338 Vor einigen Tagen brachten hiesige Zeitungen eine sehr befremdliche Nachricht. Nach derselben soll vom 27. bis 30. d. M. in Köln eine Versteigerung von Kunstsachen, Mobilien, Gemälden rc. aus dem Nach ­ lasse des Fürsten Moritz von Hanau stattfinden. Da ­ runter befinden sich auch Andenken an die Kurfürsten Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm I., so eine komplete Uniform der hessischen Garde du Korps, ein Militärrock mit Epauletten des hessischen Garde ­ regiments, welche der letzte Kurfürst getragen hat, ferner Orden, die Kurfürst Wilhelm II. getragen hat, sodann auch die Uhr, welche dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. in Prag von treuen Hessen zum Andenken verehrt worden ist, u. s. w. Dem Vernehmen nach läßt die Gräfin Bentzel-Sternau, Nichte des Fürsten Moritz, Tochter der Prinzessin Alexandrine von Hohenlohe-Oehringen, der zweiten Tochter des Kur ­ fürsten Friedrich Wilhelm, als testamentarisch ein ­ gesetzte Erbin, die Sachen zum Verkauf bringen. Ein solches Verfahren, soweit es die persönlichen Erinne ­ rungsstücke betrifft, widerspricht den Begriffen von Takt und Pietät, wie sie einmal bei uns auch in bürgerlichen Kreisen bestehen. Hoffentlich gelingt es, wenigstens die Orden und Uniformen, sowie die '1869 dem letzten Kurfürsten gewidmete Uhr vor den Händen der Trödler zu retten. In dieser Hin ­ sicht macht der „Kasseler Spaziergänger" in der Sonntagsnummer des „Tageblatl's" bei Besprechung der Angelegenheit einen Vorschlag, der sich u. E. der Beachtung empfiehlt. Er schreibt: „Nun haben wir hier ein von der Tochter Wilhelms II., der Gräfin Bose, gestiftetes Hessisches Museum, welches außer für Werke hessischer Künstler ganz speciell zur Aufbewahrung hessischer Erinnerungen bestimmt ist. Was in dem Gebäude bisher angesammelt worden, hat die Oeffentlichkeit noch nicht beschäftigen können, da der Weg zu demselben noch nicht allgemein zu ­ gänglich ist, bei dieser Gelegenheit aber dürfte wohl das Hessische Museum ein Lebenszeichen nach außen hin von sich geben und bei der Auktion diejenigen Stücke, welche an das erloschene Regentenhaus er ­ innern, der Privatspekulation entreißen." Vor einigen Wochen stand an dieser Stelle die Mittheilung: daß der vor langen Jahren von Herrn Oberstlieutenat a. D. I. von Bardeleben ge ­ gründete und bis jetzt geleitete „Lesekranz" sein Ende finden müsse, weil der verehrte Herr, wegen vorgerückter Jahre, Entlastung wünsche und keiner der Theilnehmer sich geeignet fühle, ihn zu ersetzen. Heute sind wir in der angenehmen Lage, melden zu können, daß es den vereinten Bitten der vorwiegend aus alten Hessen bestehenden Theilnehmer gelungen ist, Herrn von Bardeleben, dem für die rein geschäft ­ lichen Vereinsangelegenheiten eine Stütze beigegeben werden soll, zu bewegen, seines Amtes weiter zu walten, wodurch der Fortbestand des Lesekranzes ge ­ sichert ist. Herr von Bardeleben, der den bekannten, literarischen Sinn seines Vaters, des noch heute in seine/ Heimath unvergessenen Generallieutenants von Bardeleben geerbt hat, erwarb sich im Laufe dieses Jahres ein großes Verdienst dadurch, daß er durch Ueberlassung des Briefwechsels des letzteren mit Dingelstedt, an unseren Landsmann Rodenberg zur Veröffentlichung, diesem sehr werthvolles Material zu den in der deutschen Rundschau erschienenen Schil ­ derungen der Jugendjahre und der Thätigkeit des be ­ rühmten Intendanten des Wiener Hof-Burgtheaters in Hessen, geliefert hat. v. L. Friedrich Wilhelm H o f f m a n n f. Am 30. Oktober d. I. entschlief zu Homberg nach jahre ­ langen schweren, aber in Geduld ertragenen Leiden im 87. Lebensjahre der Metropolitan Friedrich Wilhelm Hoffmann, ein Mann, dem auch seine zahlreichen Gegner auf politischem und kirchlichem Gebiet die Anerkennung nie versagt haben, daß er als ein ganzer Manu für feine Ueberzeugung einstand und bereit war, lieber Alles zu leiden, als seinem Gott und sich selbst untreu zu werden. Er war am 6. Juni 1803 im Pfarrhause zu Harmuthsachsen als dritter Sohn seiner Eltern ge ­ boren und seine ersten Jugenderinnerungen reichten noch in die schmach- und drangsalvollen Jahre der französischen Fremdherrschaft zurück. Er hatte aber auch schon an der Freude seines Vaterhauses und unseres ganzen Volkes Theil genommen, als das Joch zerbrach. Seine erste wissenschaftliche Ausbildung erhielt er in der altberühmten Klosterschule der Lullusstadt und bezog dann die Universität Marburg. Hier schloß er sich mit jugendlicher Begeisterung der Burschen ­ schaft an, der auch seine älteren Brüder sowie die Gebrüder August und Wilhelm Vilmar theils angehört hatten, theils noch angehörten. Es konnte nicht fehlen, daß der körperlich und geistig reich begabte, mit rück> sichtslosem Muthe und scharfem Witz ausgerüstete Jüngling, der mit diesen Vorzügen eine tadellos vor ­ nehme Haltung verband, zu hohem Ansehen unter seinen Genossen gelangte und den Widersachern der Burschenschaft ein sehr gefürchteter Gegner wurde. Er hatte aber auch der Burschenschaft viel zu ver ­ danken, da sie ihn mit hohen Idealen erfüllte, die ihm bei seiner aufs praktische Leben gerichteten Natur ­ anlage sonst fern geblieben wären. Auf seiner ersten Pfarrstelle zu Sielen blieb H.