161 empfingen Löhnung und eine Vergütung für die Beute, welche sie machten. Der Hatz zwischen ihnen und ihren Landsleuten, den „Rebellen", war so groß, daß Gefangennahme für beide Seiten so viel wie Tod bedeutete. — Im Mai herrschte wieder Nahrungsmangel und skorbutartige Krank ­ heiten tauchten auf. Man sandte daher die Truppen nach Tammany- und Turkey-Hill und ließ nur zwei deutsche Regimenter und 24 Ge ­ schütze in der Stadt. Freudig überrascht wurden dieselben, als man ihnen in Newport gebrautes Bier vorsetzte. Schlecht war's zwar, aber — es werden wohl viele Kasseläner dabei gewesen sein — „se susfen's doch!" Am 2. Juni wurden zwei hessische Regimenter Tryon zu Hülfe ge ­ sandt, der an der Küste des Festlands stand. Die zurückgebliebenen Hessen bewiesen, daß sie auch noch zu anderen Dingen als zum Krieg- sühren tauglich seien, indem sie sich hervorragend beim Heumachen betheiligten, wofür der englische Kommissar drei Pistareens pro Mann und Tag zahlte. Am 25. Oktober erhielten die Truppen plötz ­ lich Befehl Rhode Island zu räumen, da eiue weitere Vertheidigung der Insel ausgegeben worden war. Einige Tage zuvor war alles Obst, dessen man habhaft werden konnte, gesammelt worden. Es wurde auf die Schiffe gebracht. Daun wurde das Gepäck verladen und die Frauen eingeschifft. Auch viele „Loyale" flüch ­ teten auf die Flotte, die aus 102 Schiffen bestand und von drei Kriegsschiffen bedeckt wurde. Um 10 Uhr Nachts verließ sie den Hafen. General Preßcot hatte alle möglichen Vorkehrungen ge ­ troffen, um Desertionen zu verhüten. Alle Häuser mußten verschlossen werden und Niemand durfte sich auf der Straße zeigen. Besonders ließ der General die Frauen darauf aufmerksam machen, daß er befohlen habe auf Zuwider ­ handelnde zu schießen. ^ Am 31. Oktober landeten die Truppen in New-Pork. Der Redner geht dann des Näheren auf den Mißbrauch ein, der damals mit den Deutschen und besonders den Hessen von ihren „Besitzern" getrieben sei! Er zeigt, wie schon in alten Zeiten eines der ersten Kulturvölker, die Griechen, seine Dienste an Perser oder Römer verkaufte und, daß man im vorigen Jahrhundert die Dinge anders betrachtete als heutzutage. „Eelking hat das zusammengestellt", sagt er, „waS die hier dienenden Deutschen, Offiziere wie Mann ­ schaften, nach Hause schrieben. Es beweist, daß sie durchaus nicht als Opfer einer selbst ­ süchtigen Politik ihres Herrschers betrachtet oder gar bemitleidet sein möchten. Sie thaten ihre Pflicht zur Zufriedenheit ihrer Bundes ­ genossen und wurden von den Amerikanern geachtet, sogar von denen, welche dieselbe Sprache redeten wie-sie und derselben Nation entstammten; falls sich überhaupt auf das damalige Deutsch ­ land die Bezeichnung als Nation anwenden läßt! — Anderswo ist nachgewiesen worden, daß die Deutschen in den Kriegen der Vereinigten Staaten ihren vollen Antheil an der Vertheidigung ihres Adoptivvaterlandes gehabt haben, von den Tagen der ersten Ansiedler an bis hinab zu unserem letzten blutigen Kriege!" (Bezieht sich auf „The German Soldier in the wars of the United States“ von I. G. Rosengarten, erschienen bei I. B. Lippincott Co. in Philadelphia.) — Trotz der Vorsichtsmaßregeln, die Preßcot, wie wir oben gesehen, beim Verlassen von New ­ port getroffen und die hauptsächlich gegen das sogenannte schwache Geschlecht gerichtet waren, trug das letztere doch schließlich einen Sieg über ihn davon. Zwei Schwestern heiratheten hessi ­ sche Offiziere und beide überredeten später ihre I Gatten nach Amerika auszuwandern. Die jüngere ; heirathete Lieutenant Vultejus, Adjutant im ! Regiment von Ditfurth, in deni auch von der i Malsbnrg diente, den Namen des andern Offi ­ ziers giebt der Redner nicht. Beide kehrten, wie gesagt, nach Amerika zurück und ließen sich in ! Nova Scotia nieder, wo ihnen für ihre Verdienste während des Revolutionskrieges Land zugetheilt wurde. — Und was wurde aus Newport? Die2'/2 Mill. Mark, welche ihm die Belageruug und die jahre ­ lange Besetzung durch den Feind gekostet hatten, hätte es wohl mit der Zeit verschmerzt, wenn es nicht auch seinen einst so blühenden See ­ handel eingebüßt hätte. Der aber war von da an unwiederbringlich verloren und was Newport heute ist, verdankt es seiner herrlichen Lage. Auf jenen Klippen, von denen vor wenig mehr denn hundert Jahren hessische Soldaten bald freudig, bald angstvoll und halb verhungert hinausspähten nach den Segeln am Horizont, wandelt heute die vornehme Gesellschaft der Vereinigten Staaten. Es ist noch dasselbe Meer wie damals, welches sie vor sich sehen, auf der Landseite aber hat sich fast Alles geändert. Bis dicht an die Klippen heran erstrecken sich saftig ­ grüne Wiesen und wohlgepflegte Gärten, aus denen prächtige Villen herüberblicken. Es sind die Sommersitze der Vanderbilt, Astor und einer Zahl anderer Millionäre. Ob wohl Hauptmann von der Malsburg den Strand wieder erkennen würde?