96 da ab enthielt. Tie betreffenden Aktenstücke finden sich in Cod. prob. bei Schannat. Chriacus Spangenberg meldet von dem Grafen Johann (III.) von Henneberg-Schleusingen: „Dieser Fürst Johann des nahmens der III., Fürst Wilhelmen VII. (vermählt mit Anastasia, Markgräfin von Brandenburg zu Neustadt an der Aisch am 15. Juli 1499) ander Sohn ist jung worden anno 1503 am Sonntag Niserieoräiag Domini, den 30. Aprilis. Sein Taufpathe war sein Vetter Abt Johann (II.) von Fulda, seines Großvaters Bruder. Als die Eltern gemerkt, daß dieser ihr Sohn ein gut ingenium gehabt, haben sie ihm bald einen Lehrmeister oder Paedagogum gehalten und darnach mit demselben gen Mainz auf die hohe Schule und dann auf Paris in Frankreich eschickt und haben an beiden Orten wohl studieret; arnach hat ihm sein Vater und Freund zu ­ wege« gebracht, daß er zu Mainz und Köln, auch zu Straßburg 1515 und Bamberg Dom ­ herr worden." Johann 111. von Henneberg führte die Re ­ gierung über das Hochstift Fulda bis zu dem im Jahre 1529 zu Mainz erfolgten Tode seines Vorgängers Hartmann II., nur unter dem be ­ scheidenen Titel eines Koadjutors. In die Regierungszeit dieses Koadjutors fallen die Ereignisse des Bauernkriegs. Nachdem die Bauern ihr Zerstörungswerk rings um die Stadt vollendet, hatten sie sich der Stadt und des Schlosses bemächtigt. Der Koadjutor hatte seine Reisigen alle auswärts, theils nach Mainz, theils seinem Vater nach Henneberg, alles zum Widerstand der auf ­ rührerischen Bauernschaft verliehen, er war da ­ her nicht im Stande, mit bewaffneter Hand ihnen entgegenzutreten. Er verließ darum Oster ­ dienstag gegen Morgen mit wenigen Reitern die Stadt und war gegen Baden sein Sicherheit halber geritten, während die Bauern in der Stadt mit dem Bürgermeister, den Räthen und der ganzen Gemeine sich geeinigt hatten. Im Auftrag dieser sammt gemeinen Ausschüssen der Landschaften, so itzo vor Fulda versammelt er ­ schienen, sandten diese Boten dem Koadjutor mit einem Schreiben nach, worin sie denselben baten „E. F. G. wollen eigener Person morgen früh 8 Uhr zu Fulda im Schlosse absitzen, doch nit stärker als mit 10 Pferden und volgents auf dem Rathhaus daselbst und sonst nirgends güt ­ liche Handlung zu haben genedlich erscheinen." Man sieht, wie in der Form sie noch mäßig sind, aber der kategorische Imperativ, „sonst nirgends" deutete uns in der Sache schon an, wie sie später verlaufen sollte. Neben dieser schriftlichen Einladung, die von Fulda Freitag nach Ostern datirt ist, wurde der Koadjutor auch noch mündlich angesucht, daß er die gemeine Landschaft nicht verlassen möge. Demnach ent ­ schloß sich der Koadjutor, „um unser und der unseren weiteren Unrath zu verhüten," mit nicht geringer unsers Gemüths Beschwerth und Be ­ sorgnuß mit 10 Pferden zurückzukehren. Sobald er aber innerhalb der Mauern war, wurden alle Thore und Ausgänge versperrt und zugemauert; die Brücke aber, welche vom Schloß nach dem Feld die Gans (Weides — Genftbach, chart. 8. Bon.) führte, war schon vor dem Eintritt ab ­ gehauen und umgeworfen worden. Der Koad ­ jutor wurde Tag und Nacht in dem Schlosse be ­ wacht und verhütet. Am anderen Tage fanden die Verhandlungen auf dem Rathhause statt; Namens der Bauern führte ein Priester das Wort. Der ersten Vorhalt, den der Redner- Namens der Hauptleute und des Ausschuß machte, war der, daß der Koadjutor einfach die ihn: vorgelegten Fragen dem Evangelium gemäß mit Ja und Nein zu beantworten habe. Darauf setzte ihm derselbe auseinander, weshalb sie sich versammelt hatten, er erklärte, daß sie und gemeine Landschaft um keines Tagleistens willen da seien, sondern daß ihre Brüder des Schwarz ­ waldes 12 Artikel, welche sie hiermit vorlegten, hätten ausgehen lassen, die wollten sie auch seitens des Koadjutors anerkannt wissen; hier gälte es nicht lange Bedenkzeit, der Inhalt der Artikel sei bekannt, da muß man Ja oder Nein sein sagen und schließlich drohten sie mit Gewalt: „Dann wollt man nit, so müß man; und das und kein anders!" Abermals also jener kategorische Imperativ! Der Rath der Stadt Fulda erklärte, daß er der Gemeinde nicht mehr sicher wäre, und daß falls der Koadjutor nicht nachgäbe, der Rath ebensowenig wie der Fürst „ihres Leibs, Lebens und Plünderung ihrer Behausung" sicher wären. In dieser Lage entschloß sich der Koadjutor „zur Verhütung weiteren Unrathes aus rechter genöt- drängter gezwungener und unvermeidenlicher Noth und großer Forgt, die in einem und iden stand ­ haften Mann fallen, den bewegen oder zwingen mag und gar keines Lust's halber die zwölf Artikel auch andere mehr Artikel die gemeine Stadt Fulda berühren, sofern sie beständig er ­ funden und christlich erkannt würden," anzunehmen. Nachdem der Koadjutor die Forderungen der Bauern bewilligt, stellte ihm der „Oberster Feld ­ hauptmann, Rath und Anwald Zusatz und ge ­ meiner Ausschuß der christlichen brüderlichen Versammlung der Landschaft zu Buchen einen Revers aus, wonach sie erklären ihn fernerhin als ihren regierenden Landsfürsten und Herrn zu halten, zu habe», unterthenig und gehorsam