189 Mit diesen Versen beginnt unser genialer hessischer Dichter Friedrich Hornfeck') in den „Rheingauer Fresken" sein prachtvolles Gedicht „Johannisberg", und volles Recht hat er dazu. Mit der Geschichte des Johannisbergs haben sich viele Schriftsteller, namentlich zu Ende des vorigen und zu Anfang dieses Jahrhunderts, mit Vorliebe beschäftigt. Wir wollen hier nur Bär, Bodmann, Becker, Schlereth, Dahl nennen; auch unser hessischer Historiker Georg Landau hat darüber in Ersch und Gruber's „Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste" einen kurzen Artikel veröffentlicht. Eine ausführlichere Schilde ­ rung findet sich in Eh. von Strambcrg's „Rheinischem Antiquarius". An der Hand dieser Schriften lassen wir hier zunächst eine gedrängte Uebersicht der Haupt- momente aus der Geschichte des Johannisbergs folgen, um daun in unserem nächsten Artikel dem Johannisberger Wein unsere Betrachtung zu widmen. Im 11. Jahrhundert lebte zu Winkel Graf Richolf, der mit Dankmud, einer Tochter Dudos von Lorch, vermählt war und mit dieser zwei Kinder, Ludwig und Werntrnd, erzeugt hatte. Die Eltern bestimmten diese zum klösterlichen Leben und errichteten denselben 1090 zwei Zellen auf dem Bischofsberge. Als Erzbischof Ruthard II. von Mainz im Jahre 1105 aus Thüringen zurückkam, wohin er sich mit seinem Schwager, dem Grafen Richolf, um der Ungnade des Kaisers Heinrich IV. zu entgehen, geflüchtet, ließ er 1106 an der Stelle, wo jene beiden Zellen ge ­ standen hatten, ein Benediktiner-Manns- und Frauen-Kloster — ein sogenanntes Doppelkloster -- erbauen. Werntrnd und Ludwig traten ein in dieses Kloster, welches sie reichlich beschenkten. Nach Vollendung des Klosterbaues weihte der Erzbischof Ruthard die Kirche zu Ehren des hl. Johannes, beschenkte dieselbe gleichfalls und unter ­ warf sie der bei Mainz gelegenen Abtei St. Alban, aus welcher er das Kloster mit Mönchen besetzte. Nachdem Ruthard 1109 gestorben und auf dem Bischofsberge beigesetzt war, begaben sich auch Richolf und Dankmud in das Kloster und schenkten ihm alle ihre Güter. Erzbischof Adalbert erhob dasselbe 1139 zu einer selbstständigen Abtei, i) Friedrich Hornfeck, gebore» am 22. Mai 1822 zu Salmünster, gestorben ain 27. November 1882 zu Frank ­ furt a. M., war ein gottbegnadeter Dichter. Er zählt zu de» besten Poeten unseres engeren Vaterlandes. Nennt man die Dichter Ernst Koch, Franz Dingelstedt, Julius Rodenberg, so darf man getrost auch Friedrich Hornfeck hinzufügen. welche von nun an Johannesberg') genannt lvnrde. Er bewilligte derselben die freie Abtswahl, die Taufe und die Beerdigung der Gläubigen und die Befreiung ihrer Leute von allem Gerichts ­ zwang der Vögte und erzbischöflichen Beamten. Später erhielt der Abt auch das Recht, die Insul zu tragen. Allmählich stieg Johannisberg zu dem reichsten Kloster im Rheingau empor, später jedoch rissen Trägheit und Unsittlichkeit ein und bittere Armuth trat an die Stelle des ehemaligen Reichthums. Da wurde das uur durch eine Mauer geschiedene Doppelkloster im Anfang des 15. Jahrhunderts getrennt, das Nonnenkloster an den Fuß des Johannisbergs verlegt und da ­ selbst eine dem hl. Nikolaus geweihte Kapelle erbaut. Das Kloster und die Kapelle wurden nunmehr die „Klause" genannt und diese unter die Aufsicht des Abi.s auf dem Johannisberge gestellt. Aber auch diese Trennung scheint den erwünschten Erfolg nicht gehabt zu haben. Schon im Jahre 1452 hatten die üble Wirthschaft und das Sittenverderbniß beider Klöster abermals so überhand genommen, daß sich Erzbischof Dieterich genöthigt sah, eine Untersuchungs-Kommission zu ernennen und in Folge des von dieser erstatteten Berichts die „Klause" alsbald aufzulösen, die Nonnen mit einer Pension zu entlassen und die Klausen-Güter dem Kloster Johannisberg wieder einzuverleiben. Die damalige Aebtissin Lntgard von Schwalbach verließ sofort die Klause und ging in das Kloster Ruppertsberg, die übrigen Nonnen, deren es nur noch drei gewesen sein sollen, weigerten sich aber, die Klause zu ver ­ lassen, und konnten erst, nachdem sie vom Erz ­ bischof exkommunicirt waren und dieser Kirchen ­ bann in den benachbarten Gemeinden zu Winkel, Geisenheim, Oestrich, Elfeld, Johannisberg, Rüdesheim und Algesheim verkündet worden war, zum Austritt vermocht werden. Nach er ­ folgter Räumung wurden die Gebäulichkeiten der Familie von Schönborn überlassen und nunmehr die Schönborner Klause genannt. Aber auch das Kloster Johannisberg bedurfte dringend einer gründlichen Reformation; zu diesem Zwecke übergab es Erzbischof Dieterich im Jahre 1453 der Oberaufsicht und Leitung der^Bursfelder Kongregation'), welche durch ernst- ') Die Schreibweise schwankt zwischen Johannesberg und Johannisberg. In älterer Zeit war jene, in neuerer Zeit ist diese vorherrschend. Wir haben uns in unserem Artikel der letzteren bedient, wie sie auch in fürstlich fuldaischen Aktenstücken, wahrscheinlich zur Vermeidung einer Verwechselung mit der bei Fulda gelegenen Prvpstei Johanncsberg, meist üblich war. 2 ) Bursselde, bei Göttingen gelegen, war im Mittel ­ alter eine berühmte Benedlktinerabtei. Die „Bursfelder Kongregation", gestiftet in der Mitte des 15. Jahrhunderts durch den Abt Johann von Hagen, und befördert von