362 als Artillerie - Offizier im Innern des Landes, in der den Weißen sonst unzugänglichen Haupt- und Residenzstadt „Sanssouci". Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte von „Haiti" möge uns hier gestattet sein. Die Insel, nach Cuba die größte unter den großen An ­ tillen Westindiens, wurde am 3. Dezember 1492 von Columbus entdeckt, der ihr den Namen Hispaniola gab und die erste spanische Nieder ­ lassung darauf gründete. Die unter fünf Kaziken stehenden indianischen Ureinwohner, an Zahl etwa eine Million betragend, waren schon 1533 durch die harten Arbeiten, welche die Spanier ihnen auferlegten, fast gänzlich aufgerieben, sodaß man Neger einführen mußte. Es wurden mehrere Städte gegründet, namentlich San-Domingo, nach welcher auch die Insel lange benannt wurde. Die Flibustier setzten sich 1630 auf ihr fest und veranlaßten französische Niederlassungen auf dem westlichen Theile, der 1697 förmlich an Frank ­ reich abgetreten wurde. Dieser französische Theil entwickelte sich im 18. Jahrhundert zu hoher Blüthe, erzeugte aber auch in der ungeheueren Neger- und Mulattenbevölkerung sehr gefährliche Elemente, welche zum Ausbruche kamen, als die Revolution von 1789 ihren Gährungsstoff in den leicht entzündbaren Boden brachte. Neger und Mulatten machten erst gemeinsame Sache gegen die Weißen und spalteten sich dann unter einander. Nach mancherlei Parteiungen und Unruhen brach am 23. August 1791 der Aufstand der Farbigen von Kap Frankens aus, der sich, unter den greu ­ lichsten Metzeleien und Verwüstungen und nach ­ dem am 23. Juni 1793 Kap Fran?ais erobert worden war, über die ganze Kolonie verbreitete. Gegen die Engländer und Spanier aber, welche seitdem die Kolonie angriffen, kämpften Franzosen und Neger gemeinsam. 1795 trat Spanien auch den östlichen Theil an Frankreich ab. Der Neger Toussaint l'Ouverture war 1794 zum französischen Obergeneral auf der Insel ernannt worden und hatte 1797, mit Rigaud, die Engländer vertrieben, suchte sich aber unabhängig zu macken und gab am 9. Mai 1801 der Insel eine eigene Verfassung. Gegen ihn wurde von Frankreich der General Leclerc mit 25000 Mann entsendet. Toussaint wurde verhaftet und nach Frankreich gebracht, wo man ihn in der Festung Joux bei Besan^on 1803 todt fand. Auf der Insel brach unter dem Neger Dessalines von neuem der Aufstand aus und im November 1803 mußte der französische General Rochambeau mit dem Rest der Franzosen abziehen. Dessalines ließ sich am 8. Oktober 1804 als Kaiser Jakob I. von Haiti ausrufen, gab dem Staate am 20. Mai 1805 eine Ver ­ fassung, kam aber am 17. Oktober in einem Auf ­ stande um, den der Neger Heinrich Christoph und der Mulatte Alexander Pstion geleitet hatten. Diese kämpften nun um die Herrschaft, bis der spanische Theil 1808 von Spanien wieder in Besitz genommen, im französischen Theile aber sich im Süden eine Mulattenrepublik unter Potion und im Norden eine Negerrepublik unter Chri ­ stoph bildete. Dieser, mit welchem wir es hier zu thun haben, ließ sich im Jahre 1811 als Heinrich I. zum Könige von Haiti krönen. Er wird von Trost als ein kräftiger, breitschul ­ teriger, ebenholzschwarzer Mann geschildert, welcher, eine stattliche Erscheinung, in goldbetreßter Uni ­ form, auf dem mächtigen Dreimaster die landes ­ herrlichen blau-roth-weißen Federn, häufig im Geleite seiner Adjutanten und Großwürdenträger des Reiches inmitten zweier Kavallerie-Abthei ­ lungen dahinsprengte. Als Freund ceremoniellen Pompes erfand er noch ein berittenes Amazonen ­ korps, bestehend aus den Damen der Würden ­ träger, welches mit Federn und Flitterwerk auf ­ geputzt und mit buntbemalten Bogen, Köchern und ellenlangen vergoldeten Pfeilen ausgerüstet, lustig dahinraste. Daß er nach des Kaisers Napoleon Vorbild sich auch mit neukreirteni Adel umgab und sogar Herzoge von Limonade und Marmelade schuf, ist bekannt. Die nach französischem Muster uniformirte Armee blieb indessen ohne Schuhe und Sold und erhielt nur eine sehr nothdürstige Verköstigung. Der schwarze König hatte sonderbare Passionen, von denen wir nur diejenige für Katzen anführen wollen. Da erzählte man sich, daß er einst eine seiner Lieblingskatzen, welche es gewagt Hatte, sein Lieb ­ lingsgericht vorwegzumausen, durch einen Adju ­ tanten auf 14 Tage auf die Festung verbringen ließ. Trotz des europäischen Firnisses blieb König Heinrich doch ein schwarzer Barbar und Despot. Er ließ alle aus Europa kommenden und dahin abgehenden Briefe untersuchen, bezw. unterschlagen, damit keine Kunde über die inneren Zustände seines Reiches in das Ausland gelangte. Kein Europäer, der in seine Dienste getreten war, sollte je wieder das Land verlassen. So kam es denn auch, daß Trost, als er ohne Kenntniß dieser Verhältnisse, nach fast vierjähriger Dienstzeit um seine Entlassung und die Erlaubniß zur Rückkehr in sein Vaterland einkam, in Ungnade fiel und in Untersuchung gezogen wurde. Die Folge davon war, daß Trost mit seiner Familie nach Fort Royal verbannt wurde mit dem an den dortigen Kommandanten gerichteten Befehle: „Ils sont lä pour crever!“ Der Aufenthalt daselbst galt für gesundheitsgeführlich, ja todbringend, so daß der König hoffen konnte, der dort internirten Deutschen auch ohne Prozeß und Urtheil ledig zu werden. Im Uebrigen bekümmerte sich Niemand um die