196 regierte ein in Schwelgerei und Ueppigkeit lebender Fürst. Mit ihm waren Tausende von Hungerleidern ge ­ kommen, welche nun das Mark des Landes verzehrten." Je weiter Stteibelein in seinem Traum kam, desto gespannter wurden die Mienen der Zuhörer, und ihre Blicke richteten sich auf den Uuterpräfekten, der un ­ ruhig auf seinem Stuhle hin und her rückte und über ­ legte, ob er dem hochverräterischen Lästermaul nicht einen Platz hinter Schloß und Riegel anweisen solle. Der Redner aber fuhr, unbeirrt durch das Benehmen seiner Tischgenossen also fort: „Ueberall, wohin ich blickte, sah ich Schergen und Polizeispione, die jeder freien Aeußerung nachspürten, um sie zur Anzeige zu bringen. Ja, ich selbst fühlte mich von Gendarmen ergriffen, die mich ins Gefängniß schleppen wollten. Indem ich nun mit aller Anstrengung meiner Kräfte mich aus ihren Armen frei zu machen suchte — wachte ich auf und sah das Licht des Tages in mein Schlaf ­ zimmer fallen. O wohl mir, rief ich aus, daß das was ich eben gesehen, nur ein böser Traum war, daß wir vielmehr unter der Regierung des gütigen Königs Jerome leben und heute seinen Geburtstag feiern! In diesem Gefühl, meine Herrn, lassen Sie uns die Gläser erheben und stimmen Sie mit mir ein in den begeisterten Ruf: Se. Majestät, unser allergnädigster König Jerome, lebe hoch und abermals hoch und zum dritten Mal hoch!" Die Anwesenden konnten nicht umhin, obgleich mit sehr verschiedenen Empfindungen, in den Ruf einzu ­ stimmen, Streibelein aber feierte seinen Triumph mit mehr als einem Glas Wein. — Nach der im Späl- herbst 1813 erfolgten Rückkehr des Kurfürsten Wil ­ helm I., dem er drei seiner Söhne als Soldaten zu ­ führte und dabei vorstellte, daß er nur wegen seiner hessischen Gesinnung abgesetzt worden sei, erhielt er wieder eine Pfarrstelle und, soviel bekannt, hat er diese würdiger als die frühere verwaltet. K. W. Aus Heimat!) und Fremde. Das soeben erschienene Juliheft der „Deutschen Rundschau" enthält die zweite Fortsetzung von Julius Rodenberg's „Franz Dingelstedt. Blätter aus seinem Nachlaß." Diesmal be ­ schäftigt sich Julius Rodenberg mit Dingelstedt's Leben und Wirken in Kassel, wo dieser als wohl ­ bestellter Gymnasiallehrer am 13. April 1836 ein ­ traf und bis zum Herbste 1838 verblieb. Hochinter ­ essant ist diese Schilderung, die uns zunächst ein prächtiges Bild von dem humorvollen Treiben Dingel ­ stedt's und seiner Freunde V. E. Freys, Eduard Wiegand, Friedrich Oetker u. s. w. in dem von ihnen eines fröhlichen Abends des Jahres 1838 gestifteten „Fürstentage" entwirft. Sie hatten unter sich und ihre Freunde „die schöne Welt" vertheilt, und zwar folgendermaßen: Wiegand war Kaiser von Oesterreich, Oetker König von Schweden und Norwegen, Dingelstedt — die jungfräuliche Königin von Eng ­ land! Freys war Erzbischof sämmtlicher erledigter Bisthümer und zugleich Erzkanzler sämmtlicher Poten ­ taten. Als Primas yon Canterbury salbte er die jungfräuliche Königin von England, wobei solch ein Lärm mit einer Trommel und Trompete die ganze Nacht verübt wurde, daß der gegenüberwohnende Polizei-Lieutenant drohte, im Wiederholungsfälle alle gekrönten Häupter zur Wache sistiren zu lassen. Die regelmäßigen Zusammenkünfte fanden abwechselnd bei den Potentaten statt, die sich untereinander „Oester ­ reich", „Schweden", „Frankreich" rc. nannten und zu den resp. Geburtstagen in Gala, d. h. in Schlaf ­ rock und Pantoffeln, erscheinen mußten. — Doch man lese selbst. — Hiernach folgt der Briefwechsel Dingelstedt's mit dem General von Bardeleben in Rinteln, der uns tiefe Einblicke in das von innerem Unfrieden und Zwiespalt bewegte Gemüthsleben Dingelstedt's und in den ehrenhaften Charakter des wohlwollenden, geistig hochstehenden und hochgebildeten Generals gewährt. — Wir können Julius Roden ­ berg nicht genug dankbar sein für seine Veröffent ­ lichung dieser Blätter aus dem Nachlasse Franz Dingelstedt's, durch die der geistreiche Verfasser uns den Dichter in neuem wahren Lichte erscheinen läßt. — Unserem Kasseler Landsmann, dem rühmlich be ­ kannten Maler Louis Katzen stein, ist auf der internationalen Gemälde-Ausstellung im Krystallpalast zu Oporto- für sein Bild „An der Toilette" die goldene Medaille mit Diplom zuerkannt worden. — Die lange Zeit zweifelhafte Entscheidung über die Sababurg scheint schon vor meh ­ reren Wochen gefallen zu sein. Sind wir recht unterrichtet, so ist sie gegen die unversehrte Er ­ haltung dieses alten hessischen Jagdschlosses, an welches sich so viele uns theure althessische geschicht ­ liche Erinnerungen knüpfen, gerichtet. Die Thürme und Mauern sollen, so heißt es, in ihrem bisherigen Zustande erhalten, die übrigen Theile dagegen nieder ­ gelegt werden, und soll mit den betreffenden Ar ­ beiten bereits begonnen worden sein. Wir bedauern diesen Entschluß, bei dem wohl die Kostenfrage im Vordergründe steht und den Sieg über das historische Interesse davon getragen hat. Krieskasten. D. 8. Frankfurt a. M. Die Fortsetzung der historischen Abhandlung „Hermann, Landgraf zu Hessen, Kurfürst und Erzbischof von Köln", folgt in der ersten Angustnummer unserer Zeitschrift. G. v. P. Marburg. Erhalten. Wird s. Z. benutzt werden. Besten Dank und freundlichsten Gruß. H. K. Wetzlar. Unmöglich. Verantwortlicher Redakteur und Verleger F. Zwenger in Kassel. — Druck von Friedr. Scheel in Kassel.