271 Du bist der Erfinder von jenem Lug Den Seume in alle vier Winde trug, Und die Götter nun kämpfen vergebens Gen all' den Teufels- und Höllenquark, Gedankenlahm, doch an Bosheit stark, Der heute noch nagt an unserem Mark, Du Wurm am Stolz unsres Lebens!* — Zornglühend vernahm der Teufel das Wort Und zog durch die klirrenden Fenster Dann fluchend mit seinen Gesellen fort, Vier feuersprüh'nde Gespenster. Die Lampe erlosch im Schwefelgestank Der noch von den Fliehenden niedersank Auf Seume's Rodomontade, Ich aber dachte im Stillen bei mir: Daß selbst der Teufel das Hasenpanier Ergreifen muß vor dem Lügengeschmier, Ist schöner als Schacks Ballade. Am Keifen-Denkmal. Als Napoleon Bonaparte anno dreizehn nach dem Rhein Auf der großen Retirade kam nach Frankfurt an dem Main Und er abseits vor dem Thore mit dem Adjutanten ritt, Hielt urplötzlich er vor einem stolzen Denkmal von Granit. Aufgeschossen wie aus Felsen von echt hessischem Basalt Reckte sich ein Riesen - Würfel hoch empor und wohl- gestalt, Dessen Scheitel bronz'nes Bildwerk sinn- und deutungs ­ voll umfloß, Das aus gallischen Geschützen kunstgerecht ein Meister goß. An den Platten Würfelflächen prangten erz'ner Tafeln vier, Deren Inschrift mehr durch Inhalt glänzte als durch güld'ne Zier. Und der Kaiser hielt und schaute zu den Tafeln und hinauf Zu dem Scheitel von dem Würfel und dem bronz'nen Zierrath d'rauf. Zu dem Sturmbock, beut gewalt'gen, halb von Löwen ­ fell bedeckt, Dessen Königshaupt im Tode noch so wie im Leben schreckt; Zu dem Helm - Koloß, der trutzig auf dem Löwen ­ vließe lag Zwischen Schild und Riesenkenle wie auf Hünen- Sarkophag. ! Und der Cäsar heischet Kunde — lauschet ernst dem Adjutant: j Daß ein Häuflein Hessen-Krieger hier die letzte Ruh- statt fand, Hier wo sie beim Sturm auf Frankfurt fielen ihrer Fahne treu In dem Christmond, an dem zweiten, siebzehnhundert- neunzigzwei. Daß der Preußen König Friedrich Wilhelm, Frank ­ reichs Gegner, dies Denkmal fünfundfünfzig Hessen - Grenadieren setzen hieß, Als der Augenzeuge ihres Heldcnmuth's, mit dem dem Tod Jeder dieser wackren Braven standhaft Brust und Stirne bot. Schweigend höret es der Kaiser — ernsten Blick'ö schaut er dabei Bald zur güld'nen Schrift der Tafeln, bald zur bronz'nen Bildnerei; Der Begleiter aber, der so Ernst wie Schweigen miß ­ versteht, Wagt das Wort: „Sprecht — und dies Machwerk sinkt vor Frankreichs Majestät!“ Da bricht Jener schnell sein Schweigen und sein Auge stammt empört: „Feinde, die da tapfer fielen, sei'n auch noch im Tod geehrt.“ Spricht's und spornt das Roß von hinnen — weg vom Hessen-Monument, Nach der Schrift noch salutierend, die die Fünfund- sünfzig nennt. Ludwig Wahr. Ans alter und neuer Zeit. Q u i d q u i cl delirant Es war im Spätsommer 1842, als der König Friedrich Wil ­ helm IV. von Preußen zum ersten mal nach seiner Thronbesteigung die Provinz Westfalen besuchte. Am 20. August fuhren der König und die Königin mit großem Gefolge von Berlin ab. Die ersten Nacht ­ lager wurden in Magdeburg und Halberstadt gehalten. Am 22. August überschritt das königliche Paar die Grenze von Westfalen und von da reihte sich Fest an Fest. Die Reise gestaltete sich zu einem wahren Triumphzuge. Besonders feierlich war die Aufnahme in Münster, der alten Bischofsstadt. Hier entfaltete sich die ganze Pracht und der glänzende Reichthum des westfälischen Adels, noch verniehrt durch den Pomp der katholischen höheren Geistlichkeit, welche sich zahl ­ reich eingefunden hatte. König Friedrich Wilhelm IV.