214 Wand graf zu Kessen, Wurfürst und Erzbischof von Köln. Von Hugo Vrunner. (Fortsetzung. Landgraf Heinrich, dem zu Hause in der Zeit seiner Abwesenheit ein Sohn geboren war, ging nach Marburg zurück zu den Tauffcier- lichkeiten. Ein Theil des Belagerungsheeres von Linz, vermuthlich die aufgebotenen Reichs ­ fürsten , folgten ihm, während die hessischen Söldner zur Verfügung der Stadt Köln blieben.') Denn die Kölner rüsteten mit aller Macht. Sie setzten die Stadt in Vertheidigungszustand, wandten sich um Hilfe an die Kurfürsten von Mainz und Trier und ließen durch be ­ nachbarte Söldnerhauptleute ausgedehnte Wer ­ bungen veranstalten. Den Kardinallegaten Marcus gingen sie noch einmal niit der Bitte um Vermittelung zwischen ihnen und dem Erz ­ bischof an, allein vergeblich. 2 ) ~ Drohend, wie mit gezücktem Schwerte, stand Herzog Karl von Burgund bei Mastricht in ­ mitten eines zahlreichen und gewaltigen Heeres, und es war ungewiß, wen er zuerst treffen würde. Aber in der größten Noth schwebte doch die Stadt Neuß, der der erste Stoß des Feindes gelten mußte. Um die Mitte des Monats Juli hatte der Herzog ihr heimlich einen außerordentlichen Gesandten in der Per ­ son des Ritters Robert von Arburch zugeschickt und ihr Schutz und Schirm, ja Befreiung von der erzbischöflichen Herrschaft in Aussicht ge ­ stellt, wenn die Bürger sich gutwillig unterwür ­ fen. Doch der Rath antwortete ausweichend: gern würden sie sich der Treue des Herzogs an ­ vertrauen, wenn sie nicht schon ihren Streit mit dem Erzbischof in die Entscheidung des heiligen Stuhles und des Kaisers gestellt hätten. Eben ­ so war der Versuch Roberts, die Rathsherren heimlich und einzeln zu bearbeiten, klüglich ge- ') Zeitschr. für Hess. Gesch. VI, 15 Anm.— vgl ll, 177. Nach der an den Abt von Hersseld ergangenen Einladung zur Taufe sStand. Landesblbl. Mss. Hass. fol. 109) wollte der Landgraf schon den 24. Juli wieder in M. sein; er ritt aber erst am 1. August wieder von Köln ab iNeujahrsblatt f. Franks. Gesch. 1877, S. 71). ^Mittheilungen aus dem Stadtarchiv von Köln, hgg. von Konst. Höhlbaum, H. Vlll, S. 3 u. 4. S. Nr. 11). scheitert, denn „man fürchtete den Schuß ans der französischen Kanone, welche mit goldenen Kugeln schießt." *) Nunmehr aber durften sich die Ncußer nicht mehr über das täuschen, was ihnen bevorstand. Sie entsandten etliche ihrer Rathsherren nach Köln an das Domkapitel und an den Rath der Stadt, um sich über deren Beistand Gewißheit zu verschaffen; denn die Sorge um den Kölner Handel ließ besonders den letzteren nur schwer zu einem Entschluß kommen?) Endlich aber willigten sie ein. Landgraf Her ­ mann ging in eigener Person mit einer beträcht ­ lichen Anzahl adeliger Vasallen des Kapitels und einer zahlrenhen Schaar von Söldnern, die zum größten Theile aus den von L. Heinrich zürück- gelassenen Hessen bestand, nach Neuß ab, um die Vertheidigung der Stadt selbst zu leite». Die Zahl der Streiter, welche er anfangs mit sich nahm, können wir aus etwa 1800 beziffern. Darunter waren 600 hessische Reisige und etwa 1000 zu Fuß. Später wuchs die Zahl der fremden Söldner in Neuß bis auf 3000 an. a ) Die Zahl der wehrhaften Bürger wird nicht angegeben, war aber gewiß nicht unbeträchtlich. Das Hauptkvntingent zu dem hessischen Fußvolk stellten die Städte Kassel, Witzenhansen, Wvlf- hagen, Allendorf, Schmalkalden, Marburg, Wetter, ') Magnum Clironicon Bel gi cum (Scrip- tores Rerum Germ. ex. bild. J. Pistorii, 111,411). *' Ebenda; vergl. auch Höhlbaums Mittheilungen a. a. O. S. 3. 3 ) Die hessischen Chronisten geben über Anstimmend 1500 Mann als das hessische Kontingent an, Lauie be ­ sonders 1000 z. F. und 500 z. R. — Der Basler Chronist Joh. Knebel sBasler Chroniken II. 163) nennt nach einem Kölner Briefe 600 reisige Hessen gegenüber 1500 Fußsol ­ daten aus verschiedenen Nationen, und als Gesamtsumme 2500. Das Nagn. Chrom Belg, und der franz. Ge ­ schichtsschreiber Co mines (Memoires, 1. IV. c. 1.) geben die Stärke der Besatzung auf 1800 Mann an. Letzterer sagt von den Hessen, sie waren „tres gens de bien, et aussi ils le monstrerent.“ Bgl. übr. noch die Zlschr. s. Hess. Gesch. VI, 15. — L öhre r, Gesch. der Stadt Neuß, S. 145, und A n n a l e n des Vereins s. d. Gesch. des Niederrheins, Jahrg. 1887.