242 hatte zahlreiche Gäste geladen. Die Spitzen deß Civil- und Militärbehörden, die Herren Professor Dr. Gräfs, derzeitiger reetor raagnificus, der Universitätskurator Freiherr v. Steinmetz, der Präsident des Landgerichts, der Kommandeur des hessischen Jägerbataillons Nr. 11, Professoren und Offiziere, die Chargirten der Korps Teutonia und Guestphalia bekundeten durch ihr Erscheinen dem Korps ein Interesse, für welches dessen erster Chargirter, Herr 8tuä. Reese, den Dank in schwungvollen Worten alsbald nach Eröffnung des Kommerses auszusprechen nicht verfehlte. Es würde zu weit führen, die Namen all' der Redner aufzuführen oder gar den Inhalt all' der kernigen Ansprachen und prächtigen Reden zu skizzieren, welche den Glanz des Abends erhöhten. Es mag die Bemerkung genügen, daß noch lang nach Mitternacht ein Theil der Damen, welche von der Gallcrie aus das Fest milverherrlichen halfen, sich nicht von dem bunten, und doch so wohl geordneten Treiben, das im Saale unter ihnen herrschte, zu trennen ver ­ mochten trotz des wogenden Tabakqualms. Die Formen eines korpsstudentischen Kommerses sind im Uebrigcn ganz regelmäßige und immer wiederkehrende. Sie wichen auch im vorliegenden Fall nicht von der ge ­ wohnten und oft geschilderten Weise ab. Es mag wohl manch' Einer erst am hellen Morgen nach Hause gelangt sein. Das war vor ­ sichtigerweise vom Festausschuß im Voraus in ernste Erwägung gezogen und zum Katerfrühstück am nächsten Morgen eine so reichhaltige Auswahl von raffinirten Katervertreibungsmitteln zusammengestellt worden, daß binnen Kurzem auch der Melancholischste der Erschienenen die Feststimmuttg wiedererlangte. Auf den Veranden des Korpshauses und im Garten nahm das Kater ­ frühstück bis zum Nachmittag einen sehr fröhlichen Verlauf. Allgemeines Interesse erregte das während desselben angeordnete Kontrafechten. Leider war die Fäßchenpartie nach Spiegelslust, welche sich anschloß, nicht so sehr vom Wetter be ­ günstigt, wie man es hätte wünschen können. Wenn dasselbe auch der Fröhlichkeit wenig Abbruch that, so war man doch zeitweise verhindert im sich Freien der herr ­ lichen Aussicht in das Lahnthal neben den materiellen Genüssen erfreuen zu können. Unter den Klängen der Musik kehrte spät Abends das Korps zurück. Der nächste Tag war ursprünglich zu einer Partie nach dem alten Mensurlokal des Marburger und Gießener 8. 0., der Ruine Stauffenberg bestimmt. Wahrscheinlich auf Anrathen eines der ältesten der Korpsbrüder, des Herrn Landraths Seyberth aus Biedenkopf, war nachträglich dies hübsch gelegene und bessere Unterkunft und Verpflegung bietende Städtchen im Hinterland gewählt worden. Der anfänglich strömende Regen hatte viele der alten Herren von der beabsichtigten Betheiligung abgehalten; immerhin waren es etwa 50 Hessen-Nassauer, welche unter Führung des vorerwähnten alten Herrn in Biedenkopf einzogen, zunächst das Städtchen, später die dasselbe krönende Burg in Augenschein nahmen und alsdann der fidelen Marburger Festlaune den letzten Ausklang liehen. Schon einmal und zwar zum 45jährigen Stiftungsfest im Jahre 1884 hatten die Biedenkopfer verwundert eine so große Anzahl Studenten und darunter „ganz alte“ bei, sich einziehen sehen. Ihr Erstaunen mochte aber wohl den Gipfel erreichen, als sie ihren eigenen würdigen Herrn Landrath in Band und Mütze unter denselben erblickten. Am Abend und nächsten Morgen verließen die von fern her nach Marburg geeilten alten Herren die freundliche Musenstadt. Das Fest in seinen durch keinen Mißklang gestörten Verlauf wird Allen für immer in froher Erinnerung bleiben. Wünschen wir, daß das Korps in derselben Eintracht mit seinen alten Herren, m derselben Stärke, treu festhaltend an überlieferten, bewährten Traditionen auch das 75jährige Stiftungsfest feiern möge. K. Aus Aeimath und Fremde. Ihre Majestät die deutsche Kaiserin Augusta Victoria hat am 7. August Schloß Wilhelmshöhe nach achttägigem Aufenthalte daselbst wieder verlassen, um nach Berlin zurückzukehren. Wiederholt ist sie hier in Kassel gewesen und hat die hiesigen Sehenswürdigkeiten in Augenschein genommen. U. a. hat sie die Bildergallcrie, die Ausstellung für Jagd, Fischerei und Sport, das Diakoniffenhaus, u. s. w. mit ihrem Besuche beehrt. Der Eindruck, welchen die Kaiserin von unserer Stadt gewonnen, scheint ein recht günstiger zu sein. Der Kronprinz Wilhelm und seine Brüder, die Prinzen Eitel Fritz, Adalbert und August Wilhelm werden noch einige Zeit aus Schloß Wilhelmshöhe verweilen. Unser Kasseler Landsmann, der Landesvcrmessungs- rath Johann August Kaupert in Berlin, unter dessen Leitung die erste Vermessung der Reichslande eben vollendet wurde, ist von der philosophischen Fakul ­ tät der Universität Straßburg zum Ehrendoktor ernannt worden. Geboren i. W. im Jahr 1822, Sohn des am 2. Sept. 1863 zu Kassel verstorbenen Gold- und Silberarbeiters Christian Wilhelm Kaupert, und Bruder des berühmten Bildhauers Professor Gustav Kaupert in Frankfurt a/M, zählt I. A. Kaupert zu den hervorragendsten Kartographen unserer Zeit. Mit Hilfe von N. Hildebrand, Cäsar, Reuter u. A. hat er auf 112 Blättern eine Niveaukarte von Kurhessen herausgegeben, welche 1657 von C. Armann in Kassel lithographirt wurden; ebenso hat er die Generalkarte von dem Kurfürstenthum Hessen, bearbeitet von dem topographischen Büreau des kur-