361 erster Größe am Firmament der Jurisprudenz, nicht nur als den größten Romanisten, sondern auch als den vorzüglichsten Kanonisten unserer Zeit gefeiert und weiter bemerkt, was das deutsche Recht anbelange, so werde er nur von Einem über ­ troffen, das sei Se. König!. Hoheit, der Kurfürst von Hessen. Was that Büchel nach dieser An ­ rede ? Statt mit gerechtem Unwillen den grandi ­ osen Ulk zurückzuweisen, dankte er für die An ­ erkennung seiner Leistungen als Professor des römischen Rechts. Dagegen könne er das ihm als Kirchenrechtslehrer und Germanisten ge ­ spendete Lob nicht annehmen. Hierauf lehrte er sein Glas in Erwiderung des auf ihn ge ­ riebenen Salamanders mit einem Hoch auf die anwesenden Studenten. Die liebe Eitelkeit ließ ihn einmal nicht zu der Erkenntniß kommen, daß es sich hier, wie in vielen ähnlichen Fällen, blos um einen Jux handelte. — Konrad Büchel machte in seiner äußeren Er ­ scheinung einen sehr sympathischen Eindruck. Er war ein Manu von Mittelgröße, seine Figur hätte man zierlich nennen können, wenn er nicht zue Fettleibigkeit geneigt hätte. Hände und Füße waren von außerordentlicher Kleinheit. Sein Antlitz war einehmend, die Züge verriethen Geist und Wohlwollen, das Charakteristischste aber war an ihm die hohe hervorspringende Denker ­ stirne, an der die tubora frontalia, welche ja nach der Lehre der Phrenologen den Sitz des Scharfsinns anzeigen sollen, mächtig hervortraten. Sein Anzug war stets der feinste, man konnte von ihm sagen, daß er stets „geschniegelt und gebügelt" einherschritt, ja diese Eigenschaft er ­ streckte sich sogar bis auf seinen Schlafrock. Störend wirkte nur, daß er sich zu viel und zu auffallend mit goldenen Ringen, Busennadeln u. s. w. belud. Indem wir dieses niederschreiben, zaubert uns das wohlgelungene Brustbild des Professors Büchel, welches seine Schüler in der Mitte der 40er Jahre durch den Universitäts ­ Zeichenlehrer vr. L. Chr. Hach anfertigen ließen, seine ganze Persönlichkeit vor die Augen. Das ­ selbe fand eine außerordentlich große Verbrei ­ tung, keiner der damals in Marburg Rechts ­ wissenschaft Studirenden unterließ es, sich das Portrait des verehrten Lehrers anzuschaffen und es als theures Andenken mit in das Philisterium zu nehmen. — Ueber den Charakter Büchels können wir uns nur lobend aussprechen. Er war in hohem Grade wohlwollend, und gern zur Hilfeleistung bereit, offen und ehrlich, als Freund wie als Gegner, freundlich und zuvorkommend gegen Jedermann, nur nicht — seltsamer Widerspruch — gegen seine Familienangehörigen, da soll er ein kleiner Hanstyrann gewesen sein. Daß auch er nicht frei war von menschlichen Schwächen, haben wir schon in unserem ersten Artikel hervorgehoben, sie wurden aber weit ausgewogen durch die thatsächliche Bedeutung Büchel's als Mannes der Wissenschaft. Seine großen Verdienste um die Rechtswissenschaft werden stets die gebührende Anerkennung finden und sein Andenken wird un ­ auslöschlich mit der juristischen Fakultät der Universität Marburg, zu deren Zierden er ge ­ hörte, verbunden bleiben. / Hessische Mftziere im Dienste öe§ schwarzen Honigs Heinrich I. von Haiti. 1816-1820. Von I. Schwank. In den 30er Jahren lebte zu Fulda still und zurückgezogen der M a j o r T r o st, ein früherer hessischer Offizier, der nach einem viel ­ bewegten, schicksalsvollen Leben dort zur Ruhe gelangt war. Mochte er auch seine Eigenheiten besitzen, mochte er in manchen Beziehungen ein Sonderling sein, so hinderte das nicht, daß man vor dem alten Herrn gewaltigen Respekt hatte und daß man den Erzählungen seiner Erlebnisse gespannt und mit großem Interesse zuhörte. Trugen sie doch den Stempel der Wahrheit und fesselten sie doch durch den Reiz der Neuheit. Major Trost war in seiner Jugend hessischer Genie-Offizier. Aus Abneigung gegen die fran ­ zösische Wirthschaft unter König Jerome nahm er seinen Abschied und trat in dänische Dienste über. Auch dort mochte es ihm wohl nicht ge ­ fallen, sonst würde er nicht der an deutsche In ­ genieure ergangenen Einladung des schwarzen Königs Heinrich I. von Haiti gefolgt und in dessen Dienste getreten sein. Er siedelte mit seiner Frau (geb. Meisterlin) und seinem am 25. April 1811 zu Eckernförde geborenen Sohne Karl nach der Antilleninsel San-Domingo über. Am 6. Januar 1817 landete das Schiff in der Bai von Haiti. Trost erhielt eine höhere Stelle