273 Gefangenen einzeln zum Verhör vorführen, zuletzt einen ältlich aussehenden Mann, der mit scheuem Blick und in unsicherer Haltung vor den gestrengen Herrn sich hinstellte. Nun Du alter Kerl, Du solltest Dich schämen, an Schlägereien und dergleichen Dummheiten noch theilzunehmen! Wer bist Du denn eigentlich? Der Angeredete, der bisher mit gesenktem Haupt da gestanden hatte, erhob jetzt die Augen mit einem bit ­ tenden Blick und sagte mit stockender Stimme: Ich bin der Konsistorialrath und Professor der Theologie Daniel Wyttenbach. Kerl, rief der Lieutenant bist Du verrückt? Du wärest ein Professor, in einem so schofelen, abgetragenen Rock? Wenn der Herr Lieutenant, entgegnete der Andere in demüthigem Ton, den Universitäts-Oberpedell rufen lassen wollen, so werden Sie sich überzeugen, daß sich die Sache wirk ­ lich so verhält, wie ich gesagt habe. Ach was, dum ­ mes Zeug! sprach der Lieutenant. Wie kann denn ein solcher Strolch Professor sein! Aber trotz dieser geringschätzigen Aeußerung ließ er doch den Verhafteten im Zimmer bleiben, und schickte einen Soldaten in die Wohnung des Pedellen, um diesen ans die Haupt ­ wache zu entbieten. Schon bei dem Eintritt fuhr der Pedell wie entsetzt einen Schritt zurück und rief: Um Gottes willen, Hochwürden, wie kommen Sie denn hierher? Diese Worte genügten den Lieutenant. Er schritt auf den noch immer verdutzt dastehenden Wyttenbach zu, entschuldigte, so gut er es vermochte, den Irrthum und entließ mit einer Verbeugung den Mann, welchen der Pedell hinausführte. Zur Entschuldigung des Lieutenants muß gesagt werden, daß Wyttenbach zwar ein gelehrter und ein höchst gutmüthiger, ja wegen seiner Wohlthätigkeit verehrungswürdiger Mann war, daß er aber in allen äußeren Formen des Lebens sich im höchsten Grad unbeholfen benahm und seine Kleidung und Haltung dermaßen vernachlässigte, daß er mitunter eher einem verkommenen Handwerksburschen als einem Professor glich. Sein Ungeschick in Geschäftssachen ging so weit, daß er, wenn es sich um eine schriftliche Abstimmung über äußere Angelegenheiten der Universität handelte, sich von dem Pedellen, welcher die Akten überbrachte, vorsagen ließ, was er niederschreiben solle. Die Mar- burger bezeichneten das Ungeschick des aus der Schweiz berufenen gelehrten Theologen durch das Witzwort: „der echte Wyttenbach sei unterwegs auf der Post aus ­ getauscht worden, und sie hätten den falschen bekommen." Dagegen ist dem Sohn des Theologen, dem berühmten Philologen Daniel Wyttenbach, durch eine unter seinem Namen gemachte Stiftung für alle Zeit auf der Uni ­ versität ein ehrenvolles Andenken bewahrt worden. Dieser Sohn, der, wenngleich in der Schweiz geboren, seine Jugendzeit in Marburg verlebt hat, verdankt nämlich, wie er selbst versicherte, einen großen Theil seiner Gelehrsamkeit, nicht etwa den wissenschaftlichen Anstalten, sondern — den Wäldern Marburgs, in welchen er die Reden des Demosthenes und die Ge ­ dichte Homers den Eichen und Buchen mit lauter Stimme vorgetragen hat. Aus Erkenntlichkeit für diese Wohlthat hat dann seine Wittwe Johanna geb. Go l bin aus Hanau im Jahre 1828 der Universität 3000 Gulden zu einer Wyttenbach-Stiftung geschenkt, ans deren Zinsen Studirende der Philologie und Medizin jährliche Unterstützungen erhalten. K. M. Hessische Mitglieder des Jlluminaten- Ordens. Nach einem in den historisch-politischen Blättern Band 103 S. 926 ff. mitgetheilten, voraus sichtlich aus der Zeit vor 1782 stammenden und zu München aufgestellten Verzeichniß der Mitglieder des Jlluminaten-Ordens gehörten damals aus dem vor ­ maligen Kurfürstenthum Hessen oder aus kurhessischen Familien folgende Personen zu diesem Orden und führten beifolgende Ordensnamen: von Buseck, Baron, Doarehus; von Baumbach, früher Kapitän in hessen-kassel'schen Diensten, 2amo1xis; von Ditfurth, Kammergerickts-Assessor zu Wetzlar, Minos; von Eschwege zu Kassel, Cimon; Franz, Hof- und Ehegerichts-Sekretarius zu Hanau, Propertius; Mauvillon, Hauptmann und Professor bei dem Kadettenkorps zu Kassel, Agesilaus; von Riedesel, Kammergerichts-Assessor zu Wetzlar, Ptolomaeus Lagus ; Rompert, Professors-Sohn von Marburg, Salomo; Robert, Professor juris zu Marburg, Thomas Aquinus; Schraidt, Hofgerichts - Advokat und Syndikus der Zeichnungs-Akademie zu Hanau, Justinianus. Aus Heimach und Fremde. Der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde unternahm am 9. d. M. an Stelle der für diesen Monat ausfallenden Monatsversamm ­ lung einen Ausflug nach dem als unvergleichlich schönen Aussichtspunkt bekannten Heiligenberg. Die Theilnehmer an demselben erstiegen von Gensungen aus unter Führung des seit länger als 30 Jahre dort wohnenden Vereinsmitgliedes, Bahnhofsvorstand a. D. Croll, den Gipfel des Berges. Einen kundigeren Führer und besseren Kenner aller auf dem Berge sich bietenden Aussichtspunkte mag es wohl nicht geben, da dieser 75jährige Greis seiner Angabe nach seit vielen Jahren im Sommer fast täglich und häufig auch im Winter den Berg ersteigt. " Nachdem