363 Gefangenen, bis endlich nach drei Monaten der Gouverneur im Namen des Königs erschien, alle Habseligkeiten der Trost'schen Familie untersuchte, die Papiere beschlagnahmte, wobei es Trost gelang, ein großes, mit erläuternden Zeichnungen ver ­ sehenes Tagebuch bei Seite zu schaffen. Vierzehn Tage darauf erfolgte ein schärferer Haftbefehl. Dann brachte ein Adjutant die Patente Trost's zurück, sagte einige Artigkeiten von braven Deut ­ schen, doch wurden alle Thüren und Läden ge ­ schlossen und die armen geängsteten Menschen ganz auf das Innere des Hauses und den mit hohen Mauern umgebenen Hof beschränkt. Trost war auf alles gefaßt, er und seine Familie hatten mit dem Leben abgeschlossen. Da erscholl eines Tages, es war im Oktober 1820, lautes Geräusch an das Ohr der Verhafteten, die Thüren öffneten sich und ihnen wurde die Kunde, daß sie frei seien. Es war eine von dem Mulatten Boher geleitete Empörung gegen den schwarzen König Heinrich ausgebrochen, seine Truppen verließen ihn und er selbst endete am 8. Oktober sein Leben durch einen Pistolenschuß. Boyer, der Nachfolger Potion's vereinigte am 22. November die beiden Theile zu der Republik Haiti. Nun erhielt Trost mit seiner Familie die Erlaubniß zur Heimkehr. Nach siebenwöchentlicher glücklicher Fahrt trafen sie wieder in Deutschland ein. Vorstehende die Familie Trost betreffende An ­ gaben, sind den Aufzeichnungen entnommen, die der Sohn, der am 1. März 1884 zu München verstorbene ausgezeichnete Maler Karl Trost hinter ­ lassen hat, und die s. Z. in der Münchener „All ­ gemeinen Zeitung" veröffentlicht worden sind, Schlimmer als dem Major Trost erging es dessen Leidensgefährten Louis Neuber. Ueber ihn liegen uns folgende Notizen vor, die wir der gütigen Mittheilung seines Neffen, des Herrn Landgerichtssekretärs K. Neuber dahier, verdanken. Louis Neuber, am 3. Dezember 1791 zu Kassel geboren, war in westfälischer Zeit Lieutenant im 1. leichten Infanterie-Bataillon, während des Kriegs gegen Frankreich Lieutenant im hessischen Infanterie-Regiment „Kurfürst". Da er sich nach den großen Befreiungskriegen in seinen Hoffnungen getäuscht sah, so wanderte er mit noch einigen Altersgenossen im Oktober 1816 nach Haiti aus. Er wurde freundlich aufge ­ nommen und seinen Fähigkeiten entsprechend be ­ schäftigt. Als aber die von Louis Neuber und dem Artillerie-Major Trost angestellten Proben in Geschütz-Gießereien mißglückten, verloren beide die Gunst des schwarzen Königs und wurden sogar 11 Tage in Haft gehalten. Dann frei ­ gelassen, vermochten sie doch nicht ihre frühere Stellung wieder zu gewinnen. Ihre Lage ge ­ staltete sich sehr ungünstig, indem beide zwar von neuem mit verschiedenen Arbeiten beschäftigt wurden, aber lange ans den wohlverdienten Ge ­ halt warten mußten und daher bittere Noth litten. Auch Neuber wurde ebenso wie Trost die Erlaubniß zur Rückkehr nach Deutschland ver ­ weigert. In trüben Farben schildert er seine Lage und den gegen ihn ausgeübten Zwang in dem letzten an die Seinigen in Kassel gerichteten Brief am 30. April 1820. Ihm war es nicht beschieden, seine Heimath wieder zu sehen und ungewiß ist es geblieben, welches Ende er ge-' nommen. Nach hierher gelangter Nachricht soll er schon im Sommer 1820 den schädlichen Ein ­ flüssen des Klimas und den in Folge davon ein ­ getretenen Fieberanfällen erlegen sein. Einem anderen Gerüchte zufolge, das weit schrecklicher lautet, soll er von dem schwarzen König Hein ­ rich beauftragt gewesen sein, den Plan zu einem Gefängnisse zu entwerfen, welcher den Beifall des Herrschers gefunden habe. Nach Errichtung des Baues habe der König den Baumeister Neuber selbst hineinstecken lassen, um dessen An ­ liegen todtzuschweigen und ihn durch Versagung der erforderlichen Nahrung und Pflege bei seiner ohnehin zerrütteten Gesundheit elendiglich um ­ kommen zu lassen. Wem fällt da nicht der alte lateinische Spruch, freilich in anderem Sinne, als ihn - Freund Horatius meint, ein: Rio niKor est, dune tu, Romane, caveto! Wiew. Von H. Keller-Jordan. (Schluß.) In den nächsten Wochen wurde in dem kleinen Häuschen am Veilchenrain, wie die Straße ge ­ nannt wurde, in welcher Frau Ruppius wohnte, alles gesäubert und verschönt. Die Tante hatte den Bitten Grete's nachgegeben und Rudi mit Frau und Kind für die Ferien eingeladen sie zu besuchen. Ob sie kommen würden und Theodora mit dem zufrieden sein, was fite bieten konnte? Es hatte sich ihrer, seitdem der Brief mit der Einladung abgegangen war, eine krankhafte Un ­ ruhe bemächtigt, für welche sie selbst keinen Grund fand.