194 die rechtmäßige Landesregierung in Knrhessen wieder hergestellt worden war, wurde er von dieser durch ein Reskript vom 31. Mai 1814 in seinem Lehramt bestätigt. Professor Mackeldey hatte nach und nach den Kreis seiner Vorlesungen sehr erweitert. Er las über juristische Encyklo ­ pädie , Institutionen, Pandekten, gemeinen deutschen Civilproceß, während der westphülischen Zeit über den Code Napoleon und französische Rcchtsgeschichte, später auch über deutsches Privat- und Lehnrccht. Die Ablehnung verschiedener vortheilhafter Berufungen, die an ihn in den Jahren 1816 und 1817 von auswärtigen Hoch ­ schulen ergingen, hatte zur Folge, daß er Gehalts ­ zulage erhielt und ihm der Titel „Hofrath" verliehen wurde. So verlebte er in dem ihm lieb und theuer gewordenen Marburg nun die glücklichsten Jahre seines Lebens. Hier fand er seine liebsten und treuesten Freunde, hier ver- heirathete er sich am 14. Mai 1816 mit Mathilde von Wedell, zweiter Tochter des 1807 zu Biele ­ feld verstorbenen k. preußischen Generalmajors von Wedell, und Dame des k. preußischen Luisen- ordcns, mit welcher er in der gesegnetsten Ehe lebte. Professor Mackeldey nahm unter den Professoren der Universität Marburg eine der ersten Stellen ein, er galt für eine Zierde der Hochschule und war hochangesehen in allen Kreisen der Gesellschaft. Die Studenten hingen mit einer wahren Verehrung an ihm. Seine Vor ­ lesungen waren die besuchtesten Marburgs, seine Vorträge über Institutionen und Pandekten waren, wie einer seiner Biographen schreibt, „vorzüglich darauf berechnet und geeignet, durch Erzeugung klarer und fester Begriffe den jungen Anfänger einzuführen in das große und schwierige Gebiet des römischen Rechtes, ein gründlicheres Verständniß desselben vorzubereiten und unter Benutzung des historischen und philologischen Elements, soweit es zur Ermittelung und Be ­ gründung des darzustellenden juristischen Dogmas gereichte, ihn für ein tieferes Selbststudium zu beleben und geschickt zu machen. Und an dem größten Theile seiner Zuhörer ist ihm das gewiß geglückt. Viele, die später zu hohen Stellen und Würden gelangten, verdankten seiner Führung ihre juristische Bildung und praktische Brauch ­ barkeit, und wohl keiner hat seine Vorlesungen ohne Nutzen besucht." Sein Vortrag wird als glänzend gerühmt, er verstand es, trotz seiner Taubheit, seiner Stimme die erforderliche Modu ­ lation zu geben, und denselben neben dem lehr ­ reichen Inhalte zugleich so anziehend zu gestalten, daß ein heute noch in Marburg lebender, bei dem hohen Alter von 88 Jahren noch vollständig geistig frischer und körperlich rüstiger ehemaliger Zuhörer des Professors Mackeldey, ein alter Burschenschaftler seines Zeichens, lobend hervor ­ zuheben pflegt, daß es eine Lust gewesen sei, seine Vorlesungen zu besuchen. ' Die ­ sem alten Herrn, der über ein ausge ­ zeichnetes Gedächtniß verfügt, verdankt der Schreiber dieses Artikels manche Mittheilung aus dem Leben des Prosessors Mackeldey, unter anderem auch folgende Anekdote: Professor Mackeldey hielt seine Kollegien in dem Richard- schen Hause an dem Fuße des Schloßbergs hinter der katholischen Kirche. Im Sommersemester 1818 war sein Kolleg über Pandekten so besucht, daß das bisher benutzte Lokal nicht ausreiste, die Zuhörer aufzunehmen, es mußte noch ein anstoßendes Zimmer dazu benutzt werden. In diesem befand sich nun ein s. g. Wasserständer, stud. zur. Plaut, ein kleiner verwachsener Jude, der nachmals in den 40er Jahren mit seinem Freunde Gosen ein Antiquariatsgeschüst in der Untergasse betrieb, benutzte nun in der ersten Vorlesung des Semesters diesen Wasserstünder, um darin in Bequemlichkeit den Vortrag nach ­ zuschreiben ; er kroch in denselben, vielleicht wurde er auch von seinen übermüthigen Kommilitonen hineingehoben, breitete sein Heft ans dem um ­ geschlagenen Deckel aus, steckte sein hörnernes Stacheltintenfaß, wie es damals gebräuchlich war, ein und lauschte mit Eifer den Worten des Professors. Das erregte nun eine großartige Heiterkeit unter den anderen Zuhörern, die aus dem Lachen nicht herauskommen konnten. Dem Professor Mackeldey fiel dies auf, und da er sich den Grund zu diesem ungestümen Gebühren seiner Herrn Studiosen nicht erklären konnte und annehmen mußte, dasselbe gelte ihm selbst, so wurde er schließlich ungehalten und war eben im Begriff, das Katheder zu verlassen und die Vorlesung zu schließen, als einer seiner Zuhörer ihm auf einem Zettel schriftlich die Ursache der allgemeinen Heiterkeit mittheilte. Da war es dann der Herr Professor selbst, den diese komische Situation des Stud. Plaut höchlich belustigte, und der herzlich in das allgemeine Lachen mit einstimmte. (Schluß folgt.)