102 major animi vigor. Die Hessen sind also gute Leute, man muß sie aber nicht böse machen, sonst schmeisen sie blind drein; vermuthlich werden sie auch deswegen blinde Hessen genennet; wie sie denn auch blind ins Feuer gehen und den Todt wenig fürchten". — „Ich sahe mein Kurtzweil, als ich im Jahre 1721 abermals durch diese Länder reiste, die Chur-Pfältzische und andere Crayß-Völker stunden auf den Gräntzen, und droheten die erkante Kayserl. Reichs-Execuüon wegen Rheinfels vorzunehmen. Alles Land-Volck stund nebst der auserlesensten hessischen Mannschaft in Waffen, und zeigte nicht allein einen fürchterlichen Muth für ihren Fürsten und ihr Vaterland zu fechten; sondern, was mich am meisten Wunder ­ nahm, das waren ihre hinterlassene Weiber auf den Dorfschaften, welche sich mit ihren Siegeln, Sensen, Dresch-Kolben und dergleichen fürchterlichen Kriegs- Instrumenten in wehrhaften Stand setzten, und damit dem Feind den Garaus zu machen drohten.- (Wird fortgesetzt). I. Schwank. Hessisches Soldaten stücklein. Im Juni werden es 75 Jahre, daß die große Schlacht bei Waterloo geschlagen wurde, die unter anderen Erinnerungen auch folgende in uns wachruft: Einige Zeit nach dem zweiten Pariser Frieden gelangt da auf dem Amte zu Rauschenberg ein großer Brief an, der sich weit in Deutschland herumgetrieben hatte und mit Roth- und Blaustiftbemerkungen bunt verziert war. Aus dem nahegelegenen Hohdorf wird nun ein einfacher, schlichter Bauer — wenn ich nicht irre, Schmeck mit Namen — citirt. Auf die Frage, ob er sich denn bei Waterloo besonders hervorgethan habe, macht er ein verdutztes Gesicht und antwortet: „Tavu wees äich nauD. „Nun, ihr müßt doch ganz besonders tapfer gewesen sein. In dem Schreiben hier steht es bod)!- Nach längerem Besinnen folgt die Antwort: „Ja, dos mißt mit däi Kanune geweeßt fei!“ „Seht, da haben wir es ja. Erzählt uns doch einmal die Geschichte!- „Äich wor Kanunicr un mer horre schu lang orrendlich druf gehale un ahls dichtig geschusse. Un wäi do emmer mehr fäile, do wullt äich mer emol wärre Kurage houle un hon so en rächtge Schluck genumme, dos äich bale enschleif. Äich worn ganz caput. — Wäi äich ewer ufwach', do sehn äich vun minne Komerrore kän mih, Hern ewer e Getes un e Säwelgerasiel un rappele mäich hinner den Kanune efür. Do jahte däi Franzuse uf änser Batterie zou un härre se gewiß genumme. Do spreng äich ewer hi un nomm däi Lont', däi noch gout wor un feucr uf se. Un so gihts vu der ene Kanun zur ahnern un se worn all noch gelorre. Ä heillos Verwirrung gits do, däi Franzuse drehn säich äm un däi Kanune worn gerett'-. So die schlichte Erzählung des Mannes! Wellington hat gewiß von dieser That gehört und dem unerschrockenen Hessen einen Orden nebst einem Geld ­ geschenk ausgewirkt. Beides erhielt er auf dem Amte zugestellt und hat nun öfter noch an die „Kanune- gedacht. A. % Aus Heimath und Fremde. Am Montag Abend hielt in der Monats-Ver ­ sammlung des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde Dr. Karl Scherer den angekündigten Vortrag über „die landgräflichen Menagerien in und um Kassel-. Die Zuhörer folgten mit lebhaftem Interesse den fesselnden Schilderungen des Redners und spendeten demselben reichen Beifall. Wir werden auf diesen Vortrag in einer späteren Nummer zurück ­ kommen. Ueber die erste Aufführung der neuen Operette „Der Gaunerkönig- von O. Ewald und W. Bennecke, Musik von Dr. Franz Beier, am 5. März im König!. Theater zu Kassel wird der Münchener „Allgemeinen Zeitung- u. a. geschrieben: Das Theater war bis auf den letzten Platz besetzt, und es herrschte vom Anfang bis zum Ende eine hier selten durchbrechende beifallsfreudige Stimmung. Darsteller und Verfasser wurden sowohl bei offener Scene als nach jedem Aktschluffe durch allseitigen Beifall und durch mehrfache Hervorrufe ausgezeichnet, und das nach Recht und Verdienst, denn musikalisch wie inhaltlich ist die Operette fesselnd und reich an Abwechslung; insbesondere hat der Komponist die besten Meister der Neuzeit vor Augen gehabt, das Werk ist reich an charakteristischen Melodien und musikalischen Schönheiten, dagegen frei von Triviali ­ täten, sowie dem Prickelnden und Pikanten der modernen Operette. Der Text ist nach der bekannten Erzählung „Probestücke des Meisterdiebes" in Ludwig Bechstein's Märchenbuche von den Verfassern frei bearbeitet. Die Handlung ist spannend und bühnenwirksam be ­ arbeitet. Mit besonderer Sorgfalt sind die Chöre be ­ handelt, anmuthig und lieblich mehrere Soli und Duette. Die Hauptfiguren sind drastisch charakterisirt, die Couplets meist stofflich neu und wirksam. Gleich dem „Mizekado- derselben Verfaffer dürfte das bühnenwirksame Werk, wenn nicht alles trügt, den Weg über die meisten Bühnen Deutschlands nehmen. Wie die Kasseler Blätter melden, ist in dem Bild ­ hauer-Atelier von Echtermeyer der Denkstein fertig gestellt worden, welchen der hessische Sängerbund für das Grab Karl Häser's gestiftet hat. Der Grab ­ stein zeigt eine von Lorbeer umgebene Lyra aus Bronce und die Inschrift: „Dem Lieder-Komponisten Karl Häser — der Hessische Sängerbund.-