82 Es floh'n der Jugeudfreundschaft schale Triebe Besiegt vom Feuerbrande heißer Liebe. — Mißmuthig leerte dort am Tisch der Zecher Der Vater Rechtsanwalt den Silberbecher, Den stets er mit bei Landpartien führte. Mag sein, daß dieses kostbare Gefäße Vermehren half das Rühmen und Gewese, Wozu den Leumund sein Vermögen schürte. Er liebte das, doch wahrlich, minder gerne Sah Hermanns Liebeswerben er von ferne. „ Ei, ei, Herr Anwalt!? K — „ Schaut doch BruderKrause! “ sieh doch, Rechtsgelehrter!- — Ohne Pause Umschwirrten ihn die neck'schen Stichelworte: „Der Leutnant Götz!“ — „Fürwahr derschöneHermen!- „Er schwimmt zum Ziel- — „Da, Freundchen hilft kein Lärmen, Bald sitzt er weich und warm im sichern Porte!- „Das wär'! - schreit Krause „Wollt dem hübschen Lumpen Ihr etwa die Kaution gar selber pumpen?!- „Was!?-„DieKaution!?-„Zehntausend blankeThaler!?- Dran dachte Niemand, und die müß'gen Prahler Verstummten — und — bereuten scheinbar ehrlich. „Draus kann nichts werden! - schwur man hoch u. theuer, „Doch ungestraft spielt keiner mit dem Feuer! Das merktEuch,Alter!-—„Löscht, sonst wird's gefährlich!- Der Anwalt, ärgerlich, will sich erheben, Um zu dem Töchterchen sich zu begeben, Da tritt ein junger Mann ihm rasch entgegen, Der kommt dem Alten just so recht gelegen. „Ei, ei, mein Sohn, mein lieber Fritz, so säumig?!- Es war ein junger Landwirth aus der Nähe, Als Eidam Krause gern den Burschen sähe, Denn fruchtbar war sein Gut, sein Haus geräumig. Vom baaren Reichthum prahlte er nicht wenig, ES war sein Aussetzn frisch, sein Körper sehnig, Nichts fehlt' ihm also zum vollkommnen Helden Als nur — ein wenig Weisheit. — Aber selten Ist leider diese Waare hier auf Erden! Wem sie der Herr nicht in die Wiege legte, Wer sie von Kindheit auf nicht treulich pflegte, Dem wird sie auch für lautres Gold nicht werden! So war's denn auch nicht klug, daß er Christinen Beinah verschlang mit lüstern frechen Mienen. Er sah zum ersten Mal das Mädchen heute. Trotzdem gab er von ungemessner Freude Und hohem Glück ihr allerlei zu hören, Da ihn der Vater ihr entgegenführte. Auch war's nicht klug, daß er Verlangen spürte, Den Hitzkopf Götz auf seiner Bahn zu stören. Er zeigte ihm nut Lust den reichen Protzen, Dem volle Beutel Gold entgegenstrotzen: „Ei, Leutnant Götz, das sind mir schöne Possen! Ihr habt die Wiederkunft noch nicht begossen?! So bitt ich Euch, mir selber zu erlauben — — — Halloh! Herr Wirth! — Drei Becher guten Weißen! Hier, schönes Fräulein, nehmen Sie! — Es preisen Ihr Vater und Ihr Freund beim Blut der Trauben Die frohe Heimkehr ihrer Herzensdame!- — — „Wer ist mein Freund?- — „Fritz Clausen ist sein Name!- Da floß der Wein in's Gras vor seinen Füßen. — „Ha- knirscht er, „Weib, den Schimpf sollst du mir büßen!- Doch augenblicklich stand in zorn'gem Feuer, Derweil Christine schwand im Festgetümmel, Herr Hermann vor dem ungeschlachten Lümmel: „Sie kränkten jene Dame, die mir theuer! Ein Lump ist, der ein wehrlos Weib beleidigt, Ein schlimmrer Lump der, der es nicht vertheidigt! Drum fordr' ich Sie, Fritz Clausen, auf zum Kampfe! Sei's vor der Klinge, sei's im Pulverdampfe, Ich stehe meinen Mann, auch hoff ich Solches Von Ihrem vielgepriesnen Heldenmuthe, — Im andern Falle — spüren Sie dieRuthe!- Verfolgt vom Bosheitsblick des giftgen Molches Schritt Götz davon, — der lieblichen Christine Bot er den Arm mit freundlich heitrer Miene. Sie wünschte länger nicht beim Fest zu bleiben, Verlorne Müh, die Kinder aufzutreiben, — Der Vater sänftigte den rüden Clausen. — So bat den Freund sie denn um sein Geleite, Und freundlich nickte nur der Schnellbereite. Bald war entrücket man dem Festesbrausen, - — Nur schwach ertönten durch des Tannwalds Schweigen Von ferne noch die Flöten, Pauken, Geigen. — „Christine-, flüsterte der Leutnant innig, „Was denken Sie? — Was blicken Sie so sinnig?* „Ach, Hermann, dacht ich doch, wie vor vier Jahren In diesem Tann zuletzt wir uns gesehen! Was ist seitdem nicht alles schon geschehen?! Es starb die Mutter mir! — Die Todtenbahren Geliebter Eltern hatten Sie zu schmücken! Es schien, als solle nichts mehr uns beglücken. Und nun?!- — „Und nun?! Christine! — Weiter, weiter-. „— Nun seh ich — wunderbar — den bärtgen Streiter, — Der Knab von einst tritt mir — als Mann entgegen-, — „Und ich — erschau die wundervollste Blüthe Umstrahlt von Reinheit, Sittsamkeit und Güte! Das Knöspchen schon durft ich am Herzen hegen. Da ich ein Knabe war, — will nun die Rose Dem Mann vertrauen ihres Lebens Loose?! - Christine! — sagst Du nichts? — Dich zu beglücken Will ich Dir Blumen von den Sternen pflücken,