217 verschiedene Stücke spielt und die klangvollen Töne hervorbringt, die während des Springens der Kaskaden gehört und den unterhalb der ge ­ dachten Grotte angebrachten 2 Stein-Figuren, einem Zentauren und einem Tritonen oder Faun, welche beide auf Muscheln zu blasen scheinen, zugeschrieben werden. Die Herstellung aller dieser Arbeiten verschlang die Summe von etwa 30000 Thalern. Friedrich II. war es nicht vergönnt, die von ihm im Sinne seines Vorgängers Karl geplanten Bestrebungen vollständig auszuführen. Sein Sohn und Nach ­ folger Wilhelm IX., als Kurfürst Wilhelm I. genannt (1785—1821), trat jedoch in dieser Hin ­ sicht in seine Fnßtapfen ein und, sonst so spar ­ sam und manche vom Vater getroffene Einrichtung als zu kostspielig aufgebend, wandte er dessen Bauplänen, namentlich bezüglich des Schlosses Weißenstein, eine erhöhte Aufmerksamkeit zu. Ja er verfuhr sogar in durchgreifender Weise, da wahrscheinlich die bisher vorgenommenen Aus ­ besserungen sich nicht als ausreichend gezeigt hatten, ließ das Schloß Weißenstein abbrechen und ein von Grund aus neues Schloß aufführen (1787), nach ihm Wilhelmshöhe genannt (1798)'). Dasselbe besteht gleich dem früheren aus einem Hauptgebäude und zwei damit durch Bogengänge verbundenen Seitengebäuden, letztere von dem durch verschiedene Bauten in der Stadt berühmt gewordenen Ober-Baudirektor Du Rh, und ersteres von seinem nicht minder bedeutenden Nachfolger I u s s o w insgesammt in altrömischer Bauart aufgeführt, dreistöckig mit platten italienischen Dächern, die Seiten schmal und halbzirkelförmig gerundet und mit je 6 jonischen Säulen. Zu beiden Seiten einer jeden Rundung sind Nischen, in welche am nördlichen Flügel (nach dem Gasthofe hin) 4 die 4 Tageszeiten darstellende Statuen: Aurora, Apollo, Luna, Hesperus, hingestellt wurden. Die Nischen am südlichen Flügel wurden ursprünglich leer gelassen, sollten aber gleichfalls noch mit Statuen geziert werden. Später wurden aus jeden Flügel über ­ haupt nur 2 aufgestellt, auf den nördlichen Aurora und Apollo, auf den südlichen Luna und Hesperus. Zu beiden Seiten der steinernen Haupttreppen ') Anzeige des Gouvernements v. 21. Aug. 1798 bekannt geinacht in der Polizei- u. Commercien-Zeitung vom 3. Sept. 1798. S. Sainmlung Fürst!. Hess. Landesordnungen Theil VII S. 785. Anmerk. — vgl. Kassel und die umliegende Gegend. Eine Skizze für Reisende. Kassel 1792 S. 99 fg. 2. Ausl. 1796 S. 99 fg. Kurze Beschreibung von, Weihenstein bei Kassel. 1797 S. 1. fg. W. Döring: Beschreibung des Kurfürst!. Landsitzes Wil ­ helmshöhe bei Kassel — Kassel 1804. S. 5. fg. nach dem Walde, bezw. nach dem' Riesenschlosse hin, liegen kolossale Löwen. Das Hauptgebäude hat sowohl in der nach dem Walde hin gelegenen Seite, als auch in der Vorder-Seite nach Kassel zu 6 große freistehende Säulen jonischer Ordnung, welche einen Portikus tragen, in der Vorderseite mit der Inschrift: Wilhelmshöhe, auf der Rückseite : Wilhelmus IX. condidit. (s. jedoch Forts.) Haupt- und Nebengebäude sind beide, zum Unterschiede vom vormaligen Schlosse Weißensteiu, zum Wohnen eingerichtet und enthalten eine Menge hübsch eingerichteter und zum Theil pracht ­ voll ausgestatteter Zimmer und Säle. Das Haupt ­ gebäude hat in der Mitte der Bedachung eine runde 48 Fuß hohe mit Kupfer gedeckte Kuppel, die in der Höhe den gestirnten Himmel, an der Seite die Bildnisse sämmtlicher Regenten vom Stammvater Heinrich dem Kinde an, (inzwischen bis zum letzten Kurfürsten Friedrich Wilhelm fortgeführt) und über denselben das hessische Wappen mit den sich durch die fortlaufenden Gebiets-Erwerbungen ergebenden Entwicklungen desselben enthält. Von den Seitenflügeln ist in dem südlichen die reichhaltige Schloß-Bibliothek, in dem nördlichen die Schloß-Kapelle. Gottesdienst wurde in dieser gehalten anfänglich vom Pfarrer zu Kirchditmold'), später von dem der Altstädter Gemeinde zu Kassel und in neuester Zeit von dem der dortigen Hofgemeinde. Auf der an den nörd ­ lichen Flügel angrenzenden und durch Kastanien ­ bäume beschatteten Esplanade wurde für größere Hoffeste das Ballhaus erbaut. Wilhelm IX. hat in seinem Schlosse Wilhelms ­ höhe sich ein bleibendes, herrliches Denkmal ge ­ schaffen, das umgeben von reichen Natur-Schön ­ heiten, auch durch seinen soliden Bau und seine kunstreiche Gestaltung die Bewunderung des Be ­ schauers erweckt, er hatte aber auch das große Glück, zur Vollführung seines Werks eine Reihe von Männern zur Seite zu haben, welche in der Kunstgeschichte einen guten Klang sich errungen haben. Abgesehen von den bereits genannten Baumeistern, von denen die Pläne ausgegangen, sind hier zu nennen: Die Bildhauer Naht und Ruhl als Verfertiger der Statuen, der Löwen und anderer Figuren, sowie die Maler-Familie Tischbein, insbesondere der ältere Tischbein (gestorben als Direktor der Kunst-Akademie zu Kassel am 22. August 1789), dessen Gemälde haupt ­ sächlich die griechische und römische Sage und Geschichte zum Gegenstände hatten. (Forts, folgt.) 9 Ledderhose, Beyträge (Kassel 1781) S. 52: zuerst am 9. Okt. 1768. i-äH'