fuhr fort, das ganze Stift Hersfeld in ihren Bund zu bringen, durch Güte und Gewalt. Eine Ab ­ theilung nahm die Stadt Hersfeld zu ihrem Hauptquartier, eine andere, die vom Thüringer ­ wald, Vach an der Werra. Der einundzwanzigjührige Landgraf Philipp von Hessen beschrieb seine Ritter und gemeine Landschaft von den Städten auf Dienstag nach dem weißen Sonntag zu Alsfeld „vne säumen gerüstet" zu erscheinen. Der Landgraf in eigener Person hielt ihnen daselbst Vortrag, versprach ihre Rechte und Freiheiten zu schützen und forderte sie auf, ihm zur Unterdrückung des Bauernauf ­ standes, ihre Hilfe zu leisten. „Welche Ihme nun zu solchem befugten werck trewlich wollten beholfen sein, der Jeder sollte zwene Finger aus ­ recken, denn darbei wolle er abnemen und erkennen, wieviele und wer die wären, auf deren Treue und Unterstützung er sich verlassen könnte. Daraus hat sich ein groß Geschrei und Getommel unter dem Hausen erhoben und ein Jeder der ge ­ horsamste sein wollen. Welches dem Landgrafen so herzlich wohl gefallen, daß Ihme selbst das Wasser über seine Wangen herabgeflossen und sich solcher Erpietung allergnedigst gegen Inen