— 35 wenig ein gutes Glas Wein und führte über ­ haupt in Trenton ein ziemlich vergnügtes Leben, aus dem er später sp unangenehm auf ­ geschreckt werden sollte. Unter seinen Untergebenen waren wohl viele einsichtige Männer, die ihm sein unbesonnenes Benehmen vorwarfen und ihm Vorstellungen betreffs weiterer Sicherheitsmaßregeln machten. Sie wurden aber alle meist in derber, über ­ müthiger Weise zurückgewiesen. Major von Dechow, ein im Dienste ergrauter Offizier, schlug vor, die Regimentsgeschütze, welche zweck ­ los vor dem Quartier des Obersten standen, durch eine Schanze vor einem etwaigen feind ­ lichen Angriff zu sichern, sein Rath würde aber von dem Obersten zurückgewiesen. „Laßt sie nur kommen, die Rebellen!" war seine Antwort. „Was Schanze! Mit den Bajonett wollen wir sie zurückwerfen". In ähnlicher Weise lehnte er alle anderen Vorschläge ab. Einer seiner Offiziere schreibt über ihn: „Er glaubte, daß der Name „„Rall"" furchtbarer und schrecken ­ erregender sei als alle Werke Vaubans und Coehorns, und daß kein Rebell wagen würde, sich ihm entgegen zu stellen ... Bei ihm geschah Alles leichtsinnig und ohne Vorsicht". Die Sorglosigkeit des Obersten ist ' um so unbegreiflicher und tadelnswerther, als schon die Leute im Orte von einem beabsichtigten Ueber- fall der Amerikaner zu reden begannen. Ja sogar ein amerikanischer Ueberläufer sagte aus: Washington werde den Fluß überschreiten und Trenton angreifen. Am Christsonnabend ließ sich ein Trentoner Bürger namens Wahl bei Rall melden und theilte ihm mit aller Bestimmtheit mit, daß in der Nacht ein Hand ­ streich gegen die Hessen im Werke sei. Me diese Warnungen wurden vom Obersten nicht beachtet oder sogar mit Verachtung und Hohn zurückgewiesen. Erst als Oberst von Donop ihn von Burlington ans dringend ersuchte, Schanzen auszuwerfen und Patrouillen gehen zu lassen, ließ er sich bestimmen, am 21. Dez. eine Rekognoszirung am Ufer des Delaware bis nach Francfort hin zu unternehmen. Dieselbe blieb jedoch ganz ohne Erfolg. Ebensowenig konnte eine zweite 200 Mann starke Patrouille unter Major Matthäus am 24. Dezember etwas vom Feinde entdecken. Seit dem 23. wurde auch tätlich ein Detachement mit 2 Kanonen unter einem Stabsoffizier am Südende der Stadt postiert. Da die Leute hierzu von den Piquets der Nordseite genommen wurden, so wurde diese Seite nach Princeton und Bennington hin fast ganz von Vertheidigern entblößt. Und von hierher sollte gerade später der verhängniß- volle Angriff erfolgen! (Forts, folgt.) Kme Mtungsstuöie. Von D. Saul. Im ersten Jahrgange dieser Blätter ist ein sehr interessanter Aufsatz erschienen, welcher die Kasseler Zeitungen im vorigen Jahrhundert be ­ handelte. Er zeigte, welche reiche Ausbeute der Kulturhistoriker aus der Tagespresse ziehen kann und daß es doch nicht nur ein Augenblickswerth ist, den sie besitzt. Wenn nun aber auch eine Haupt- und Residenzstadt wie Kassel schon im vorigen Jahrhunderte Blätter besaß, die, so wenig sie unsern heutigen Anforderungen genügen würden, doch in gewissem Sinn reichhaltig und vielseitig waren, so sah es mit den in den kleinen Landstädten erscheinenden Zeitungen, den „Jntelligenzblättern", ungemein dürftig aus. Ihr Inhalt zerfiel zumeist in zwei Theile, in den unterhaltenden und den Anzeigen-Theil; wer mehr verlangte, wer insbesondere von den Welthändeln etwas wissen wollte, der nmßte eine in der Residenz oder der nächsten größern Stadt erscheinende Zeitung bestellen. Auf dieser niedrigen Stufe verharrte die kleinere Presse im Allgemeinen — von einzelnen Ausnahmen ab ­ gesehen — bis in die dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts, wo einerseits die politische Gährung, anderseits große technische Erfindungen für die gesammte Presse ein neues Zeitalter anbahnten. Vor mir liegt der Jahrgang des Hersfelder Jntelligenzblattes vom Jahre 1832, ein sehr mäßiger Band. Das Blatt erschien in kleinem Quartformat, vier Seiten stark, einmal in der Woche. Wir bemerken, daß das „Hers ­ felder Jntelligenzblatt" im Jahre 1763 gegründet worden ist, zu jener Zeit also schon das ansehnliche Alter von 69 Jahren erreicht hatte. Es besteht heute noch-als „Hersfelder Zeitung", die dreimal wöchentlich etwa in der vierfachen Größe des Jahrganges von 1832 erscheint.