296 von Frankenberg genannt, dessen sich der Kurfürst zur Ausführung dieser Arbeiten bediente. Allgemein war die Trauer bei dem Hinscheiden dieses Friedensfürsten und echten geistlichen Ober ­ hirten, dem das Erzstift zu großem Danke ver ­ pflichtet war. Vielleicht werden wir später seiner Verwaltung auf weltlichem wie geistlichem Ge ­ biet , namentlich der von ihm begonnenen Reformation der Klöster des Erzstiftes an dieser oder einer anderen Stelle näher treten ‘). Er war, um unser Urtheil zum Schlüsse zusammen zu fassen, einer jener hessischen Fürstencharaktere, wie wir ihnen in unserer Geschichte, namentlich der späteren, zahlreich begegnen, in denen sich vorzügliche Regentengaben mit der Liebe zur Kunst, besonders der Lust am Bauen vereinigen; die von Natur zuiü Frieden gestimmt in gefahr ­ voller Stunde aber auch das Schwert mit Nach ­ druck zu führen wissen. ') Vergl. Rommel III Anm. S. 260 und Ennen, III, 768. Lebensbilder von Aarburger Wrosessoren Von Friedrich Münscher. (Schluß., In dem beschriebenen stillen und einförmigen Leben, welches Jordan seit dem Frühjahr 1833 führte, trat im. Sommer 1839 plötzlich ein über ­ raschender Wechsel ein. Am 18. Juni verbreitete sich in Marburg das Gerücht, am Morgen sei das Haus des Professors Jordan von Gendarmen und Polizeibeamten umstellt worden, Land ­ gerichtsrath Wangemann habe Haussuchung gehalten und habe dem Professor Stadt-Arrest auferlegt. Auch sei demselben jede Amtsthätigkeit untersagt worden. Und in der That verhielt es sich so. Jordan war wegen Theilnahme an hoch- verrätherischen Unternehmungen in Anklagestand versetzt worden und wurde sogar einige Monate später als Gefangener auf das Marburger Schloß in den nach ihm benannten Jordansthurm ab ­ geführt, wohin ihn die allgemeine Theilnahme der Bewohner Marburgs begleitete. Es war das Frankfurter Attentat von 1833, an welchem er betheiligt gewesen sein sollte, und von welchem deshalb hier eine kurze Schilderung folgen muß. — Die Unzufriedenheit, welche nicht lange nach den Freiheitskriegen bei allen deutschen Vater ­ landsfreunden darüber herrschte, daß die seit der Zeit des vaterländischen Aufschwungs genährten Wünsche unerfüllt geblieben seien, daß namentlich weder eine wahrhafte Einigung dem Deutschen Bundesstaat Sicherheit und Achtung nach außen verbürge, noch daß ein Maß größerer politischer Freiheit im Innern gewährt worden sei, äußerte sich begreiflicher Weise am lebhaftesten bei der studierenden Jugend. Eine Anzahl studentischer Vereine auf mehreren vorzugsweise süddeutschen Universitäten faßte sogar den Entschluß, es nicht bei Worten und Wünschen bewenden zu lassen, sondern durch Thaten eine Aenderung herbeizu ­ führen. Zu dem Ende wurde in aller Stille in den ersten Märztagen des Jahres 1833 zu Groß ­ gartach bei Heilbronn eine Versammlung ver ­ anstaltet. Hier stellte ein junger Advokat aus Frankfurt am Main Namens Gärth den An ­ wesenden vor, daß das Unternehmen von vielen deutschen Männern, namentlichJordan, Welcker Jtzstein gebilligt werde, die sich nach dem Sturz des Bundestags an die Spitze der Bewegung stellen würden, daß die Truppen in Württemberg, in Frankfurt am Main und in anderen benach ­ barten Staaten für die Sache der Freiheit ge ­ wonnen seien, daß «schaaren von Polen, welche sich in der Schweiz und in Frankreich als Flüchtlinge aufhielten, bereit ständen sich anzuschließen und führte so den, man kann sagen: wahnsinnigen Beschluß herbei, in den ersten Tagen des kom ­ menden Monats in Frankfurt loszuschlagen. Man wollte sich der Stadt bemächtigen, den dort weilenden Bundestag auseinander sprengen und alsdann eine Deutsche Republik errichten. Dabei wurde ganz übersehen, daß mit der Einnahme Frankfurts für die Errichtung einer Republik gar nichts erreicht sei. Denn die Kraft und Stütze des deutschen Bundes lag nicht in der Versammlung der Gesandten, sondern in den beiden Großstaaten Oesterreich und Preußen, welche mit ihren Heeren jeder Störung bald ein Ende machen konnten. Gemäß dem in Großgartach gefaßten Beschluß versammelten sich nun in den ersten Tagen des April 50 bis 60 Studenten in Frankfurt und führten mit einer etwa gleich großen Anzahl junger Leute aus der Stadt und Umgegend und mit einigen polnischen Offizieren am 3. April Abends 9'/z Uhr den geplanten Angriff aus. Zu gleicher Zeit und ohne eigent ­