18 lbrecht KhrLstLan Wuöwig von Karöeleben. Kurfürstlich Hessischer Generallieutenant. 1777—1856. Ein Erinnerungsblslk von <£. v- ß t a m f o r 5. (Fortsetzung.) Der Aufenthalt in dem Kadettenhause währte 9 Jahre, Lehrplan und Beschäftigung der Zög- singe waren lediglich auf die Heranbildung der- lelben für den Beruf als Offiziere bemessen. Vorzugsweise diese Einseitigkeit meint der einstige Kadet, wenn er das Kadettenkorps eine „Geistes ­ mördergrube" nennt; aber noch andere Mängel in der Erziehungsweise hat er im Sipne, wo er davon spricht „geistige Trägheit und Willens- schlafiheit würden dort groß gezogen, welche er nachher bei sich selbst habe überwinden müssen." Allein man würde irren, wenn man Mangel an Fürsorge für diese Heranwachsende Generation des Offizierstandes vermuthete; eine Anzahl tüchtiger Lehrer wirkten auf sie ein, darunter mehrere bürgerlichen Verhältnisses. Am 1. April 1797 verließ Albrecht von Bardeleben die Anstalt, zum Fähndrich im Garde-Grenadierregimente ernannt, welches da ­ mals der unterste Offiziersgrad war. Der Stand ­ ort seines Regimentes war Kassel, Frieden herrschte in Norddeutschland hinter der De ­ markationslinie, welche auf dem Friedensschlüsse zu Basel im Jahre zuvor zwischen der französi ­ schen Republik und Preußen festgelegt wurde; das kleine Hessen hielt sich zu dem mächtigen Nachbar. Aber in diesem selben Monat April brach sich auch im Süden der Kriegssturm zu Leoben, wo des jungen Bonaparte blutroth aufsteigendes Gestirn über des Kaisers sinkendes triumphirte. Der trügerische Friede sollte nicht von langer Dauer sein, schon im nächsten Jahre, 1798, brach der Krieg gegen die furchtbare Republik von neuem aus, wobei Preußen, Hessen u. A. weiter auf der Insel der Neutralität saßen. Aber in Kassel herrschten Haß und Feindselig ­ keit gegen Franzosen und alles Französische, von dem Landesherrn angefacht. Das kleine Heer würde am liebsten auf die gottlosen Banden mit losgeschlagen haben, welche seit Jahren Deutschland verheerten, die Offiziere fühlten es als eine Art von Schmach, so von weitem dem Kampfe zuzuschauen. Es war natürlich, daß in manchem der Wunsch sich regte, diese That- losigkeit mit einem Leben im Felde zu ver ­ tauschen , auch unser Fähndrich wollte dies im Bunde mit zwei Kameraden, welche in englischen Dienst traten und für ihn eine Offiziersstelle erwirkten; als aber Albrecht das Elternhaus aufsuchte, wo der Vater seine Absicht billigte als eines jungen Mannes würdig, die Mutter indessen in Wehmuth und Schmerz den Gedanken der Trennung nicht zu ertragen vermochte, gab er den Plan auf, im Jahre 1797. Als der erste Rausch des Glückes, Offizier zu sein, in dem er sich „als der Mittelpunkt der Welt erschien", verflogen war, erkannte der Jüngling, daß sein Wissen lückenhaft sei und daß für den Führer Anderer in Gefahr und Kamps vor Allem die Bildung des Charakters Noth thue. Der Umgang mit älteren und ge ­ bildeten Offizieren wurde von ihm gesucht, er ging an Mehrung seines Wissens, hierbei frei ­ lich in der Weise eines jungen Soldaten, der eine Festung gleich mit Sturm nehmen will, anstatt sie durch eine geregelte Belagerung zu gewinnen. Der offene, strebende Jüngling gewann wohl leicht Freunde, welche ihm Rath und Lei ­ tung gewährten. Er machte sich an die Werke eines 'Wieland, Goethe, Jean Paul, Lessing, Herder, Schiller, Shakespeare, auch an fran ­ zösische — aber so ungeordnet und hastig, daß er wenig Nutzen davon ziehen konnte; eher spürte er Verwirrung seines Geistes. Das Einerlei des Dienstes war ihm nicht eine unangenehme Unterbrechung idealischen Strebens und hoch ­ fliegender Gedanken, sondern es führte ihn immer wieder in die Wirklichkeit zurück: er be ­ saß Lust und Geschick für das zu jener Zeit in Frieden Beanspruchte, war dadurch seinen Vor ­ gesetzten wohl empfohlen. Etwas aber bereitete ihm Sorgen: die ökonomischen Verhältnisse; mit