227 Preußen und Einführung der neuen Gerichts ­ ordnung im Jahre 1867 wurde er zur Disposition gestellt. Im Jahre 187! wurde er zum Kurator der Landesbibliothek zu Fulda bestellt, welchem Ehrenposten er bis zuletzt vorstand. Diese kommunal ­ ständische Anstalt verdankt ihm treffliche Bücher- Anschaffungen, bei denen er nichts weniger als einseitig vorging, vielmehr möglichst gleichmäßig alle jene Zweige der Wissenschaften, die hier in Betracht kommen, berücksichtigte. Bis zu seinem Lebensende verblieb er geistig frisch und interessirte sich leb ­ haft für juristische und auch politische Fragen, dagegen war er körperlich schon seit längerer Zeit schwach ge ­ worden, so daß er, um frische Luft zu genießen und seine Geschäfte besorgen zu können, sich in einem Rollstuhle fahren lassen mußte. Mag er auch von der Neigung zur Rechthaberei nicht freizusprechen sein, so verdient andererseits sein ehrlicher, aufrichtiger und biederer Charakter, sein wohlmeinender Sinn, die vollste Anerkennung. Friede seiner Asche. — Am 31. Juli verschied nach langem schweren Leiden im 78. Lebensjahre zu Rothenditmold bei Kassel der Generalmajor a. D. Freiherr Ludwig Schenk zu Schweinsberg. Senior der von Schenk'scheu Familie. Der Verblichene war der letzte km hessische Kommandant der Residenzstadt Kassel im Jahre 1866. Noch einmal d as „E h r e n b ü ch l e i n. tt Meine Besprechung des »Hessischen Ehrenbüchleins« in Nr. 11 des ,Hessenland« hat eine wüthende Ent ­ gegnung in den ..Hessischen Blättern« vom 15. Juni d. I. zur Folge gehabt, auf die ich nicht gut eher antworten konnte, da ich mehr als vier Wochen von Kassel abwesend war und das betreffende Blatt erst nach meiner Rückkehr zu Gesichte bekam. Was mich vor allen Dingen dabei wundern muß, ist der Umstand, daß nicht der Verfasser des famosen „Ehrenbüchleins« selbst, den ich nachträglich aus Kürschners Deutschem Litteratur - Kalender eruirt habe, nämlich der Herr Major a. D. v o n Pfister, Docent an technischer Hochschule für Russisch und Waffeulehre in Darmstadl, sondern ein unberufener Dritter, unterzeichnet mit den viel ­ deutigen Buchstaben v. S., sich gemüßigt sieht, gegen meine Kritik eine Lanze zu brechen. Es ist dies ein bedenkliches Zeichen für das Schuldbewußtsein des Verfassers! Nun könnte mich sowohl die Form wie der In ­ halt der Entgegnung einer Erwiderung leicht über ­ heben, denn ich halte es für weit unter meiner Würde, auf die niedrigen Beweggründe, die man meiner Be ­ sprechung unterzuschieben versucht, auch nur ein Wort zu erwidern. Derartige anonyme Verdächtigungen schaden nicht mir, sondern ihrem eigenen Urheber. Daß er mich aber unter Zuhilfenahme der bekannten und bei Kindern üblichen „Retourchaisen« einen Dilettanten nennt, zeigt höchstens, daß ihm der Begriff eines solchen abgeht*). Wenn ich nun trotz alledem jetzt noch ein Mal das Wort ergreife, so geschieht dies, um den einzigen positiven Punkt der Entgegnung herauszunehmen, welcher etwas Handgreifliches vorbringt und den Versuch einer Widerlegung meiner Ausstellungen mack)t, indem man mir selbst Unkenutniß der Thatsachen vorwirft. Es heißt da: »Hier verräth nun Herr Brunner große sachliche Unkeuntniß (nämlich in der Geschichte des Verhältnisses Landgraf Wilhelms VIII. und seines Sohnes Fried ­ rich zu König Friedrich II. von Preußen). Er muß doch noch fleißiger excerpiren, und vor allem nicht bloß einseitige Quellen. Diese Excerpte fangen auch erst mit dem 23. Merz 1743 an. Er weiß nichts von dem Briefwechsel zwischen dem Land ­ grafen und dem Herzoge von Braunschweig aus dem Winter 1740/41 ; nichts vom Lager bei Hameln, wo ein Heer von Hessen, Hannoveranern, Dänen unterm Landgrafen zusammengezogen war, um auf Berlin zu marschiren« u. s. w. Alles, was hier gesagt ist, hat mit der Sache, um die es sich handelt, sehr weirig zu thun, und dürfte nur geeignet sein, unbefangene Leser irre zu führen. Eine Vergleichung meiner in Nr. 11 dieser Zeitschrift, S. 168, gemachten Einwendungen gegen die Ausführungen auf S. 42 des »Ehren ­ büchleins« wird dies jedem klar machen. Wenn der Verfasser dort sagt, Landgraf Wilhelm habe im Jahre 1740 einen Brief an den Herzog Karl von Braunschweig geschrieben und darin die Politik König Friedrichs II. verurtheilt, so wäre es seine Pflicht gewesen, anzugeben, wo dieser Brief sich befindet. Das thut er nicht, und seine Angabe verdient, weil unbelegt, keine weitere Beachtung. Zugegeben aber auch, der Landgraf habe that ­ sächlich einen solchen Brief im Jahre 1740 geschrieben, so hat er dagegen unzählige freund ­ schaftliche Briefe an Friedrich den Großen ge ­ schrieben, die alle in der „einseitigen« Quelle, nämlich in der politischen Korrespondenz dieses Königs nachgesehen werden können. Da nun letztere aller- *) Damit hierüber kein Zweifel besteht, will ich diesen Begriff kurz feststellen. Ein Dilettant ist eine Person, die sich mit Sachen beschäftigt, welche außerhalb ihres Berufes liegen; so z. B. wenn einer, statt Russisch und Waffenlehre an technischer Hochschule vorzutragen, in Germanistik und Geschichte hineinpfuscht, ohne noch dazu die Ergebnisse neuerer Forschung zu verstehen, und die er deshalb einfach negirt. Da mir meine amtliche Stellung aber die Be ­ schäftigung mit Geschichte zur Pflicht macht, so kann man mich keinen Dilettanten nennen. Wenn Herr v. S. bezw. sein Mandant außerdem das, was ich bis jetzt geschrieben habe, nicht kennen, so ist das höchstens ein Beweis dafür, daß sie sich um die Erscheinungen der letzten Jahre auf dem Gebiete der hessischen Geschichte überhaupt nicht gekümmert haben.