26 Die Form des Kreuzes, wie aus einem Gusse Den hohen Thurm, den Rost an dem Gestein. Geöffnet ward die Thür am Chores Schlüsse; Wir traten spähend in den Dom hinein. Hier auf den Trümmern, die verschüttet lagen. Begann das Herz bewegt uns laut zu schlagen. Entzückt entdeckten wir bei jedem Schritte, Der weiter hier uns führte, einen Fund, Grabschriften, Basen von antikem Schnitte, Ein Kapitäl in Würfelform und rund; Doch überall mit jedem neuen Tritte That sich Zerstörung dort dem Auge kund, Die Säulen, welche hier im Schiffe stunden, Sie waren längst vom Orte schon verschwunden. Wir stiegen nun hinauf zu der Empore, Sie war errichtet auf dem Vorderraum; Ich sah von hier im Schiff, im hohen Chore Des Lichtes Spiel, es giebt ein schön'res kaum — Da schien umwebt mein Blick von lichtem Flore, Der wache Geist umschwebt von einem Trckum; Es regte plötzlich sich im Schutte Leben, Und Stein an Stein begann emporzustreben. Rasch wuchsen Säulen, welche sich erhoben, Zwei Reihen in dem Schiff vom Boden auf; Arkaden zogen auf den Säulen oben Sich wellenförmig hin von Knauf zu Knauf; Auf ihnen wurden hoch emporgeschoben Die Oberwände bis zum Dach hinauf; Und ihre rundgewölbten Fenster ließen Jn's Mittelschiff das Licht von oben fließen. Es sprang der Sims, belebt von Licht und Schatten Am Siegesbogen wunderbar hervor, Und Stufen, welche sich erhoben halten, Sie führten stolz zum Priesterraum empor. Die Krypta war verdeckt durch bunte Platten Am festen Boden ausgespannt im Chor, Und durch die Fenster drang, wie Feuer sprühend, Ein magisch Licht, im Farbenschmucke glühend. Altäre sah ich, die im Chore standen. Das Gitter, welches man die Schranken nennt, Und wie auf jenen hohe Kerzen brannten Und das Gefäß sür's heil'ge Sakrament; Es deckten Balken, welche sich verbanden, Den Bau von einem bis zum andern End, Und durch das Bild der Phantasie geblendet Sah ich den Dom in seiner Pracht vollendet! Erstaunt erblickt' ich diese Herrlichkeiten Getäuscht vom Schein, der magisch mich umfing. Im Chore standen Stühle zu denzSeiten, Dort war ein Kreuz, an welchem Christus hing; Die Wände schmückten Bilder alter Zeiten, Wie Simon Petrus auf dem Meere ging, Und Lullus war im Mittelschiff zu schauen Erhaben, groß aus Marmorstein gehauen. Ich schaute still; da hört' ich Tritte schallen, Ich sah im Dome weiße Stolen weh'n Und ernste Priester auf den Stufen wallen Und in den Chor zum Hochaltare geh'n; Und Mönche sah ich auf die Kniee fallen Und einen Lektor auf dem Ambo stehn — Da barsten in dem Schiff die runden Bogen Und plötzlich war das Bild dem Blick entzogen! Ich sah den dunkelblauen Himmel wieder Und Trümmer und verwittertes Gestein. Die Abendluft durchschauerte die Glieder, Sie strömte durch die offnen Fenster ein. Wir stiegen in die öden Hallen nieder Und schritten durch den Chor bei Dämmerschein; In uns gekehrt, in stillem Seelenfrieden Verließen wir den alten Dom — und schieden. H. Sievert. Aus alter und neuer Zeit. Hessen-Kasseler Orden und Ehrenzeichen. 1) Unter den hessischen Orden nimmt der Militär-Verdienst-Orden die erste Stelle ein, war er doch der älteste und angesehenste. Gestiftet am 25. Februar 1769 vom Landgrafen Fried ­ rich II. als Orden „pour la vertu militaire“ „zur Aufmunterung und Belohnung derjenigen, welche sich durch Tugend, Tapferkeit, Wohlverhalten und sonstige einem Soldaten anständige Eigenschaften eines solchen Ehrenzeichens würdig gemacht haben", wurde er nur an diejenigen verliehen, welche in Hesien-Kassel'schem Militärdienst standen. Die erste Rezeption weist 2 9 Ritter auf, wovon 5 Prinzen, 15 Generale, 6 Oberstem, 3 Oberstlieutenants. Die letzten Ritter waren : Oberst Weiß (1849), Kgl. preuß. General von Hahn (1880), Prinz Alexander von Hessen (1860). In einer Ode vom 14. August 1769 besingt Joseph Friedrich Engelschall die Stiftung dieses Ordens in der ihm eignen Weise. 2) Ein Jahr später, 6. Juni 1770, stiftete Landgraf Friedrich II. den Hausorden vom goldnen Löwen, welcher die heilige Elisabeth zur Patronin hatte und dessen Statuten am 1. Januar 1818 von Kurfürst Wilhelm I. in mehreren Punkten abgeändert wurden. 3) Am 18. März 1814 stiftete Kurfürst Wilhelm I. für den damaligen Krieg den Orden vom eisernen Helm zur besonderen Auszeichnung von Verdiensten im wirklichen Kampfe. 4) Am 14. März 1821 stiftete Kurfürst Wilhelm II. für hessische Krieger und Landesan ­ gehörige, welche an den Feldzügen von 1814 und